Als Lehrkraft immer auf dem Laufenden

Immer mehr Lehrkräfte möchten im Unterricht mehr mit digitalen Medien arbeiten. Doch häufig fehlt ihnen dafür neben Ausstattung und digitalen Lerninhalten auch die Kompetenz.

Immer mehr Lehrkräfte möchten im Unterricht mehr mit digitalen Medien arbeiten. Doch häufig fehlt ihnen dafür neben Ausstattung und digitalen Lerninhalten auch die Kompetenz. Einzelne Seminare reichen nicht, um den Fort- und Weiterbildungsbedarf zu decken. Mit einer offenen Liste gibt das Netzwerk Digitale Bildung einen Überblick über informelle Angebote – Erweiterung gewünscht.

 

Lehrkräfte sehen laut einer Bitkomstudie große Vorteile durch den Einsatz digitaler Medien im Unterricht und würden diese auch gerne häufiger einsetzen. Etwa, weil sie so Lehrinhalte um aktuelle Informationen ergänzen können (98 Prozent), durch den Einsatz eine höhere Motivation der Schüler sehen (96 Prozent)  oder Inhalte und Zusammenhänge mit Hilfe digitaler Medien besser darstellen können (89 Prozent). Auch Spaß am Einsatz digitaler Medien (74 Prozent), die dadurch mögliche individuellere Ansprache der Schüler (64 Prozent) und die Förderung der Zusammenarbeit (60 Prozent) nennen die Umfrageteilnehmer als Gründe.

Dass Wunsch und Wirklichkeit nach wie vor an vielen Schulen so weit auseinanderklaffen, liegt auch an unzureichenden Ressourcen für die notwendige Weiterbildung, wie die Befragung zeigt:

  • 82 Prozent wünschen sich den Ausbau von Weiterbildungsangeboten zum Einsatz digitaler Medien.
  • 83 Prozent würden solch eine Weiterbildung gern selbst besuchen.
  • Drei Viertel der Befragten wünschen sich, dass bereits das Lehramtsstudium besser auf den Einsatz digitaler Medien vorbereitet.

 

 

Grafik: Bitkom


Einsatz digitaler Medien häufig nicht gelernt

Es gebe in Deutschland gegenüber digitalen Medien und ihrem Mehrwert zwar eine positive Einstellung, aber nicht im gleichen Ausmaß wie in anderen Ländern, findet Dr. Heike Schaumburg. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Humboldt-Universität zu Berlin und Mitautorin der internationalen Vergleichsstudie ICILS (International Computer and Information Literacy Study). „Hierzulande sind Lehrkräfte häufig skeptisch. Das resultiert unter anderem daraus, dass digitale Medien weder in der Erstausbildung an der Universität noch bei der Weiterqualifizierung obligatorisch sind und die Lehrkräfte den Einsatz häufig nicht gelernt haben”, so Schaumburg. Einheitliche Regelungen zur Fortbildung von Lehramtsstudierenden und Lehrkräften in Digitaler Bildung gibt es noch nicht. Wie unterschiedlich allein die Lage in Norddeutschland ist, zeigt eine Vergleichsstudie der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein.

 

Neben Kursprogrammen der Universitäten und Fortbildungsinstitute der jeweiligen Bundesländer gibt es eine Vielzahl von weiteren Angeboten. Ihr breites Spektrum reicht von der Vermittlung technischer Grundlagen über ganz konkrete Einsatzmöglichkeiten digitaler Medien bis hin zu Spezialthemen wie App-Entwicklung im Unterricht.

 

In einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit kritisiert Bildungsforscher Hans Anand Pant, dass ihm in den Katalogen mit Kursangeboten oft noch ein übergreifendes Konzept fehle. Er wünsche sich, dass Schulen viel gezielter von Fachleuten zu ihren individuellen Problemen geschult werden könnten.

 

Ansätze abseits der klassischen Angebote existieren – doch noch sind sie Orchideen. Beispielsweise die von Micha Busch entwickelte schuljahresbegleitende schulinterne Lehrerfortbildung „Digitale Bildung”, die der Lehrer in Kooperation mit dem Landesinstitut für Lehrerbildung und der Universität Hamburg umsetzt.

 

Insgesamt erfordert die Digitale Bildung auch in Bezug auf Methoden und Formate ein Umdenken in der Lehrerfortbildung. Lehrkräfte müssen sich kontinuierlich auf dem Laufenden halten und nutzen die Potenziale Digitaler Bildung im besten Fall gleich für ihr eigenes Lernen. In den letzten Jahren haben sich bereits einige Formate entwickelt, die nur noch wenig mit dem bekannten Präsenzlernen in Fortbildungsveranstaltungen zu tun haben.

 

 

Fortbildungsmöglichkeiten für Lehrkräfte

  • Events
  • Massive Open Online Courses (MOOCs)
  • Webinare
  • E-Lectures
  • Foren
  • Blogs
  • Twitterlisten und -veranstaltungen


Auch Lehrkräfte lernen selbstgesteuerter

Viele dieser Formate spiegeln die Veränderungen im Klassenzimmer, die zum Beispiel der aktuelle Horizon Report beschreibt: Auch Lehrkräfte selbst nutzen immer häufiger digitale Medien, um sich fortzubilden. Sie lernen selbstbestimmter, in ihrem eigenen Tempo und in engem Austausch mit anderen. Dabei steuern sie oft selbst, wann und wo sie sich mit dem Lernstoff beschäftigen möchten. Problematisch an diesem selbstorganisierten informellen Lernen ist, dass es sich häufig auf die Freizeit der Lehrkräfte verlagert: „Fortbildung wird zum Hobby der Lehrkräfte gemacht und das ist ein ganz großes Problem", sagte Josef Blank, Geschäftsführer von SMART Technologies Deutschland und Sprecher des Netzwerks Digitale Bildung, im Dezember 2015 in einer Online-Diskussion.

 

Walter Rosenthal, Präsident der Friedrich-Schiller-Universität Jena, fordert neben Pflichtweiterbildungen mehr Freiräume für Lehrkräfte, um sich regelmäßig fortbilden zu können. Auch die eingangs zitierte Mitautorin der ICILS-Studie, Dr. Heike Schaumburg, verlangt, digitale Medien zu einem festen und verpflichtenden Bestandteil der Aus- und Weiterbildung in Deutschland zu machen. Schulleitungen spielten eine ganz entscheidende Rolle, denn sie müssten die Rahmenbedingungen schaffen. „Sie sollten zum Beispiel den Lehrkräften Freiräume gewähren, wenn diese im Bereich der Digitalen Bildung etwas Neues ausprobieren möchten”, fordert sie.

 

 

Das Netzwerk Digitale Bildung möchte zum Ausprobieren anstiften und einen Überblick über Weiterbildungsangebote zum Einsatz digitaler Medien geben. Deshalb sammeln wir in dieser Liste Fortbildungsmöglichkeiten zu den vielfältigen Themen im Bereich Digitale Bildung – insbesondere informelle Angebote aus Deutschland und anderen Ländern. Wichtig ist uns, dass sie einen Mehrwert für Lehrkräfte in Deutschland darstellen. Die Kommentarfunktion ist aktiviert – wir freuen uns über Ergänzungen und Hinweise!

 

 

Zusammengefasst: unsere 5 Linktipps zum Thema

    „Lehrerinnen und Lehrer haben über zehn Wochen unterrichtsfreie Zeit im Jahr, die für Fortbildungen genutzt werden können.”

    Interview mit Dr. Claudia Bogedan, Senatorin für Kinder und Bildung der Freien Hansestadt Bremen und Präsidentin der Kultusministerkonferenz, zu den Möglichkeiten für Lehrkräfte, sich für Digitale Bildung fortzubilden.

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    Im Austausch

    Ansprechpartner, Akteure und Projekte aus der Digitalen Bildung.

    Vernetzen Sie sich

    Methodenpool

    Aus der Praxis für die Praxis: Über 120 erprobte Methoden, um digitale Medien im Unterricht einzusetzen, stehen in der Datenbank von SMART zum freien Download zur Verfügung.

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