Holger Meeh über „Teaching materials to go“

Im Alltag kommen Lehrkräfte oft nicht dazu, eigenes Material für SMART Boards selbst zu erstellen. Holger Meeh von der Pädagogischen Hochschule in Heidelberg hatte deshalb die Idee, Studierende könnten Lehrmaterial für die Praxis umsetzen.

Foto: Holger Meeh

Im Alltag kommen Lehrkräfte oft nicht dazu, eigenes Material für SMART Boards selbst zu erstellen. Holger Meeh von der Pädagogischen Hochschule in Heidelberg hatte deshalb die Idee, Studierende könnten Lehrmaterial für die Praxis umsetzen. Das hilft nicht nur den Lehrkräften, die Konzepte einreichen können. Auch die Studierenden sind motivierter, wenn ihr Material später wirklich Anwendung findet. Sie bekommen einen besseren Einblick in die Praxis. Noch bis zum 6. November 2015 können Lehrerinnen und Lehrer Vorschläge einsenden. 


Wie sind Sie auf die Idee zu dem Projekt gekommen?

Ich habe mich zusammen mit einer Kollegin an der Idee des „Service Learning“ orientiert. Service Learning heißt grob zusammengefasst, dass man sich im Rahmen von Hochschulausbildung nicht nur mit einer bestimmten Thematik auseinandersetzt, sondern in der Anwendung auch darauf achtet, dass die Öffentlichkeit etwas davon hat. Die Idee hinter „Teaching materials to go“ ist ganz einfach die, dass wir nicht etwas realisieren lassen wollen, was hinterher in der Schublade verschwindet. 


Wie können Lehrkräfte von „Teaching materials to go“ profitieren?

Wir wollen Lehrkräfte in die Lage versetzen, etwas entwickeln zu lassen, das an ihren eigenen Unterricht angepasst ist. Die Beobachtung ist nämlich sehr häufig, dass die interaktiven Whiteboards zwar immer häufiger in Schulen vorhanden sind, dass sie aber nur von wenigen intensiv genutzt werden. Viele haben vielleicht schon eine Idee im Kopf, sie haben auch Material, etwa Arbeitsblätter oder Folien. Aber die Zeit, das Material daraus zu entwickeln, haben sie im Alltag oft nicht. Das ist der Vorteil, den Lehrkräfte daraus ziehen können. 


Was ist der Vorteil für die Studierenden?

Für mich ist Bedingung, dass die Lehrkräfte den Studierenden auch während des Semesters ein paar Mal für Nachfragen zur Verfügung stehen. Das hat für die Studierenden den Vorteil, dass sie ihr Produkt immer weiter verbessern können und dadurch einen Einblick bekommen, worauf es in der Praxis später ankommt. Es hat auch einen anderen Stellenwert, wenn die Studierenden wissen, dass sie etwas nicht nur für den Kursleiter oder die Kursleiterin entwickeln, der oder die ihnen dann eine Note gibt. Sie aber machen es für die Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler, die das wirklich nutzen. Das motiviert nochmal ganz anders. 


In welchem Rahmen findet das Projekt „Teaching materials to go“ statt?

Dahinter steht das Seminar „Medienkompetenz – Unterrichten mit digitalen Medien“, das ich inzwischen jedes Semester für Lehramtsstudierende anbiete. In einem höheren Modul im Feld „Medienkompetenz“ sollen Studierende auch praktisch den Umgang mit digitalen Medien im Unterricht erlernen. Die Nachfrage nach dem Kurs ist groß. Er ist mit 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmern bereits voll, aber es stehen noch einmal so viele schon auf der Warteliste für den nächsten. Der Schwerpunkt des Seminars ändert sich in jedem Semester. In den vergangenen Semestern haben wir beispielsweise Lehrerfortbildungen entwickelt und gehalten. Wir haben auch schon Medienkompetenzworkshops für Schulklassen entwickelt. Darin ging es um die Fragen wie: „Wie gehe ich mit WhatsApp um?“ „Welche Sicherheitseinstellungen gibt es?“ „Was passiert eigentlich mit meinen Daten in Online-Spielen?“ Jetzt möchte ich mit „Teaching materials to go“ in diesem Semester einen anderen Schwerpunkt setzen.


Welche Projektideen können Lehrkräfte einreichen?

Im Grunde ist alles möglich, solange es einen gewissen Umfang und ein gewisses technisches Niveau nicht übersteigt: Übungen, Lernspiele, Visualisierungen, Stationen für einen Lernzirkel, auch Kombinationen von SMART Boards mit mobilen Endgeräten. Alles, was man mit der Software für das SMART Board erstellen kann. Was wir nicht leisten können, ist Programmieren. Das lernen die Studentinnen und Studenten in diesem Seminar nicht. Lehrkräfte können sich jetzt bis zum 6. November 2015 von überall bei mir melden und sagen: „Ich habe eine Idee für Material am Board oder eine Tabletanwendung, ich habe aber nicht die Zeit oder die Kompetenz, das zu realisieren.“


Haben Sie ein konkretes Beispiel für eine Anwendung?

Konkrete Beispiele aus früheren Projekten, an denen zum Teil auch Studierende beteiligt waren, habe ich für Interessierte auf einer Website zusammengestellt. So habe ich zum Beispiel das Thema „Was ist Europa?“ für die politische Bildung anhand der Fußball-Europameisterschaft umgesetzt. Wenn man in die Qualifikationsgruppen hineinschaut, dann findet man dort Teilnehmer wie die Türkei oder Russland, deren größter Anteil des Territoriums in Asien liegt. Sie finden Länder wie Kasachstan, Aserbaidschan oder Armenien, die ganz klar in Asien liegen. Und sie finden ein Land wie Israel. Diese Länder wollen sich alle für die Europameisterschaft qualifizieren. In diesem SMART Board-Material befindet sich ein Plan der Qualifikationsgruppen. Hier können Schülerinnen und Schüler herausfinden, welche Länder eigentlich nicht zu Europa gehören, wo sie auf der Landkarte liegen und warum sie sich etwa kulturell als europäisch sehen. Sie können so herausarbeiten, dass es Europa nicht nur als Kontinent gibt, sondern auch als eine Idee, die sich beispielsweise in der Europäischen Union manifestiert.


Wer darf das erstellte Material hinterher verwenden?

Das Material wird frei verfügbar im Netz zugänglich sein. Ich werde darauf achten, dass die Studierenden urheberrechtlich und lizenzrechtlich einwandfreie Materialien verwenden. Das ist auch ein Lernziel des Projektes, sich genau mit solchen Fragestellungen auseinanderzusetzen und nicht nur mit Fragen der Bedienung einer Software. Wir fragen auch: Wie entwickle ich originelle Ideen, sodass ich am Ende nicht nur wie bei Powerpoint ein paar Spiegelstriche mit ein paar bunten Bildchen habe, sondern dass das Material Lernende aktiviert. Und in der Realisierung: Wie schaffe ich, dass das Ganze funktional ist, gut aussieht und auch noch rechtlich einwandfrei ist? Es soll einerseits auf einer Webseite frei zugänglich sein, andererseits natürlich auch auf SMART Exchange. Ab Februar 2016 stehen die fertigen Materialien zur Verfügung.


Wie ist die Nachfrage nach solchen freien Materialien?

Alle 40 Materialien, die meine Hochschule bisher auf SMART Exchange veröffentlicht hat, sind schon über 2000 Mal heruntergeladen worden. Das ist kein schlechter Wert, denn es sind viele eher spezielle Themen dabei.

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Dipl.-Päd. Holger Meeh

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