Dr. Claudia Bogedan, Senatorin für Kinder und Bildung der Freien Hansestadt Bremen und Präsidentin der Kultusministerkonferenz, zu den Möglichkeiten für Lehrkräfte, sich für Digitale Bildung fortzubilden.

Foto: Freie Hansestadt Bremen

In einem Interview mit dem Weser Kurier haben Sie Ende Dezember den Ausbau Digitaler Bildung als einen Ihrer Wünsche fürs neue Jahr genannt. Neben der Ausstattung ist dabei auch die Fortbildung von Lehrkräften in Digitaler Bildung, etwa zu Methoden und ihren Einsatzmöglichkeiten, ein wichtiger Bestandteil. Wie zufrieden sind Sie mit der Fortbildung von Lehrkräften in diesem Bereich?

Bildung in und für die digitale Welt verstehe ich als umfassenden Ansatz. Es geht nicht allein darum, zusätzliche Medienkompetenz an Schülerinnen und Schüler zu vermitteln. Die Digitalisierung erfordert Kompetenzen im Alltag, die den Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen zur Seite gestellt werden müssen. Dieses Verständnis ist noch nicht sehr etabliert. Die Debatte  wird daher häufig verkürzt geführt über Fragen wie die Einführung eines Pflichtfachs Informatik oder Forderungen danach, dass jeder Schüler und jede Schülerin jeweils ein Tablet bekommen.

Welche Themen sollten Ihrer Meinung nach bei Fortbildungen im Bereich Digitale Bildung behandelt werden?

Fortbildungen müssen die neuen Handlungsspielräume erfahrbar machen. In Bremen haben wir für alle Schulen eine Lernplattform eingeführt. In Schulungen und Nutzerveranstaltungen wird anschaulich, welche Möglichkeiten für die eigene Unterrichtsgestaltung, die Kommunikation im Kollegium und auch die Hausaufgabengestaltung ermöglicht werden. Natürlich ist auch das Lernen voneinander sehr wichtig und aufschlussreich.

Was halten Sie von den regelmäßig aufkommenden Forderungen, Fortbildungen in Digitaler Bildung für Lehrkräfte verpflichtend zu machen?

Lehrkräfte sollten nicht verpflichtet werden, an diesen Fortbildungen teilzunehmen. Ich setze darauf, dass der Nutzen der Fortbildungen und das Wissen darum für eine Teilnahme ausreichen. Wir haben in Bremen sehr gute Erfahrungen mit diesem freiwilligen Weg gemacht.

Besonders Engagierte nutzen die Vielzahl der Fortbildungsangebote zu Digitaler Bildung in ihrer Freizeit. Wieso erhalten Lehrkräfte nicht mehr Freiräume, um sich regelmäßig fortbilden zu können?

Lehrerinnen und Lehrer haben über zehn Wochen unterrichtsfreie Zeit im Jahr, die für Fortbildungen genutzt werden können. Fortbildungen während der Unterrichtszeit sollten im Interesse der Schüler beschränkt werden, da sonst deren Unterricht ausfallen muss. Denn trotz Digitalisierung bleibt die Schüler-Lehrer-Beziehung zentrale Bedingung für ein gelingendes Lernen.

Welche Pläne verfolgen Sie zum Thema Fortbildung von Lehrkräften in Digitaler Bildung – sowohl als Bildungssenatorin als auch in ihrem Amt als Präsidentin der Kultusministerkonferenz?

Ein zentrales Element der KMK-Strategie zur Bildung in der digitalen Welt ist die Aus-, Fort- und Weiterbildung von Erziehenden und Lehrenden. Der Erwerb der dazu notwendigen Kompetenzen muss Bestandteil aller Ausbildungsabschnitte sein. Wir wollen die gemeinsame Qualitätsoffensive Lehrerbildung von Bund und Ländern hierzu nutzen. Als Bildungssenatorin werbe ich persönlich für die Nutzung unserer Lernplattform. Am Landesinstitut für Schule haben wir kompetente Fachleute, die mit Schulungen, Rat und Tat für unsere Lehrkräfte und Schulen da sind, um die Nutzung zu unterstützen.

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