Die Zukunft des Lernens im Beruf

///Die Zukunft des Lernens im Beruf

Der digitale Wandel verändert, was und wie im Unternehmen gelernt wird. Der Einsatz digitaler Lernangebote bietet Arbeitgebern und ihren Angestellten mehr Flexibilität. Gleichzeitig stellt er Unternehmen vor große Herausforderungen.

Vor wenigen Jahren mussten Angestellte bei einer geplanten Weiterbildung häufig monatelang auf ein Kursangebot warten, um dann an einer ganztägigen Präsenzveranstaltung teilzunehmen- oft in einer anderen Stadt. Heute sieht das ganz anders aus: Arbeitgeber stellen im Intranet Lernvideos zur Verfügung, mit denen die Mitarbeiter im eigenen Tempo lernen. Sie können im Wiki nach Tipps und Literaturvorschlägen recherchieren oder finden verfügbare Webinar-Angebote, an denen sich die Teilnehmenden auch von zuhause aus einbringen können. Kollaborative Arbeitsumgebungen ermöglichen das gemeinsame Lernen mit Kolleginnen und Kollegen, zum Beispiel bei der gleichzeitigen Arbeit an einem Dokument.

Hochflexible digitale Lernangebote

Der digitale Wandel hat die berufliche Bildung also in vielerlei Hinsicht bereits radikal verändert. Viele Unternehmen offerieren ihren Mitarbeitern hochflexible Lernangebote. Die Lernenden können dabei selbst entscheiden, wann, wo und auf welche Weise sie sich neues Wissen aneignen. Ihr Arbeitsalltag und ihr Privatleben müssen sich nicht den Kurszeiten einer Weiterbildung anpassen, sondern sie lassen sich flexibel einplanen.

Gefragt: digitale Kompetenzen

Nicht nur wie die Menschen lernen hat sich verändert, sondern auch was. Die Themen Technik und Computer liegen im Trendbericht des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zum Weiterbildungsverhalten in Deutschland auf dem zweiten Platz – nach Themen aus dem Bereich Wirtschaft, Arbeit und Recht. Darüber hinaus werden digitale Kompetenzen im Beruf immer gefragter. Faktenwissen besitzt heute durch die Möglichkeiten der Online-Recherche und die Verfügbarkeit digitaler Archive einen deutlich geringeren Stellenwert als zu Offline-Zeiten. Dafür haben andere Kompetenzen durch den digitalen Wandel stark an Bedeutung gewonnen:

  • Informationen eigenständig finden
  • Neue Methoden selbständig erarbeiten
  • Schnelles Einstellen auf Veränderungen
  • Problemlösungskompetenz
  • Bereitschaft zum kollaborativen Arbeiten

Nach und nach nimmt das vernetzte Lernen einen höheren Stellenwert in der beruflichen Bildung ein. Dabei tauscht sich zum Beispiel eine Führungskraft mit einzelnen Teammitgliedern in einer Videokonferenz aus und bespricht mit der Gruppe ein neues Regelwerk, in das sich alle in den kommenden Wochen einarbeiten. Während des Termins erarbeiten die Beteiligten in einem gemeinsamen Dokument kollaborativ eine Agenda mit Aufgaben zu diesen Regeln, die sie dann im Nachgang mit Inhalten anreichern und ergänzen. Im weiteren Verlauf tauschen sie sich immer wieder im Forum über einzelne Arbeitsschritte aus.

Fünf beliebte E-Learning-Formate

  • Lernvideos: Mit Videos lernt jeder in seinem Tempo und sieht sich Ausschnitte bei Bedarf mehrfach an.
  • Webinare: Die virtuellen Seminare werden zum Beispiel für Software-Schulungen genutzt. Dabei blendet der Trainer seinen Bildschirm für alle ein und zeigt Neuerungen. Über Chat oder Mikrofon können Lernende Fragen stellen.
  • Foren: In Foren diskutieren Teilnehmer Erlerntes oder bearbeiten gemeinsam Aufgabenstellungen. In vielen Unternehmen haben Foren auch einen hohen Stellenwert für den Austausch zu Problemen im Arbeitsalltag und Fach-know-how.
  • Blended Learning: Die Kombination aus Präsenzveranstaltungen und E-Learning ermöglicht eine intensivere Vernetzung und sozialen Austausch der Teilnehmer.
  • Wikis: Wikis dokumentieren das in einem Unternehmen verfügbare Wissen und machen es für alle zugänglich. Das sichert Wissen, zum Beispiel für Vertretungsfälle oder Mitarbeiterwechsel.

Vier Herausforderungen digitaler beruflicher Bildung

Die Möglichkeiten des digitalen Lernens sind zahlreich – grenzenlos sind sie jedoch auch in der beruflichen Bildung nicht. Arbeitgeber stehen beim Einsatz von E-Learning-Formaten vor vier großen Herausforderungen:

  • Wissen hat in Zeiten der Digitalisierung eine geringere Haltbarkeit. Unternehmen sollten auf die Aktualität ihrer Angebote achten – idealerweise gibt es Verantwortliche für einzelne Lernformate.
  • Flexibles und ortsunabhängiges Lernen funktioniert nur mit entsprechender Ausstattung und Infrastruktur, insbesondere einer guten Internetverbindung, mobilen Geräten sowie dem Know-how, diese richtig zu bedienen.
  • Bei manchen Themen, wie zum Beispiel Erster Hilfe, bleiben Präsenzanteile sinnvoll und notwendig.
  • Digitale Lernangebote gelten dann als besonders gelungen, wenn sie unterschiedliche Lernvorlieben und -geschwindigkeiten ansprechen. Das erfordert hohen didaktischen Aufwand und Budget.

Digitales Lernen flexibilisiert die Arbeitswelt

Als eines der stärksten Argumente für den Einsatz von E-Learning führten Arbeitgeber und Anbieter lange die wegfallenden Reisekosten bei Weiterbildungen an. Doch digitales Lernen ist viel mehr als das. Es verändert nicht nur das Lernen sondern auch die Strukturen im Unternehmen. Wird Wissen in einem Wiki für alle zugänglich dokumentiert, ebnet das zum Beispiel den Weg für Home-Office-Lösungen und Job-Sharing. Konzepte wie E-Leadership und virtuelle Teams schließen bei der Flexibilisierung der Arbeitswelt auch Führungspositionen ein. Solche mobilen und flexiblen Arbeitsmodelle sind es auch, mit denen viele Arbeitgeber ihre Attraktivität gegenüber potenziellen Mitarbeitern steigern möchten. Auch gegenüber der Generation Y. Studienergebnisse zeigen, dass diese Generation vermehrt selbst entscheiden möchte, wann sie ihre Arbeit erledigt. Dafür wären die Mitarbeiter sogar bereit, auf ein höheres Gehalt zu verzichten. Eine zentrale Rolle bei der Gestaltung des digitalen Wandels nehmen die Personalabteilungen in Unternehmen ein. Zum Beispiel durch die Weiterentwicklung digitaler Lernformate und durch Lernangebote für spezielle Zielgruppen, etwa Videocoachings im Bereich Executive Education. Experten gehen davon aus, dass der digitale Wandel anhalten und ganze Märkte verändern wird. Schätzungsweise 40 Prozent der Unternehmen werden sich deshalb innerhalb der kommenden fünf Jahre in einem völlig veränderten Wettbewerbsumfeld wiederfinden (Global Center for Digital Business Transformation).

Zusammengefasst: unsere 3 Linktipps zum Thema

  • Blogbeitrag zur Fachkonferenz „Erwachsenenbildung digital: Professionalisieren. Vernetzen. Gestalten“ im September 2015 in Berlin
  • Statista-Umfrage zum E-Learning-Einsatz in Unternehmen in Deutschland im Jahr 2014
  • Schöne neue Lernwelt? Eine Studie der Deutschen Universität für Weiterbildung
2017-03-02T10:19:08+00:00