Intelligente Vernetzung im Bildungsbereich: Viele Aufgaben liegen noch vor uns

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Beitrag von Prof. Christoph Igel, Wissenschaftlicher Leiter des Educational Technology Lab am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH.

Die Fokusgruppe „Intelligente Vernetzung“ des Nationalen IT-Gipfels hat sich zum Ziel gesetzt, gemeinsam mit rund 200 Expertinnen und Experten aus mehr als 150 Unternehmen und Institutionen die digitale Vernetzung Deutschlands voranzubringen.

Als hochrangiges Gremium begleitet und berät sie zudem die Umsetzung und Weiterentwicklung der Strategie „Intelligente Vernetzung“ als Bestandteil der Digitalen Agenda der Bundesregierung.

Erste Analyse 2015

Bereits im letzten Jahr hatte die Expertengruppe „Intelligente Bildungsnetze“, deren Vorsitz ich übernommen habe, einen Status- und Fortschrittsbericht zu Studium, Lehre und Weiterbildung an deutschen Hochschulen vorgelegt. Das Fazit im letzten Jahr lautete, dass die Digitalisierung in diesen Bereichen weitaus weniger fortgeschritten ist, als es technologisch möglich wäre. Die Innovationspotenziale intelligenter Bildungsnetze werden höchstens in Ansätzen genutzt. Für ihren breiten Einsatz in Forschung, Studium, Lehre und Weiterbildung sind strategische Entscheidungen der Leitungen der Hochschulen gefragt. Als Hindernis erweisen sich zudem

  1. das Fehlen zeitgemäßer Regelungen zu Urheberrecht und Datenschutz
  2. Hochschulgesetze der Länder, die die Anforderungen und Herausforderungen der Digitalisierung nicht mehr abbilden
  3. der noch ausstehende flächendeckende, breitbandige Ausbau der IT-Infrastruktur

2016 Erweiterung um berufliche Bildung

In diesem Jahr haben wir den Bericht 2016 um das Thema berufliche Bildung erweitert. Das Ergebnis unserer Analyse zeigt: Es gibt erhebliche Unterschiede zur Entwicklung in den Hochschulen, die auch im zweiten Jahr von einer umfassenden Implementierung intelligenter Bildungsnetze ein ganzes Stück entfernt sind. In Großunternehmen gelten vernetzte Bildungsangebote basierend auf dem Internet, digitalen Medien und Bildungstechnologien bereits als bewährte Praxis. In Klein- und mittelständischen Unternehmen hingegen findet E-Learning nur punktuell statt. Dies ist auch für berufsbildende Schulen festzustellen.

Positionspapier zu Smarten Bildungsräumen

Ein weiteres Ergebnis der Arbeit der Fokusgruppe bestand darin, die Digitalisierung von Bildung und Qualifizierung aus der Perspektive des Raums in den Blick zu nehmen. „Die Vernetzung von Orten formaler Bildung untereinander sowie im nächsten Schritt die Verknüpfung mit den Aktivitäten informeller und non-formaler Bildung hebt eine bislang aus organisatorischen und technischen Gründen notwendige Trennung auf, die jedoch nicht der Lernerfahrung von Menschen und der zunehmenden Nutzerzentrierung im Sinne einer Differenzierung, Individualisierung und Personalisierung entspricht“, heißt es in einem weiteren Bericht, der in Kooperation der beiden Expertengruppen Intelligente Bildungsnetze und Smart Cities/Smart Regions entstanden ist. Wir haben dabei insbesondere die enge Verknüpfung von intelligenten Bildungsnetzen mit dem Aufbau von Smart Cities und Smart Regions betrachtet und fünf Empfehlungen herausgearbeitet, um diese zu verbessern:

  1. Intelligente Bildungsnetze sollten als Bestandteil von Smart Cities anerkannt und im Rahmen von Smart­City­Initiativen umgesetzt werden.
  2. Wir brauchen eine gemeinsame Strategie für den Aufbau intelligenter Bildungsnetze und von Smart Cities.
  3. Vorhandenes Expertenwissen sowie Best Practice in der Region sollte genutzt werden. Es empfiehlt sich der Aufbau einer interdisziplinären Planungsgruppe.
  4. Smarte Bildungsräume sollten zunächst regional starten und sich danach überregional ausdehnen.
  5. Eine flächendeckende breitbandige Anbindung von Bildungsorten über Funk- und Festnetze (Mobil/WLAN) muss gewährleistet sein. Parallel und möglichst ergänzend zum Aufbau einer Smart-City-Governance für die sichere und diskriminierungsfreie Nutzung von Daten im Rahmen von Smart City-Projekten ist auch eine Educational Governance für smarte Bildungsräume zu entwickeln.

In nahezu jeder Region existieren bereits Beispiele, die den Kern smarter Bildungsräume bilden könnten. Auch deshalb muss jede Region ihren eigenen Ansatz entwickeln, darf dabei jedoch die für erfolgreiche Bildungsprozesse entscheidende überregionale Vernetzung nicht aus dem Blick verlieren.

In unserem Bericht analysieren wir die Bildungsräume, arbeiten Potenziale heraus, die sich durch die Verknüpfung mit Smart Cities/ Smart Regions ergeben und zeigen auch konkrete Beispiele für diesen Prozess, die als Best Practice gelten mögen: unter anderem die Schul-IT der Stadt Köln sowie die Bildungscloud Niedersachsen.

2017-03-02T10:19:00+00:00