Finanzierung Digitaler Bildung an Hochschulen

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Hochschulen mit einer umfassenden Digitalisierungsstrategie sind in Deutschland aktuell noch die Ausnahme. Verschiedene Programme von Bund und Ländern, Stiftungen und Verbänden fördern Digitale Bildung an Hochschulen.

Digitale Bildung an HochschulenKnapp 2,8 Millionen Studierende sind laut Statistischem Bundesamt im Wintersemester 2015/16 an Deutschlands Hochschulen eingeschrieben. Für die mehr als 500.000 Studienanfängerinnen und -anfänger ist auch die Ausstattung ihrer zukünftigen Hochschule ein Wahlkriterium. „Wie verhält es sich mit der Ausstattung?” ist eine von zehn Fragen, die die Internetseite studieren.de als Entscheidungshilfe für die Wahl der Hochschule auflistet. Auch Rankings, wie zum Beispiel das CHE Hochschulranking, enthalten digitale Ausstattung in ihrem Kriterienkatalog.

Um Digitale Bildung zu finanzieren, stehen Hochschulen verschiedene Programme und Wege zur Verfügung. Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Cornelia Quennet-Thielen, nennt in einem Vortrag auf einer Konferenz des Hochschulforums Digitalisierung im September 2015 in Berlin die drei folgenden Beispiele:

  • Bundesprogramm Qualitätspakt Lehre
  • Bundesprogramm Neue Medien in der Bildung
  • Bund-Länder-Initiative Aufstieg durch Bildung: Offene Hochschulen

Finanzierungsmodelle

Im Rahmen des Qualitätspakts Lehre etwa würden mehr als die Hälfte der geförderten Hochschulen aktiv die Digitalisierung der Hochschullehre vorantreiben, so die Staatssekretärin. Auch Länder, Stiftungen und Verbände unterstützen Digitale Bildung an Hochschulen. Die Bertelsmann Stiftung gibt eine Übersicht über Preise und Wettbewerbe. Auch über Förderungen für einzelne Projekte oder die Berufungsgelder von Professorinnen und Professoren fließen finanzielle Mittel in Digitale Bildung an Hochschulen. Im Status- und Fortschrittsbericht der Projektgruppe Intelligente Bildungsnetze des Nationalen IT-Gipfels der Bundesregierung heißt es: „Von Ausnahmen abgesehen ist die Finanzierung digitaler Bildungsangebote, Service-Einrichtungen oder Forschungszentren volatil. Grundfinanzierungen sind durch Bund und Länder sicherzustellen, zusätzliche Einnahmequellen in Industrie und Wirtschaft sind zu erschließen.”

Insgesamt waren an den 427 Hochschulen in Deutschland im Jahr 2014 mehr als 675.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Viele der Einrichtungen sind in ihrer Größe mit Großunternehmen vergleichbar. Trotzdem verfügt aktuell nur ein geringer Anteil von ihnen über eine umfassende Digitalisierungsstrategie, die das Thema von der Planung über die Finanzierung bis zur nachhaltigen Umsetzung betrachtet. Wer so eine Strategie implementiert hat, verfügt in der Hochschullandschaft über einen Leuchtturmstatus. Hochschulen „brauchen eine kluge Strategie, wie sie die neuen digitalen Möglichkeiten nutzen wollen. Dann kann das Geld auch dafür eingesetzt werden”, sagt Bundesbildungsministerin Johanna Wanka gegenüber der Mittelbayerischen Zeitung.

Drei Erfolgsfaktoren

Getroffen wird die Entscheidung für eine hochschulübergreifende Digitalisierungsstrategie in der Regel vom Hochschulpräsidium. Doch bei den Vorbereitungen, unter anderem bei der Aufstellung eines Finanzplans, sind viele unterschiedliche Abteilungen der Hochschule beteiligt. Diese drei Faktoren tragen zum Projekterfolg bei:

  1. Alle ziehen an einem Strang. Denn nur wenn die unterschiedlichen Abteilungen sich auf gemeinsame Ziele und Schritte einigen, kann das Projekt dementsprechend umgesetzt und die notwendige Finanzierung geplant werden. Beteiligt sind in der Regel: der Bereich E-Learning, das Rechenzentrum, die medientechnische Abteilung, der Einkauf, wissenschaftliche Vertreterinnen und Vertreter sowie Studierendenvertretungen.
  2. Alle Verantwortlichkeiten sind geklärt. Wer ist für den First Level Support zuständig, wenn etwas nicht funktioniert? Wer übernimmt die Verteilung der Software? Wer organisiert Trainings? Wer kauft etwas nach? Wer ist für Reportings zuständig? Denn damit die Finanzierung entsprechend geplant werden kann, müssen die Zuständigkeiten klar definiert sein.
  3. Nicht am falschen Ende sparen. Die modernste Ausstattung ist wenig wert, wenn niemand mit ihr zu arbeiten weiß. Deshalb sollten Trainings – sowohl mit Didaktikschwerpunkt für die Nutzer als auch mit Technikschwerpunkt für die IT-Administratoren – ein zentraler Baustein beim Finanzierungskonzept einer Digitalisierungsstrategie sein.

Neue Geschäftsmodelle durch Digitale Bildung

Teil dieser Hochschulstrategie ist es heutzutage auch immer häufiger, sich durch digitale Bildungsangebote neue Zielgruppen und Geschäftsmodelle zu erschließen. Durch Streaming und Aufzeichnung von Vorlesungen erhöhen Hochschulen die Flexibilität ihrer Studierenden und können Raumprobleme lösen. Das Unternehmen Coursera listet frei zugängliche Online-Vorlesungen (MOOCs) von Hochschulen weltweit. 15 Millionen Menschen haben sich dort bereits registriert und damit mehr als fünfmal so viele wie an allen Hochschulen in Deutschland zusammen.

Besonders aktiv im Bereich MOOCs ist die FH Lübeck, die für das Thema eine eigene Kurs-Plattform entwickelt hat. Für ihr Digitalisierungskonzept ist die Fachhochschule 2015 vom Stifterverband für die deutsche Wissenschaft und der Heinz Nixdorf Stiftung ausgezeichnet worden. Ein weiteres Beispiel für MOOCs in Deutschland ist die 2015 gegründete Kiron University, die Flüchtlingen gratis ein englischsprachiges Studium mit Online-Kursen ermöglicht. Finanziert wurde die Online-Universität über eine Crowdfunding-Kampagne.

Welche Erfahrungen haben Sie mit der Finanzierung Digitaler Bildung im Hochschulbereich gemacht? Welche Fördermöglichkeiten sollten wir an dieser Stelle ergänzen? Schreiben Sie uns an info@netzwerk-digitale-bildung.de oder kontaktieren Sie uns über Twitter.

Zusammengefasst: unsere 5 Linktipps zum Thema

  • Liste von Preisen und Wettbewerben für Digitale Bildung bei der Bertelsmann Stiftung
  • Interview mit Bundesbildungsministerin Johanna Wanka zu digitalen Hochschulen, auch Fragen zur Finanzierung
  • Vortrag von Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Cornelia Quennet-Thielen, zu Digitalisierung im Hochschulbereich
  • 20 Thesen zur Digitalisierung der Hochschulbildung vom Hochschulforum Digitalisierung, drei davon zum Thema Finanzierung
  • Best-Practice Projektwettbewerb der Open-Innovation-Plattform der Initiative Intelligente Vernetzung
2017-03-02T10:19:05+00:00