Die richtige Balance für den Medienkonsum finden.

///Die richtige Balance für den Medienkonsum finden.

Einen gesunden Umgang mit digitalen Medien müssen viele Lehrkräfte, Kinder und Jugendliche noch erlernen. Sie alle stehen vor der Herausforderung, dabei die richtige Balance zu finden.

Der Einfluss digitaler Medien auf die Gesundheit

Digitale Medien bieten Schülerinnen, Schülern und ihren Lehrkräften zahlreiche Möglichkeiten – für die Unterrichtsgestaltung, die Arbeit in der Klasse und Kleingruppen sowie für individuelles Lernen. Doch das Thema hat auch Schattenseiten. Werden Smartphone und Co exzessiv genutzt, kann das negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben.

Schlapp, müde und gestresst

Ein 2014 erschienener Report der Techniker Krankenkasse hat untersucht, welche gesundheitlichen Folgen extrem langes Surfen auf Jugendliche hat. Mit „Jugend 3.0 – abgetaucht nach Digitalien?” möchte die TK darauf aufmerksam machen, dass Netzfitness ebenso wichtig ist wie gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung. Digitale Medien werden hier nicht generell für gesundheitliche Probleme verantwortlich gemacht, sondern ein maßloser Umgang mit ihnen. Jugendliche, die von ihren Eltern als Extremsurfer eingestuft werden, klagen zum Beispiel über die folgenden Beschwerden:

  • Konzentrationsstörungen (31 Prozent)
  • Kopfschmerzen (26 Prozent)
  • häufig schlapp und müde (26 Prozent)
  • gestresst (19 Prozent)
  • Rückenschmerzen (18 Prozent)

Gleichaltrige mit einem normalen Surfverhalten leiden deutlich seltener unter diesen gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Konzentrationsstörungen haben zum Beispiel nur zwölf Prozent der Normalsurfer. Im Studienfazit heißt es: „Medienkompetenz bedeutet nicht nur, zu erklären wie ein Gerät funktioniert, sondern auch was man damit sinnvoll anstellen kann, wo der sinnstiftende Nutzen endet und wo der ungesunde Konsum beginnt.”

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Digitale Bildung setzt Lehrkräfte unter Stress

Kommen Kinder und Jugendliche schlapp, müde und unkonzentriert zum Unterricht, erschwert das die Arbeit der Pädagogen. Auch sie selbst stehen täglich vor der großen Herausforderung, eine gesunde Balance für ihre eigene Mediennutzung zu finden. Digitale Bildung kann Stress erzeugen, zum Beispiel aus den folgenden Gründen:

  • Wer auch abends online ist und beispielsweise Mails von Schülerinnen, Schülern oder Eltern beantwortet, schaltet nicht bewusst ab.
  • Es kostet viel Eigenengagement und oftmals Freizeit, sich mit neuen Methoden und Lernangeboten sowie mit neuer Software vertraut zu machen.
  • Schlechte Rahmenbedingungen wie fehlender Support oder veraltetes Equipment bringen zusätzlichen Stress.
  • Themen wie digitaler Datenschutz und Cybermobbing fordern Lehrkräfte in hohem Maße.
  • Schwierigkeiten bereitet Pädagogen häufig auch ihre neue Rolle. Kinder und Jugendliche haben über digitale Medien einen nahezu unbegrenzten Zugriff auf Wissen, die Lehrkräfte werden immer mehr zu Moderatoren.
  • Schülerinnen und Schüler haben den Erwachsenen im Umgang mit digitalen Medien häufig etwas voraus. Das kann bei Lehrerinnen und Lehrern Unsicherheit auslösen.

Psychische Belastungen bei Lehrkräften

Unter welchen gesundheitlichen Problemen Pädagogen leiden, verdeutlicht eine im Sommer 2015 im Ärzteblatt vorgestellte Studie. Sie zeigt zwar auf der einen Seite, dass Lehrkräfte im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung sportlicher sind, seltener Übergewicht haben und rauchen. Doch auf der anderen Seite erkranken Lehrerinnen und Lehrer häufiger an Burn-out und psychischen Krankheiten als andere Erwerbstätige in Deutschland. Auch Bluthochdruck, Erschöpfung, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Angespanntheit kommen häufiger vor. Bei drei bis fünf Prozent der Lehrkräfte wird ein Burn-out angenommen. Ein Gutachten des Aktionsrates Bildung kam 2014 im Auftrag der bayerischen Wirtschaft zum Ergebnis, dass 30 Prozent der Beschäftigten im Bildungswesen unter psychischen Problemen leiden. Psychische und psychosomatische Erkrankungen dominieren als Grund für Frühpensionierungen, heißt es zudem in der Studie im Ärzteblatt.

Die intensive Nutzung digitaler Medien beeinflusst häufig auch den Schlaf, bei Erwachsenen ebenso wie bei Kindern und Jugendlichen. Das Ergebnis einer norwegischen Studie:

  • Je intensiver man das Smartphone nutzt, desto eher ist man von Schlaflosigkeit betroffen.
  • Ausschlaggebend ist die Nutzung in der letzten Stunde vor dem Einschlafen.
  • Der Grund: Das blaue Bildschirmlicht ähnelt in seiner Zusammensetzung Sonnenlicht und hindert deshalb am Einschlafen.

Davon sind auch Kinder und Jugendliche betroffen. Ein Psychologenteam der Universität Basel kam nach einer Befragung von über 360 Schülerinnen und Schülern zum Ergebnis, dass nächtlicher digitaler Medienkonsum bei Jugendlichen mit einem höheren Risiko für Schlafprobleme und depressive Symptome zusammenhängt. Auch hier raten Expertinnen und Experten, Smartphones in der letzten Stunde vor dem Schlafengehen zur Seite zu legen.

Tipps für mehr Balance im Lehreralltag mit digitalen Medien

Im Umgang mit digitalen Medien zählen für Erwachsene ebenso wie für Kinder das richtige Maß und ein sinnvoller Einsatz. Wer noch spät abends auf Nachrichten von Schülern oder Eltern reagiert und sich tagsüber keine digitalen Auszeiten nimmt, schadet seiner Gesundheit. Dabei helfen oft schon kleine Veränderungen, den Alltag mit digitalen Medien ausgewogener zu gestalten:

  • Zeitmanagement: Effektiver wird der Alltag mit digitalen Medien, wenn ihre Nutzung bewusst in den Tagesablauf einplant wird. Zum Beispiel, indem man nicht unmittelbar auf neue Nachrichten reagiert, sondern sie in Zeitblöcken bearbeitet.
  • Beruf und Privates trennen: Wer getrennte Mail-Adressen für den Lehrerberuf und das Privatleben benutzt, kann abends, am Wochenende und in den Schulferien leichter abschalten.
  • Feste Regeln statt Digitaler Detox: Eine einmalige digitale Fastenkur, bei der man sich für einen bestimmten Zeitraum von allen Geräten trennt, halten Experten nicht für sinnvoll. Stattdessen plädieren sie für feste Regeln im Alltag, etwa sich tagsüber kleine Auszeiten zu nehmen, abends den Rechner auszuschalten und das Bett zur Smartphone-freien Zone zu erklären.

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2017-03-02T10:19:06+00:00

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