Im Austausch mit… Nina Ulrich und Juliane Richter

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Nina Ulrich arbeitet in der Chemiedidaktik der Leibniz Universität Hannover, Juliane Richter im Leibniz-Institut für Wissensmedien in Tübingen. Mit dem Schulbuchverlag Schroedel Westermann und SMART Technologies entwickeln sie ein digitales Schulbuch für den Chemieunterricht. Der E-Book-Prototyp soll im Schuljahr 2015/2016 deutschlandweit unter realen Bedingungen von Schule und Unterricht getestet werden. Dafür sucht das Projekt aktuell Kooperationspartner. 

Das Projekt in zwei Sätzen.

Das eChemBook-Projekt ist ein Kooperationsprojekt zwischen Forschung und Praxis mit dem Ziel, vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Evidenz zum Lernen und Lehren mit digitalen Medien im naturwissenschaftlichen Unterricht, speziell im Bereich der Chemie, ein digitales Schulbuch für den Chemieunterricht zu entwickeln. Die beteiligten Forscherinnen und Forscher haben dabei ein erstes E-Book-Kapitel zum Thema „Einführung in das Teilchenmodell“ gestaltet und evaluiert. Zusätzlich wurden evidenzbasierte Gestaltungsempfehlungen formuliert und von den Praxispartnern für die Entwicklung eines zweiten Kapitels zum Thema „Das Atommodell von Dalton“ genutzt.

Wer steht dahinter?

Hinter dem Projekt stehen auf der Forschungsseite die Chemiedidaktik der Leibniz Universität Hannover (Prof. Dr. Sascha Schanze & Nina Ulrich) und das Leibniz-Institut für Wissensmedien in Tübingen (Prof. Dr. Katharina Scheiter & Juliane Richter). Die Praxispartner des Projektes sind der Schulbuchverlag Schroedel Westermann Verlag und SMART Technologies. Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.

Wie ist das Projekt entstanden?

Die vier Projektpartner hatten bereits vor dem Projekt Expertise in einzelnen Bereichen des Projektes, wie Schulbuchgestaltung oder Entwicklung von digitalen Unterrichtsmaterialien. Hinzu kam die Erkenntnis, dass die digitalen Schulbücher, die es derzeit auf dem Markt gibt, nicht die Potenziale digitaler Technologien nutzen. Bei den bislang existierenden digitalen Schulbüchern handelt es sich eher um verlinkte PDFs – interaktive Aufgaben oder dynamische Visualisierungen wie Animationen, Videos und Simulationen findet man dort nicht.

Dadurch entstand die Idee die Expertise der Projektpartner zu bündeln und ein gemeinsames evidenzbasiertes E-Book für den Chemieunterricht zu konzipieren. In der Umsetzung hat die Forschungsseite ein erstes prototypisches E-Book-Kapitel entwickelt, welches von den Praxispartnern um ein weiteres Kapitel erweitert wurde. Dieser Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die Praxis soll die Nachhaltigkeit des Projektes gewährleisten.

Was sind die Ziele?

Unser Hauptziel ist es, mit Hilfe des E-Book-Prototypen und der Gestaltungsempfehlungen die Grundlage für die Entwicklung eines vollständigen digitalen Schulbuchs für den Chemieunterricht zu legen. Dieses digitale Schulbuch soll dabei die Potenziale von digitalen Technologien nutzen, also beispielsweise auch Animationen und Simulationen an geeigneten Stellen enthalten.
Des Weiteren wollen wir wissen, welche Unterstützung Lehrkräfte für den Einsatz des digitalen Schulbuchs benötigen und wie sie das eChemBook konkret im Unterricht einsetzen würden.

Wo liegen Hürden/ Herausforderungen?

Forschung ist oftmals viel kleinteiliger und die Gültigkeit der Ergebnisse ist von bestimmten Randbedingungen abhängig – die Ableitung allgemeingültiger Gestaltungsempfehlungen ist daher oft schwierig. Eine weitere Herausforderung bezüglich der technischen Umsetzung ergibt sich aus der heterogenen technischen Infrastruktur in den Schulen. Um eine möglichst große Zielgruppe zu erreichen, sollte das E-Book möglichst viele Betriebssysteme unterstützen, was jedoch technisch eine Herausforderung darstellt. Aktuell gibt es eine Downloadversion für alle Rechner (Windows, Mac OS X und Linux) sowie Windows-Tablets und iPads.

Erste Erfolge?

Wir haben im Rahmen des Projektes eine Lehrerbefragung in 15 Bundesländern durchgeführt, um einen Überblick über die Ausstattung der Schulen und die Einstellungen und Wünsche der Lehrkräfte zu erhalten. Diese Befragung zeigt, dass sich Lehrkräfte digitale Unterrichtsmaterialien wünschen, die die Potenziale digitaler Medien besser nutzen. Wir erfüllen also ein bei Lehrkräften existierendes Bedürfnis. Das erste Kapitel des Schulbuchs wurde im Schuljahr 2014/2015 im Hinblick auf seine Lernförderlichkeit in 15 Klassen in Niedersachsen und Baden-Württemberg getestet. Wir konnten dabei einen statistisch bedeutsamen Lernzuwachs feststellen, der auch über einen längeren Zeitraum stabil blieb. Das heißt, Schülerinnen und Schüler profitieren auch längerfristig, wenn sie mit dem eChemBook lernen.

Wie soll es weitergehen?

Der E-Book-Prototyp soll nun im Schuljahr 2015/2016 deutschlandweit unter realen Bedingungen von Schule und Unterricht getestet werden. Die Lehrkräfte setzen dabei das E-Book selbstständig in ihrem Unterricht ein und werden dabei durch die Forschungspartner begleitet und unterstützt. Hierfür werden noch weitere Kooperationsschulen gesucht. Bei Interesse finden Sie weitere Informationen auf der Seite http://tinyurl.com/q5tnnxv.

Nina Ulrich

Nina Ulrich (Foto: privat)

Juliane Richter

Juliane Richter (Foto: privat)

Kontakt

Nina Ulrich
Leibniz Universität Hannover
IDN Chemiedidaktik
Am Kleinen Felde 30
30167 Hannover

E-Mail: ulrich@idn.uni-hannover.de
Juliane Richter
Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM)
Schleichstraße 6
72076 Tübingen

E-Mail: j.richter@iwm-tuebingen.de

2017-03-02T10:19:04+00:00