Interview mit SMART Exemplary Educator Harald Wilfer

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Harald Wilfer arbeitet seit über zehn Jahren mit SMART Boards. Er ist als SMART Exemplary Educator (SEE) Teil eines weltweiten Netzwerkes von engagierten Lehrkräften. Seit 2006 arbeitet der 60-jährige Lehrer an der Bertha-von-Suttner-Schule in Mörfelden-Walldorf in Hessen. Nachdem seit 2009 bereits in allen Klassenräumen je ein SMART Board hängt, wurde dort vor einem Jahr ein SMART Collaborative Classroom mit drei Boards eingerichtet. Dem Netzwerk Digitale Bildung erzählt er von seinen Erfahrungen aus der Praxis.

Foto: Harald Wilfer

Was hat sich in Ihrem Unterricht geändert, seitdem Sie einen Collaborative Classroom haben?

War es zuvor nur möglich, jeweils eine Gruppe in der Arbeit an Stationen an die interaktive Tafel zu holen, ist dies jetzt mit drei Boards im Klassenraum mit drei Gruppen möglich. Das heißt, die Kinder können verstärkt die Möglichkeiten der Arbeit am Board nutzen. Wir haben außerdem in diesem Raum WLAN eingerichtet. So kann ich zum Beispiel eine Klasse mit 24 Schülerinnen und Schülern in sechs 4er-Gruppen aufteilen. Drei Gruppen arbeiten an den Boards und drei an ihren eigenen Tablets mit Internetzugang, also nach dem Prinzip „Bring your own device“, oder sie erledigen Aufgaben im Schulbuch.

Welche Erfahrungen haben Sie mit „Bring your own device“ gemacht?

Die Kinder vergessen ihre Geräte oft, so wie es mit Schulbüchern und Hausaufgaben auch der Fall ist. Das heißt, man kann nicht hundertprozentig damit rechnen, dass die Geräte verfügbar sind. Wenn die Geräte da sind, loggen sich die Schülerinnen und Schüler in der Regel mit ihrem Google-Account ein. Darüber läuft die Software „SMART Amp“ als App. So können wir die Ergebnisse allgemein verfügbar machen. Zusätzlich haben wir noch „lo-net“ als Unterrichts-Plattform, wo Ergebnisse ausgetauscht und abgelegt werden können.

Haben Sie ein Beispiel für eine Schulstunde, die im SMART Collaborative Classroom richtig gut gelaufen ist?

Gestern hatte ich meine neue 11. Klasse in Geografie, aufgeteilt in vier 6er-Gruppen. Drei aus einer Gruppe haben am Board oder mit dem eigenen Tablet gearbeitet, die anderen drei haben mit dem Buch gearbeitet. Es ging um die globalen Windsysteme. Die Jugendlichen hatten schon ein paar Vorinformationen zum Thema. Eine Gruppe hat sich mit dem Monsun beschäftigt, eine mit El Niño, eine mit Wirbelstürmen allgemein und die vierte mit den Passatwinden. Alle basieren auf den gleichen physikalischen und meteorologischen Vorgängen. Es ging nun darum, die verschiedenen Windsysteme darzustellen. Die Arbeitsoberfläche ist in SMART Amp für alle Gruppen die gleiche, und die Gruppen sehen auch, was die anderen zeitgleich machen. Änderungen werden auf der Webseite automatisch in Echtzeit gespeichert. So konnten sie die Ähnlichkeiten zum Beispiel vom Monsun und dem Passat erkennen und sich gegenseitig präsentieren. Das lief gut, die Schülerinnen und Schüler waren voll dabei und haben es sofort verstanden, obwohl sie zum ersten Mal mit SMART Amp gearbeitet haben. Außerdem können sie ihre Ergebnisse auch später noch online nachsehen.

Wie ist das Feedback der Kinder insgesamt zum neuen Collaborative Classroom?

Wir hatten neulich, knapp ein Jahr nach der Einrichtung, die offizielle Eröffnungsfeier des SMART Collaborative Classroom. Dafür habe ich mehrere Gruppen aus unterschiedlichen Klassen gebeten, etwas vorzubereiten und zu berichten. Ich war verblüfft, was die Kinder alles erzählt haben, sie haben regelrecht geschwärmt von der Arbeit. Sie haben zum Beispiel mit Skype am SMART Board die Arbeit einer Gruppe von Schülerinnen und Schülern gezeigt, die außerhalb der Schule beim Geocaching aktiv waren. Es war selbst für mich wirklich interessant. Die Kinder haben die Zuschauerinnen und Zuschauer überzeugt.

Womit lassen sich Kinder im Collaborative Classroom am besten begeistern und motivieren?

wilfer_bild_ccKinder entdecken gern Sachen selbst und möchten sie anderen zeigen. Sie haben das Gefühl, „ich habe etwas Tolles gesehen oder festgestellt, das muss ich jetzt mitteilen“. Dieses Gefühl bei den Kindern zu erzeugen, das ist die Kunst. Dafür ist es natürlich wichtig, dass die Lehrkraft passendes Material auswählt und sich im Thema gut auskennt. Gutes Material sind etwa interaktive Übungen, mit denen die Kinder ihr Wissen überprüfen können, oder Flashdateien, mit denen sie am Board Vorgänge visualisieren können. Man sieht den Ablauf in einem Film, während ein Bild in einem Buch statisch ist.

Kinder entdecken gern Sachen selbst und möchten sie anderen zeigen. Sie haben das Gefühl, „ich habe etwas Tolles gesehen oder festgestellt, das muss ich jetzt mitteilen“. Dieses Gefühl bei den Kindern zu erzeugen, das ist die Kunst. Dafür ist es natürlich wichtig, dass die Lehrkraft passendes Material auswählt und sich im Thema gut auskennt. Gutes Material sind etwa interaktive Übungen, mit denen die Kinder ihr Wissen überprüfen können, oder Flashdateien, mit denen sie am Board Vorgänge visualisieren können. Man sieht den Ablauf in einem Film, während ein Bild in einem Buch statisch ist.

Ich habe es zum Beispiel beim Thema „Ohr“ so gemacht, dass sie sich in Gruppen mit den drei Teilen Mittelohr, Außenohr und Innenohr beschäftigen mussten. Danach haben sie sich gegenseitig, in einer Art Messe, gezeigt, wie die einzelnen Teile aufgebaut sind. Ein Teil der Gruppe hat präsentiert, die anderen haben an anderen Stationen zugehört. Da habe ich gemerkt: Sie erzählen gern und geben ihr Wissen unheimlich gern weiter, weil es so anschaulich ist.

Woher bekommen Sie neue Ideen? Tauschen Sie sich mit anderen Lehrkräften aus?

Die SMART Exemplary Educators haben einen Methodenpool, der auf „SMART Exchange“ bereitliegt. Diese Plattform ist offen für jeden, man kann das Material nutzen und weiterbearbeiten. Wenn man gutes Material hochlädt, bekommt man dafür viel Anerkennung. Wir tauschen uns auch privat aus, entweder über die Gruppe bei Facebook oder in direktem Kontakt. Es ist eine ganz tolle Gemeinschaft.

Könnten Sie sich vorstellen, wieder ohne SMART Collaborative Classroom zu unterrichten?

Nein, ich habe meinen kompletten Unterricht in diesen Raum gelegt. Ich würde etwas vermissen: Auf dem einen Board zu arbeiten, auf dem nächsten etwas zu zeigen, auf dem dritten vielleicht Schülerinnen und Schüler etwas festhalten zu lassen. Selbstverständlich auf mehreren Ebenen arbeiten zu können.

Wie könnte der Unterricht in Collaborative Classrooms in zehn Jahren aussehen?

Der erste Schritt ist, dass alle Klassenräume mit interaktiven Whiteboards ausgerüstet sind. Dass es für die Lehrkräfte eine Selbstverständlichkeit ist und sie gar nicht mehr mit der Kreidetafel arbeiten. Erst dann kann man bei den Lehrkräften diesen Wunsch nach mehr erzeugen. Denn solange sie sich nicht darauf verlassen können, dass in jeder Stunde die technischen Möglichkeiten vorhanden sind, haben viele nicht die Motivation, sich damit zu beschäftigen und fortzubilden.

2017-11-03T12:52:49+00:00