Was Schulen brauchen, um Digitale Bildung langfristig zu sichern

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Digitale Medien als Lernhilfe sind längst nicht nur ein Wunsch von Kindern, Jugendlichen und engagierten Lehrkräften. 84 Prozent der Eltern in Deutschland finden es sehr wichtig oder wichtig, dass die Schule ihrer Kinder gut mit digitalen Medien ausgestattet ist. Haben Eltern die Wahl bei der Entscheidung für eine Schule, zählt für knapp die Hälfte der Befragten als Kriterium, wie sich die Einrichtungen in Sachen Digitale Bildung präsentieren. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen forsa-Umfrage im Auftrag des Netzwerks Digitale Bildung unter Eltern von Schulkindern. Die Einsicht, dass Digitale Bildung ausgebaut werden muss, teilen auch Verantwortliche in den Schulen sowie in Politik und Wirtschaft.

Doch unterschiedliche Regelungen und Schwerpunkte in den Bundesländern machen die Finanzierung Digitaler Bildung an Deutschlands Schulen sehr komplex. Auch die Maßnahmen selbst sind vielschichtig. Denn die besten und modernsten Geräte bringen nichts, wenn sie ungenutzt Staub ansetzen.

Mehr als Soft- und Hardware

Vereinzelte Investitionen in Ausstattung haben keinen Sinn. In einem Online-Talk des Netzwerks Digitale Bildung zum Thema Finanzierung an Schulen fordert unter anderem Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, eine „Gesamtstrategie” für das Thema.

Ein enges Zusammenspiel dieser sechs Kriterien sorgt bei der Planung und Umsetzung der Finanzierung Digitaler Bildung für Erfolg:

  • Hard- und Software-Ausstattung
  • Infrastruktur
  • Digitaler Content
  • Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte
  • Einbindung in Lehrpläne
  • IT-Support

Zur Umsetzung dieser Kriterien gehört zum Beispiel, Lehrkräfte mit den Geräten vertraut zu machen und ihnen didaktisch sinnvolle Einsatzszenarien zu zeigen. Außerdem benötigen sie einen Ansprechpartner bei technischen Problemen. Erfolgsbeispiele dafür gibt es: Damit die Pädagogen sich nicht mit IT-Administration beschäftigen müssen, teilen sich mehrere Schulen in Schenefeld bei Hamburg beispielsweise einen IT-Experten als Ansprechpartner rund um digitale Medienlösungen. Diese Kooperation ist auch ein Beispiel dafür, wie Schulen von einer Vernetzung profitieren.

Das kostet Digitale Bildung

Wie viel die Einführung Digitaler Bildung insgesamt kostet, hat im Herbst 2015 eine Studie der Bertelsmann Stiftung ausgerechnet: Für eine 1:1-Ausstattung (ein Gerät pro Schüler) an weiterführenden allgemeinbildenden Schulen in Deutschland müssten Länder und Kommunen bis zu 2,62 Mrd. Euro aufwenden. Bei einer 5:1-Ausstattung (ein Gerät auf fünf Schüler) sind es 538 Mio. Euro.

Kein hohes Einsparpotenzial durch BYOD

Auch bei der Einführung von Bring Your Own Device (BYOD), der Integration eigener Geräte in der Schule, gehen die Studienautoren von keinem hohen Einsparpotenzial aus, da Hauptkostenfaktoren wie Netzwerktechnik und Breitbandanbindung blieben und der Supportaufwand mitunter sogar steige. Die JIM-Studie 2015 (Jugend, Information und (Multi-) Media) liefert starke Argumente für BYOD: Praktisch jeder Zwölf- bis 19-Jährige hat ein internetfähiges Handy (92 Prozent), so das Studienergebnis. Damit keine Bildungsungerechtigkeit entsteht, müssten hier jedoch Geräte für diejenigen zur Verfügung gestellt werden, deren Eltern sich kein Smartphone für den Nachwuchs leisten können.

Zwei Finanzierungsbeispiele aus Deutschland

„Bundesweit gibt es eine Vielzahl von Vorhaben und Erfahrungswerten zu Einsatz und Nutzung digitaler Medien in Schulverwaltung und bzw. oder Unterricht. Meist sind dies punktuelle Maßnahmen”, heißt es in der Studie der Bertelsmann Stiftung. Dazu zählen etwa die zwei folgenden Beispiele:

  • eSchool Düsseldorf: Innerhalb von vier Jahren stattete Düsseldorf alle Schulen mit digitalen Medien aus. Die Stadt wurde bei der Finanzierung durch Ländermittel und Sponsoren aus der Wirtschaft unterstützt.
  • N-21, Niedersachsen: Dem Verein gehören neben dem Land auch kommunale Verbände, Wirtschaftsunternehmen und gesellschaftliche Gruppen an. Auf der Website heißt es: „Der Verein hat bisher zusätzlich zu den Investitionen des Landes mit über 28 Millionen Euro Sponsormitteln dazu beigetragen, den Einsatz von Multimedia und Internet an Schulen zu fördern.”

Der Weg zum Geld ist für Schulen nicht immer einfach. Im Online-Talk des Netzwerks Digitale Bildung zum Thema Finanzierung betont das auch Ulrike Heuer, Leiterin des Amts für Schulentwicklung der Stadt Köln: Sie berichtet von langen Antragswegen, viel Bürokratie und einem oft notwendigen Eigenanteil. Dieser benachteiligt Kommunen mit Haushaltsproblemen, Heuer nennt hier beispielhaft das Ruhrgebiet.

Geld vom Bund durch Abschaffung des Kooperationsverbots

Erfolgreich digitalisiert wären die Schulen in Deutschland dann, wenn auch diejenigen Kommunen Digitale Bildung einführen könnten, die dies nicht aus eigener Kraft bewerkstelligen können.

  • Eine Abschaffung des Kooperationsverbots würde ermöglichen, dass auch der Bund sich an der Finanzierung Digitaler Bildung beteiligen kann. Ein für Schulträger einfach erreichbarer Fonds würde den Weg zum Geld erleichtern und für mehr Transparenz sorgen. Der Vorschlag zur Aufhebung des Kooperationsverbots erhält viel Zuspruch, doch die dafür notwendige Zweidrittelmehrheit im Bundestag fehlt.
  • Potenzielle Gelder für Digitale Bildung sehen viele auch in den freigewordenen BAföG-Millionen, die den Ländern jährlich zusätzliche 1,2 Milliarden Euro bescheren. Doch die politische Vereinbarung zur Verwendung der Gelder ist sehr schwammig gehalten und vielfach gibt es Streit über die Mittelverwendung.

Ein weiterer Weg zu mehr Geld für Digitale Bildung an Schulen sind Kooperationen mit der Wirtschaft. So hat Microsoft beispielsweise im Dezember 2015 einen „Digitalen Bildungspakt” angeregt, bei dem Bund, Länder und Kommunen, Bildungsträger, Eltern, Lehrer, Lernende und Vertreter der Wirtschaft zusammenkommen sollen.

Neben Digitaler Bildung stellen auch Inklusion und die Integration von Flüchtlingen Schulen vor Mammutaufgaben. Diese wichtigen Themen dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Sie wirken ineinander und befördern sich im besten Fall gegenseitig, wie inklusives Lernen mit digitalen Medien und der Einsatz von digitalen Materialien für den Unterricht mit Flüchtlingskindern zeigen.

Welche Erfahrungen haben Sie mit der Finanzierung Digitaler Bildung an Schulen gemacht? Schreiben Sie uns an info@netzwerk-digitale-bildung.de oder kontaktieren Sie uns über Twitter.

Online-Talk „Geld spielt eine Rolle“

Was brauchen Schulen, um Digitale Bildung zu finanzieren?
Die Diskussion vom 2. Dezember 2015 können Sie hier ansehen.

Unsere Linktipps zum Thema

  • Studie „Szenarien lernförderlicher IT-Infrastrukturen in Schulen – Betriebskonzepte, Ressourcenbedarf und Handlungsempfehlungen” im Auftrag der Bertelsmann Stiftung
  • JIM-Studie 2015 [Jugend, Information und (Multi-) Media]
  • Sueddeutsche.de über das Kooperationsverbot (Januar 2015)
  • Umfrage des Netzwerks Digitale Bildung zur Erwartung von Eltern zu Digitaler Bildung an Schulen
2017-03-02T10:19:05+00:00