Der Digitalpakt verzögert sich – der Stand der Dinge

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Ende November ging ein Stoßseufzer durch die Bildungsszene, als der Digitalpakt endlich das Go aus Berlin bekam. Momentan ist wieder offen, wann er endlich an den Start gehen kann. Wie geht es jetzt weiter? Ein Gastbeitrag von Verena Gonsch

Was ist das für ein Signal an die Schulen in Deutschland? Ein Jahr lang liegen fünf Milliarden Euro auf Halde, dann gibt es endlich eine Einigung – und dann blockieren die Länder und rufen den Vermittlungsausschuss an. Der Digitalpakt wird derzeit leider dem Grundsatzstreit über die Lockerung des Kooperationsverbotes geopfert – zumindest erstmal. Bisher gehen noch alle politischen Akteure davon aus, dass er nicht grundsätzlich gestoppt wird, sondern nur verzögert startet. Von Ostern ist jetzt in Regierungskreisen die Rede.

Was die Länder stört

Am 14. Dezember, bei der nächsten Bundesratssitzung, wollen jetzt alle Länder den Vermittlungsausschuss anrufen. Gegenstand der Kritik ist nicht der Digitalpakt. Die Bundesländer stören sich aus den unterschiedlichsten Gründen an der Grundgesetzänderung, die das Kabinett beschlossen hat, um den Digitalpakt auf den Weg zu bringen. Es geht um zukünftige Kooperationsprojekte von Bund und Ländern, bei denen die Länder die Hälfte der Kosten tragen sollen. Diese Vorgabe des Finanzministeriums lehnen einige Länder ab. Andere wollen grundsätzlich noch einmal zur Diskussion stellen, ob der Bund sich in das Thema Bildung einmischen sollte. Sie fürchten um ihre Hoheitsrechte in Bildungsthemen. Und riskieren damit, dass die Schulen noch länger auf das Geld zur digitalen Ausstattung warten müssen.

Die ursprünglichen Pläne

Ursprünglich sollten zunächst nur 720 Millionen Euro für das nächste Jahr freigegeben werden. Denn, Achtung, die fünf Milliarden Euro werden über mehrere Jahre ausgezahlt. Ziel ist, dass jede Schule 25.000 Euro für ihre digitale Ausstattung bekommt. Nun kommt ein weiterer wichtiger Haken an der Geschichte: Das Geld fließt nur, wenn die Länder zehn Prozent der Gelder dazugeben. Schon in der Vergangenheit sind Konjunkturprogramme versickert, weil Länder und Kommunen gar keinen Antrag gestellt haben und nichts dazugaben. Kein Antrag, kein Geld, so wird es auch beim Digitalpakt sein.

Was mit dem Geld passieren soll

Priorität hat die technische Ausstattung der Schulen: vernünftiges WLAN für alle, Hardware wie Smartboards, Tablets oder Computer. Klar aber ist jetzt schon: Für eine Ausrüstung mit einem Tablet bzw. Smartphone für jedes Kind wird das Geld nicht reichen. Das bedeutet, dass in Deutschland die Maxime „bring your own device“ auch weiter gelten wird: Kinder und Jugendliche bringen bei Bedarf ihre eigenen Geräte mit in die Schule.
FPD und Grüne haben nun in Nachverhandlungen erreicht, dass das Geld nicht nur für Technik ausgegeben werden soll, sondern auch für Systemadministratoren, also Techniksupport, den derzeit vor allem Informatiklehrkräfte nebenbei leisten. Gefordert ist auch mehr digitale Fortbildung für Lehrerinnen und Lehrer – etwas, das bisher nur sporadisch und mit viel Eigeninitiative stattfindet.

Vor Ende kommenden Jahres wird aber niemand wissen, wieviel Geld abgerufen und wofür ausgegeben wird. Mehr als ein Startkapital wird das erstmal nicht sein.

Was parallel notwendig ist

Renommierte Bildungswissenschaftler fordern: Schule darf die Digitalisierung nicht verzögern. Ihr Stufenplan:

  • zügige Ausstattung mit WLAN
  • verlässlicher IT-Support
  • mehr Medienpädagogen (ähnlicher Schlüssel wie Sozialpädagogen)
  • Entwicklung schulischer Medienkonzepte
  • „Blended Learning“: Vernetzung von Unterricht mit digitalen Lernangeboten
  • Arbeit mit intelligenten tutoriellen Systemen, die den Lernprozess flankieren
  • Ausbau der Professuren für die Didaktik der Informatik
  • Ausbau der Lehrkräftebildung an Unis und Hochschulen
  • fortlaufende Angebote für Referendarinnen und Referendare
  • gezielte Angebote für Lehrkräfte für den Einsatz digitaler Medien

Das Fazit: Der Digitalpakt ist ein erster, wichtiger Anstoß. Weitere Pakte im Hochschulbereich und der Weiterbildung müssen folgen.

Hinweis: Nachdem die Länder Widerstand gegen die Grundgesetzänderung ankündigten, wurde der Gastbeitrag am 6. Dezember 2018 entsprechend aktualisiert.

Über die Autorin

Verena Gonsch, geboren 1966, arbeitet als Redakteurin bei NDR Info und kümmert sich dort um gesellschaftspolitische Trends. Sie hat einen 15-jährigen Digital Native zuhause, und der programmiert ihr längst nicht mehr nur die Klingeltöne für ihr Smartphone, sondern führt sie in die Welt des Gaming ein. Als Europakorrespondentin in Brüssel hat sie jahrelang gemerkt, wie lässig andere Länder mit der digitalen Welt sind und wie kompliziert wir Deutschen da sind. Sie ist ausgebildet als systemischer Coach und outet sich auch bei Elternabend und Müttergesprächen gerne als streitbare Gamingexpertin. Als Medienprofi moderiert sie regelmäßig Radiosendungen und öffentliche Veranstaltungen.

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2018-12-06T17:42:43+00:00