Digitale Transformation der Schulen: Die Technik dient idealerweise der Didaktik

//Digitale Transformation der Schulen: Die Technik dient idealerweise der Didaktik

Jürgen Luga ist Bildungsredakteur und im Forum school@LEARNTEC für die Programmgestaltung verantwortlich. Er erzählt von seinen Erfahrungen mit der digitalen Transformation an Schulen – und was diese aus seiner Sicht erfolgreich macht.

Heike Silz ist stellvertretende Schulleiterin der Realschule Grünstraße in Hattingen und nutzt digitale Medien nur selten in ihrem Deutsch- oder Geschichtsunterricht. Im nächsten Jahr wird das Kollegium ein Medienkonzept für die Schule entwickeln – eine Voraussetzung, um finanzielle Hilfen zur Verbesserung der IT-Infrastruktur und der Ausstattung mit digitalen Medien zu erhalten. Für sie ist es wichtig, dass digitale Medien im Unterricht das Lernen und Lehren sinnvoll unterstützen und Didaktik und Technik einer besseren Bildung dienen. Sie verweist auf die guten Erfahrungen der iPad-Klassen. Seit einigen Jahren können Eltern bereits bei der Anmeldung für die fünfte Klasse entscheiden, ob ihr Kind in einer iPad-Klasse unterrichtet wird. Sie verpflichten sich damit, das iPad zu finanzieren und bis zur abschließenden Klasse für seine Wartung oder seinen Ersatz zu sorgen.

Sarah Ophaus unterrichtet in den iPad-Klassen Informatik. Sie und weitere Lehrkräfte lehren mit dem iPad nicht nur die Fächer Deutsch, Englisch und Mathematik, sondern auch Kunst, Musik, Geschichte, Erdkunde, Chemie und Sport. Auf sieben Jahre Erfahrung blickt sie heute zurück, mittlerweile gibt sie ihre Expertise im Bereich der Medienkompetenz an Fachkollegen, an Studenten des Seminars Lüdenscheid und an der Uni Bochum weiter.

Das Beispiel der Realschule Grünstraße zeigt, wie die digitale Transformation der analogen Schule gelingen kann:

  • Erfahrungen auswerten,
  • unterschiedliche Kompetenzen im Lehrerteam nutzen,
  • heterogene Technik im Rahmen eines Medienkonzeptes sinnvoll vereinheitlichen und aufrüsten,
  • informatorische Grundbildung für Schüler und Lehrer gleichermaßen vermitteln und
  • im Zuge der Inklusion den individuellen Förderbedarf weiterschulen.

Die Chancen, dass die digitale Transformation der Realschule Grünstraße, aber auch aller anderen Schulen eintritt, stehen gut. Der Einzug digitaler Medien in die Schulen wird in den nächsten fünf Jahren schneller voranschreiten als in den gesamten zurückliegenden 20 Jahren. Die Digitalisierung nahezu aller gesellschaftlichen Bereiche macht auch vor der Bildung nicht Halt – ganz im Gegenteil: Der Bildungsauftrag der Schule kann nur erfüllt werden, wenn die heutigen und zukünftigen Schüler die Kompetenzen erwerben, die für ein erfolgreiches Leben im 21. Jahrhundert notwendig sind. Staat und Kommunen haben umfangreiche Investitionen für die IT-Ausstattung und Breitbandanbindung der Schulen beschlossen. Die Länder haben darüber hinaus verbindlich vereinbart, informatorische Grundbildung zu Beginn des Schuljahres 2018/19 in den Lerninhalten aller Schulformen zu verankern.

Medienkonzepte und ihre Möglichkeiten

Für die einzelne Schule ist die Bewilligung von finanziellen Mitteln für ihre digitale Ausstattung häufig an Medienkonzepte gebunden. Es macht Sinn, die Schulentwicklung zusammen mit einem Medienkonzept zu verhandeln. Denn vor der Frage, wie mit Technik ein didaktischer Mehrwert erzielt werden kann, steht jede Schule. Alle Bildungsakteure sind entschlossen, in die Digitalisierung der Schulen zu investieren – Einwände wie „Wir würden ja gerne, wenn wir nur über die notwendigen Ressourcen verfügen würden“ werden damit obsolet.

Es ist also mehr als spannend zu schauen, welche Orientierungshilfen es für Schulen eigentlich gibt. In den vergangenen 20 Jahren orientierte sich die Diskussion zum einen an technischen Innovationen einerseits und „Leuchtturm-Konzepten“ andererseits – wie zum Beispiel der ISDN-Zugang für jede Schule, PC-Räume, Pädagogische Netzwerke, Notebook-Klassen, Interaktive Whiteboards, Bildungs-Clouds, oder „bring your own device“-Konzepte. Rückblickend lässt sich feststellen:

1. Das Medienkonzept einer Schule lässt sich nicht auf eine andere übertragen – es gibt keinen Königsweg für alle.
2. Halbherzige Experimente führen zu Frustration und Technikmuseen.
3. Ein digitaler Mindeststandard sollte in jedem Klassenraum gewährleistet sein.
4. Die Technik ist zu oft noch nicht ausgereift und damit schultauglich.
5. Heterogene didaktische Anforderungen lassen sich nur mit heterogenen IT-Konzepten bewältigen (einheitlicher Schulstandard plus Ausdifferenzierung für spezielle Lernsettings).

Autor: Jürgen Luga, Bildungsredakteur und im Steuerkreis von school@LEARNTEC verantwortlich für die Programmgestaltung

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2018-05-10T15:05:10+00:00