DigitalPakt Schule: Der zähe Weg zu einer digitalen Schulbildung

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Rastatt, 30. September 2021

Trotz Milliarden an Fördergeldern verläuft die Digitalisierung von Deutschlands Schulen bislang denkbar mühsam. Woran liegt das?

Seitdem sich Bund und Länder im Frühjahr 2019 nach zähem Ringen auf die Umsetzung des DigitalPakts Schule geeinigt haben, stehen insgesamt 5,5 Milliarden Euro bereit, die der Staat bis spätestens 2025 in eine Digitalisierung von Deutschlands Schulen investieren möchte.

Das der Startschuss für diese Investitionen keine Sekunde zu spät kam, machen nicht zuletzt die Verwerfungen der Corona-Krise deutlich, die das öffentliche Leben auf den Kopf gestellt haben. Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen, zahlreiche Verbote und Geschäftsschließungen verordnen der Republik aus Gründen des Infektionsschutzes einen erzwungenen Stillstand, der insbesondere von den Schulen in einem Dickicht sich ständig ändernder Corona-Regeln erhebliches abverlangt.

Schulleiter haben seit Ausbruch der Pandemie immer häufiger unter großem Druck gestanden, bei gleichbleibender Unterrichtsqualität einen Lernalltag im Fernunterricht aufrechtzuerhalten. Erwartet wurde von ihnen, dass sie diese Herausforderungen meistern – oftmals ohne die dafür notwendige internetfähige IT-Infrastruktur, technischen Endgeräte oder Lernplattformen zu besitzen. Schon ist die Rede von einer „verlorenen“ Schülergeneration, die nur unzureichend auf die komplexer werdenden Anforderungen einer digitalen Arbeits- und Berufswelt vorbereitet werden kann.

Umsetzung des Digitalpakts verläuft holprig

Die Krise macht somit vor allem eines schmerzhaft deutlich: Die Digitalisierung im deutschen Bildungswesen wurde bislang unzureichend gemanagt. Was die schleppende Umsetzung des milliardenschweren DigitalPakts Schule zeigt, der eigentlich die technischen Voraussetzungen schaffen sollte, um E-Learning bundesweit zu ermöglichen. Denn genauso zäh, wie sich die Verabschiedung des DigitalPakts unter den schwierigen Bedingungen des deutschen Bildungsföderalismus dargestellt hat, so holprig läuft bislang der Mittelabruf aus dem prall gefüllten Fördertopf.

Woran aber liegt das? Die Gründe hierfür sind vielfältig und hängen eng mit den veränderten Handlungsanforderungen und komplexen Aufgabenstellungen zusammen, mit denen schulische Bildungseinrichtungen, Schulträger und Landesinstitutionen konfrontiert sind, um das übergeordnete Ziel einer zeitgemäßen Bildung in der digitalen Welt zu erreichen.

Zunächst wäre da Verpflichtung der Schulen auf die Erstellung eines sogenannten Medienbildungskonzeptes zu nennen. Die Entwicklung von Medienkonzepten, die ein realistisches, messbares und wünschenswertes pädagogisches Einsatzszenario für die anzuschaffende digitale Technik enthalten sollen, dient damit als Grundlage für den Antrag auf Fördermittel. Diese Medienkonzepte müssen anschließend von dem jeweiligen Schulträger bewilligt und in eine kommunale Medienentwicklungsplanung überführt werden, damit eine pädagogisch sinnvolle Verwendung der Fördergelder und eine systematische Planung des Medieneinsatzes gewährleistet wird. Erst dann können die Kommunen einen Förderantrag bei den zuständigen, landeseigenen Förderbanken einreichen, wobei es hier mittlerweile möglich ist, diese Konzepte nachzuliefern.

Keine Ausstattung ohne Konzept – nur wie soll das gehen?

Was prinzipiell als eine sinnvolle und zwingende Verknüpfung unter dem Primat der Pädagogik – keine Gelder ohne (pädagogisches) Konzept – erscheint, erweist sich in der Praxis als Mammutprojekt, bei dem Schulen und Kommunen, weitestgehend auf sich allein gestellt, unter dem zusätzlichen Mehraufwand in Zeiten der Corona-Pandemie ächzen. Es mangelt an Zeit, Hilfestellungen und auch häufig an dem notwendigen digitalen Knowhow, um die Schuldigitalisierung auf allen Ebenen voranzutreiben.

Zugleich fehlt es Schulen wie Schulträgern an geeigneten, standardisierten Planungs-, Steuerungs- und Monitoring-Instrumenten, die nachhaltig einen systematischen Überblick über den Gesamtprozess der Medienentwicklungsplanung liefern und es ermöglichen, den Prozess kollaborativ zu steuern.

Die Digitalisierung der Schulen ist kommunales Change- und Planungsmanagement

Von der Bestandsaufnahme, bis zur Planung, Beschaffung und Umsetzung – es hakt häufig auf allen Ebenen der kommunalen Medienentwicklungsplanung. Personalknappheit und fehlende Gelder zwingen mancherorts kommunale Mitarbeiter in den jeweiligen Fachabteilungen dazu, das ungeheuer komplexe Unterfangen der Medienentwicklungsplanung quasi nebenher zu erledigen. So ist es nicht verwunderlich, dass die Medienentwicklungspläne häufig Stückwerk bleiben. Förderanträge werden zwar nach bestem Wissen erarbeitet und abgegeben – aber bis es zu einer Bewilligung der Mittel durch die zuständigen Landesbehörden- und Institutionen kommt, vergeht wertvolle Zeit.

Allerdings beginnen die Probleme bereits auf der vorgeordneten Ebene eines geeigneten Change- und Prozessmanagement, das das Thema aufseiten der Kommunen forciert. Bedarfe müssen formuliert, Planungs- und Entscheidungsprozesse ganzheitlich gesteuert und zuletzt die Arbeit von Verwaltung, Politik und Schulen koordiniert und miteinander vernetzt werden. Dafür braucht es innerhalb der kommunalen Verwaltungsstrukturen klar verteilter Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten, die den Veränderungsprozess organisieren und lenken.

Bund und Länder sind in der Pflicht zu helfen

Weil Pädagogik, Technik und Fragen der Wartung und des Supports nicht ganzheitlich in der Medienausstattungsplanung behandelt werden, ist eine nachhaltige Steuerung kaum möglich. Gleichzeitig ist eine kontinuierliche Planbarkeit des Prozesses unerlässlich, wollen die zuständigen Institutionen nicht Gefahr laufen, dass die Fördergelder versanden.

Das macht auf eine zugrundeliegende Problematik aufmerksam, die im Anbetracht der unzureichend organisierten Verwaltungsabläufe auf Bundes- und Landesebene politisch heikel ist: Es fließen Steuermilliarden in den Bildungsmarkt, ohne das allerdings von den verantwortlichen Institutionen Instrumente bereitgestellt werden, die sicherstellen, dass es auch zu einer durchdachten und zweckmäßigen Verwendung von Steuermitteln kommt. Bund und Länder sind hierbei in der Pflicht nachzubessern und Instrumente zur Verfügung zu stellen, um Schulen und Kommunen bei einer nachhaltigen IT-Zukunftsplanung zu unterstützen und für eine Verstetigung des Prozesses der Medienintegration zu sorgen.

Wie aus der Schuldigitalisierung noch eine Erfolgsgeschichte werden kann

Was folgt nun daraus? Wir vom Deutschen Dialog Institut sind der festen Überzeugung, dass es im Interesse aller handelnden Personen sein muss, die Steuerungs- und Gestaltungsprozesses einer gelingenden digitalen Transformation effizient zu unterstützen. Auf diese Weise soll gleichzeitig eine sach- und bedarfsgerechte sowie zukunftsfeste Verwendung der Mittel des DigitalPakts Schule ermöglicht werden. Hierfür erscheint es sinnvoll, dass Bund, Länder und Kommunen eine systematische Planung und Steuerung des digitalen Bildungswandels ermöglicht wird, die eine nachhaltige Verwendung der Milliardensummen des DigitalPakts heute und in Zukunft gewährleistet. Zugleich benötigen Schulen und Schulträger Unterstützungssysteme für eine fundierte Erstellung von Medienbildungskonzepten und Medienentwicklungsplänen sowie Möglichkeiten zum kollaborativen Handeln, die ein gemeinschaftliches Vorgehen gewährleisten.

Wenn aus dem Projekt der Schuldigitalisierung noch eine Erfolgsgeschichte werden soll, braucht es demnach Instrumente, die Planungen und Prozesse über alle Ebenen systematisieren und vereinfachen. Eine vollständige Digitalisierung der Planungs- und Steuerungsprozesse der Schul- und Medienbildung kann hierzu beitragen, alle relevanten Akteure im Bildungsbereich zu vernetzen und umfassend dabei zu unterstützen, eine pädagogisch sinnvolle digitale Bildung nachhaltig sicherzustellen. Dies hängt aber auch von dem politischen Willen ab, die Digitalisierung der Schulbildung als fortlaufenden und langfristig angelegter Prozess der (kommunalen) Medienentwicklungsplanung und (schulischen) Medienkonzeptarbeit zu verankern. Nicht zuletzt sollte es eine Lehre aus der Corona-Pandemie sein, dass die schnelle technische Ausstattung der Schulen mit digitalen Lehr- und Lernmitteln eines der dringlichsten Ziele politischen Handelns sein. So können Deutschlands Schülerinnen und Schüler ohne größeren Schaden durch diese Krise kommen und werden für die Zukunft einer digitalen Lebens- und Arbeitswelt gewappnet.

Oliver Marusczyk
Oliver Marusczyk

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