Josef Blank, bis 2016 Geschäftsführer SMART Technologies Deutschland und Sprecher des Netzwerk Digitale Bildung

BlankJosef„Die PISA-Studie zeigt, dass Computer, Tablets und Co. allein keinen guten Unterricht ausmachen. Doch sie können ihn stärken. Dafür müssen aber auch die pädagogischen Konzepte und Rahmenbedingungen stimmen.”

Die Aufregung war groß, als die OECD Mitte September eine PISA-Sonderauswertung zur Computernutzung an Schulen veröffentlichte. „Am Computer hinken deutsche Schulen hinterher” titelte zum Beispiel das Handelsblatt.

Vier Schüler auf einen Computer

Während der Erhebung der PISA-Daten im Jahr 2012 wurden fünfzehn Jahre alte Schülerinnen und Schüler zu ihrer Computernutzung befragt. Insgesamt nutzen mehr als 99 Prozent der Jugendlichen hierzulande zu Hause einen Computer In der Schule sind es knapp 69 Prozent. Zum Studienzeitpunkt kamen in Deutschland rund vier Schüler auf einen Computer. Mit diesem Verhältnis von 11 zu 1 liegt Deutschland im OECD-Ländervergleich auf Platz 28 von 34. „Computer machen den Unterricht nicht automatisch besser” hieß es im Nachgang unter anderem bei der Zeit. Wer aber hätte das auch erwartet? Wer würde ernsthaft glauben, dass allein die bloße Anschaffung eines Computers oder eines Satzes Tablets die Leistungen von Schülerinnen und Schülern im Lesen, in der Mathematik oder in den Naturwissenschaften verbessern könnte?

Computer vermitteln Digitalkompetenzen

Viel bedeutender sind für mich in diesem Zusammenhang Aspekte, die die Studie überhaupt nicht erfasst hat: Mit digitalen Medien erwerben die Schülerinnen und Schüler Kompetenzen, die ihnen im traditionell geprägten Unterricht vorenthalten bleiben. Dazu zählt zum Beispiel, im Internet eigenständig Informationen zu finden, mit digitalen Medien souverän umgehen zu können, produktiv mit ihnen zu arbeiten, sich neue Lernmethoden anzueignen und in der Gruppe Themen zu erarbeiten. Es wäre fatal, solche Kompetenzen aus Klassenzimmern auszuschließen. Denn sie sind bereits heute fester Bestandteil eines digital geprägten Alltags. Im späteren Berufsleben der Jugendlichen werden genau diese Kompetenzen gefragt sein – das steht außer Frage.

 „In Collaborative Classrooms sitzen Schülerinnen und Schüler nicht allein hinter ihren PCs oder Tablets, sondern entwickeln Themen gemeinschaftlich, kreativ und im direkten Austausch mit Lehrkräften und Mitschülern.”

Kooperatives Lernen als Vorteil digitaler Bildung

OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher zählt in seinem Vorwort zur PISA-Studie eine Reihe von Vorteilen Digitaler Bildung auf, unter anderem das kooperative Lernen. Eine solche positive Veränderung beobachten wir auch in Schulen, die nach dem Prinzip des Collaborative Classrooms arbeiten. Dort sitzen Schülerinnen und Schüler nicht allein hinter ihren PCs oder Tablets, sondern entwickeln Themen gemeinschaftlich, kreativ und im direkten Austausch mit Lehrkräften und Mitschülern. Diese vernetzte Zusammenarbeit lernt niemand von heute auf morgen.

IT kann guten Unterricht stärken

Technik alleine kann keinen guten Unterricht ersetzen – das steht außer Frage. Doch sie kann guten Unterricht stärken, so auch das Fazit der PISA-Studie. Dass der Bund ein Projekt zur Einbindung Neuer Medien in das Lehramtsstudium fördert, ist hierbei ein wichtiger Schritt. Bei der Förderung dürfen aber auf keinen Fall diejenigen Pädagoginnen und Pädagogen vergessen werden, die längst an Schulen tätig sind. Mit dem „Netzwerk Digitale Bildung” möchten wir einen Beitrag dazu leisten, dass sich das  Lernen mit digitalen Medien mit Hilfe neuer Technologien sinnvoll in Bildungseinrichtungen etablieren kann. Das Netzwerk möchte dabei unter anderem diskutieren, welche Rahmenbedingungen notwendig sind, damit dieser digitale Wandel für die Bildung die bestmöglichen Erfolge hat. Das fängt bei der Lehrerausbildung an und umfasst auch den notwendigen technischen Support in Schulen, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen.

„Ich sehe in der Technologie eine wichtige Hebelwirkung, die aber erst dann funktioniert, wenn sie mit pädagogischen Konzepten und den notwendigen Rahmenbedingungen zusammentrifft.”

Wir sollten uns nicht länger damit aufhalten, ob Digitale Bildung sinnvoll ist oder nicht – in einer Zeit, in der unser Alltag und unser Arbeitsleben schon längst vom digitalen Wandel geprägt sind. Ich sehe in der Technologie einen wichtigen Hebel, der aber erst dann wirken kann, wenn er mit pädagogischen Konzepten verbunden ist und wenn die notwendigen Rahmenbedingungen gegeben sind. Der aktuelle PISA-Report bestätigt für mich vor allem deshalb eines sehr deutlich: Digitale Bildung erfordert mehr als nur eine technische Ausrüstung der Klassenräume. Und das wussten wir eigentlich schon lange.

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