Digitale Bildung eröffnet neue Chancen – nutzen wir sie mutig und überlegt

Wegweiser Digitale Bildung – Vorwort

Vorwort von Dr. Sarah Henkelmann, Sprecherin Netzwerk Digitale Bildung

Die Digitalisierung und der Einsatz digitaler Lernmedien im Unterricht bietet die Chance, Bildung und Unterricht neu zu denken. Schülerinnen und Schüler können aktiver Wissen erwerben, wenngleich es auch weiterhin auf die Lehrperson ankommt. Lehrerinnen und Lehrer können ihren Unterricht lebendiger, interaktiver und ortsunabhängiger gestalten. Verantwortliche und Entscheidungsträger haben die Chance, Bildungsprozesse zu modernisieren, auf die Anforderungen der Zukunft auszurichten und effektiv und nachhaltig zu organisieren. Allerdings gelingt dies nur, wenn das Zusammenspiel von Pädagogik, Technologie und Infrastruktur sowie der Aus- und Weiterbildung von Lehrenden gut funktioniert.

In diesem Buch geben wir Einblicke, Anhaltspunkte und praktische Tipps, wie Sie sich auf den Weg zur Digitalisierung begeben.

Digitale Medien spielen im Alltag von Kindern und Jugendlichen eine wichtige Rolle

Schule soll die Kinder und Jugendlichen in ihrer Lebenswelt abholen. Und digitale Medien spielen in ihrem Alltag eine wichtige Rolle. Im Rahmen der JIM-Studie 2017 (Jugend, Information, (Multi-) Media) des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest wurden Zwölf- bis 19-Jährige in Deutschland neben der generellen Mediennutzung auch zu ihrem Medienumgang im Hinblick auf Hausaufgaben, Lernen und Schule befragt. Insgesamt verbringen sie nach eigener Schätzung durchschnittlich 97 Minuten an einem Wochentag mit ihren Hausaufgaben (mit und ohne Computer/Internet). Knapp die Hälfte ihrer Lern-/ und Hausaufgabenzeit (45 Prozent/44 Minuten) arbeiten sie jeden Tag zuhause am Computer oder im Internet für die Schule. Die digitale Hausaufgabenzeit steigt mit zunehmendem Alter der Jugendlichen von einer guten halben Stunde bei den Zwölf- bis 13-Jährigen auf eine gute Stunde bei den volljährigen Schülern an.

Die Nutzung digitaler Medien im schulischen Kontext hat Luft nach oben

Betrachtet man hingegen den Einsatz digitaler Medien in der Schule, so sind laut der JIM-Studie bislang nur das interaktive Whiteboard (31 Prozent) und der Computer (22 Prozent) nennenswert im Schulalltag angekommen (Nutzung mindestens mehrmals pro Woche). Smartphones (13 Prozent), Laptops (9 Prozent) oder Tablets (4 Prozent) spielen keine große Rolle. Es besteht also reichlich Potenzial für den Einsatz digitaler Medien in der Bildung – allein quantitativ.

Die Ursache für den seltenen Einsatz digitaler Medien im Unterricht ist sicherlich die mangelnde Netzanbindung, Infrastruktur und Ausstattung der Schulen. Mit dem DigitalPakt Schule soll dies nun verbessert werden. Voraussetzung dafür ist, ein nachhaltiges Konzept mit allen Beteiligten auszuarbeiten.

In diesem Wegweiser geben wir Ihnen praktische Tipps, was bei der Erstellung von pädagogischen Konzepten und Medienentwicklungsplänen, aber auch bei der Implementierung, Ausstattung und Beschaffung nötig ist. Ebenso wichtig ist die Nachhaltigkeit durch Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte sowie IT-Beauftragten. Expertinnen und Experten aus der Praxis teilen mit Ihnen ihr Wissen und ihre Erfahrungen.

Den Unterricht handlungs- und entwicklungsorientiert gestalten

Digitale Medien bereichern den Unterricht – und Lernen und Lehren können noch mehr Spa§ machen. Pädagoginnen und Pädagogen, wie Gastautorin Professorin Dr. Silke Grafe vom Lehrstuhl für Schulpädagogik an der Universität Würzburg, gehen davon aus, dass Kinder dann am besten lernen, wenn ihre Erfahrungen, ihr Denken und ihr Handeln miteinander verknüpft werden. Wenn Schülerinnen und Schüler selbst aktiv werden, sich einbringen und den Unterricht aktiv mitgestalten, führt dies zum Lernerfolg. Digitale Werkzeuge erleichtern an vielen Stellen die Umsetzung unterschiedlicher Methoden für unterschiedliche Aufgaben.

Digitale Werkzeuge stellen unsere Vorstellungen vom Lernen und die heutige Didaktik also nicht grundsätzlich infrage. Sie unterstützen die Lehrkräfte vielmehr dabei, Lernprozesse zu fördern. Es geht darum, wie digitale Werkzeuge den Unterricht und damit letztlich die Bildung unserer Kinder und Studierenden in Schulen und Hochschulen verbessern können. Wichtig ist dabei, die Lernenden in den Mittelpunkt zu stellen und zuerst pädagogische Konzepte zu entwickeln, in die dann digitale Lernwerkzeuge wie Software und Hardware eingebettet werden.

Nicht nur große Lösungen helfen, auch kleine Werkzeuge bereichern

Viele Menschen neigen dazu, Dinge erst dann zu ändern, wenn sie genau wissen, dass die neuen Methoden und Techniken funktionieren. Viele Schulen schauen auf Leuchtturmprojekte und lassen sich dadurch entmutigen, klein anzufangen. Diese Haltung erschwert oder blockiert Erneuerungen. Auch kleinere Leuchtfeuer in Form von Notebooks, Smartphones und Apps sind probate Mittel, etwas zu ändern. Sie benötigen keine langen Planungsphasen und Genehmigungsprozesse, sondern können ganz nach Bedarf eingesetzt werden. Es geht darum, praktische Handlungskonzepte und pädagogisch-didaktische Szenarien zu entwickeln, zu erproben und zu evaluieren – oder auch einfach mit neuen spielerischen Unterrichtsansätzen die Schüler zu motivieren.

Haben Sie Mut, Bildung mit digitalen Werkzeugen einfach einmal auszuprobieren!

Dr. Sarah Henkelmann

Wenn Sie mit unseren Expertinnen und Experten Kontakt aufnehmen möchten, besuchen Sie bitte unsere Expertencommunity unter www.netzwerk-digitale-bildung.de/das-netzwerk/expertencommunity/

2018-09-20T12:42:49+00:00