Kapitel 3: Medienentwicklungspläne

Wegweiser Digitale Bildung – Kapitel 3

Gastbeitrag von Dr. Anita Stangl, MedienLB GmbH

Ein Wegweiser um:

  • Schulen systematisch besser mit digitalen Medien auszustatten
  • einen Medienentwicklungsplan schrittweise zu erstellen
  • einen Medienentwicklungsplan nachhaltig zu gestalten

Grundlagen – Was muss ich wissen

Zeitgemäßen Unterricht mit digitalen Bildungswerkzeugen zu ermöglichen, ist längst überfällig. Mit dem DigitalPakt Schule kommt neuer Schwung in die Debatte, wobei Schulen und Lehrende die Chance haben, ihren Unterricht nicht nur zu modernisieren, sondern auch neu zu denken.

Beim Thema Digitale Transformation an Schulen geht es darum, auf neue Anforderungen zu antworten, neue Erkenntnisse in der Methodik und Didaktik mit den technologischen Entwicklungen zielführend zusammenzubringen. Gilt es doch „Schülerinnen und Schüler angemessen auf das Leben in der derzeitigen und künftigen Gesellschaft vorzubereiten und sie zu einer aktiven und verantwortlichen Teilhabe am kulturellen, gesellschaftlichen, politischen, beruflichen und wirtschaftlichen Leben zu befähigen“, wie es die Kultusministerkonferenz formuliert.

DigitalPakt Schule: Schulen besser mit digitaler Technik ausstatten

Das haben auch Bund und Länder erkannt und den DigitalPakt Schule initiiert, durch den Schulen bundesweit besser mit digitaler Technik ausgestattet werden sollen. Bis Ende 2018 wird ein unterschriftsreifes Vertragswerk entwickelt sowie die grundgesetzlichen Voraussetzungen geschaffen und die Finanzierung geklärt sein.

Der Bund stellt über einen Zeitraum von fünf Jahren mehrere Milliarden Euro zur Verfügung. Wie viel Geld die Länder geben, ist noch nicht klar. Aber eines steht bereits fest:

Wichtig! Ein Medienentwicklungsplan (MEP) ist zwingend erforderlich, damit Fördermittel fließen.

Medienausstattung systematisch planen

Um den Schülerinnen und Schülern Medienkompetenz vermitteln zu können, benötigen Schulen medienkompetente Lehrkräfte, pädagogische Konzepte, digitale Werkzeuge zur Gestaltung von Unterricht, wie zum Beispiel die geeignete Softwareausstattung, Smartboards, mobile Geräte, funktionales WLAN, und entsprechende technische Infrastruktur und Ausstattung der Schule.

Damit von Beginn an die Technik auf die jeweiligen pädagogischen Vorstellungen und Erfordernisse hin angeschafft und ausgerichtet werden kann, bedarf es einer systematischen Planung. Und damit kann und soll man schon heute beginnen.

Wenn sich alle Beteiligten rechtzeitig zusammensetzen und die finanziellen Möglichkeiten des Schulträgers mit den pädagogischen Wünschen und Erfordernissen vereinbaren, kann die mediale Ausstattung der Schule und mediengestützter zeitgemäßer Unterricht für die Kinder gelingen.

Ratgeber – Was kann ich tun

Was ist ein Medienentwicklungsplan (MEP)?

Der MEP formuliert Rahmenbedingungen, Ziele und Mittel zur Integration der digitalen Medien in den Unterricht. Und er ist Voraussetzung für die Gewährung von Fördermitteln aus dem DigitalPakt Schule. Ein Medienentwicklungsplan

  • verbindet das pädagogische Medienkonzept der jeweiligen Schule mit dem technischen Konzept der Ausstattung und Wartung durch IT-Dienstleister und dem organisatorischen Konzept der Finanzierung und Beschlussfassung durch die Schulträger,
  • wird von einem Steuergruppenteam in Kooperation mit den Eltern- und Schülervertretern in Verantwortung der Schulleitung mit Unterstützung des außerschulischen IT-Dienstleisters unter Einbeziehung des Schulträgers erstellt.

Zur Erstellung eines Medienentwicklungsplans haben sich die folgenden drei Schritte in der Vergangenheit bewährt:

1. Schritt: Bildung eines MEP-Steuergruppen-Teams und pädagogisches Medienkonzept

Wer macht mit? Teambildung

Für die Steuerung und Organisation des gesamten Entwicklungsprozesses, von der Planung über die Durchführung bis zur Evaluation, braucht es ein kompetentes und motiviertes Team. Das MEP-Steuergruppen-Team bildet die Schnittstelle zum Kollegium und allen anderen beteiligten Entscheidungsträgern.

Wo stehen wir? Beschreibung der aktuellen Mediennutzung der Schule

Die erste Aufgabe des Teams besteht in der Hinterfragung und Beschreibung des aktuellen Medieneinsatzes im Unterricht. Dazu gehört die Frage nach der Medienkompetenz des Kollegiums. Gibt es Netzwerkberaterinnen und -berater, gibt es Multimediaberaterinnen und -berater an der Schule? Wer hat an Fortbildungen teilgenommen?

Womit arbeiten wir? Planung und Sammlung der Lernmittel

Zu den praktikablen Lšsungen einer gelingenden Schul- und Unterrichtsentwicklung gehören:

  • Zugriff auf Online Lernplattformen der Länder oder Medienzentren
  • multimedial-interaktive, digitale Schulbücher

Interaktive Funktionen und multimediale Inhalte, Animationen und Virtual Reality, sind in besonderer Weise dafŸr geeignet, den SchŸlern zu ermšglichen, altersgerechte Stufen der Medienkompetenz zu erwerben.

Was wollen wir? Erstellung des Mediencurriculums

Gemeinsam mit dem gesamten Kollegium unter Beteiligung der Eltern- und Schülervertretungen gilt es, ein schuleigenes Medienbildungskonzept oder auch Mediencurriculum zu erstellen. Fragen: Welche Kenntnisse, Fähigkeiten und Arbeitstechniken sollen vermittelt werden? Auf welcher Ausbildungsstufe im Verlauf der Schulzeit und in welchen Fächern soll dies erfolgen? Wie können Medien zur Verbesserung von Lernprozessen beitragen?

Tipp: Die Landesmedienzentren bieten Hilfe bei der Erstellung des Mediencurriculums. Links zu Landesmedienzentren finden Sie auf unserer Internetseite: www.netzwerk-digitale-bildung.de/linkliste

Wo wollen wir hin? Formulierung der Qualitätsziele

Für eine bessere Überprüfung der Zielerreichung ist es gut, die einfache SMART-Formel zu nutzen, die da lautet:

S   Spezifisch: Ein Ziel sollte so genau und konkret wie möglich formuliert sein. Am besten in einer konkreten und vor allem positiven Aussage.

M   Messbar: Wichtig ist die Nennung eines Mengengerüstes, einer Zeitangabe oder eines sonstigen messbaren Kriteriums.

A   Akzeptiert: Ziele, die im Projektteam als unakzeptabel angesehen werden, haben wenig Aussicht auf Erfolg.

R   Realistisch: Realistische Ziele werden leichter akzeptiert und motivieren deutlich stärker.

T   Terminierbar: Ein Zeitplan ist zu erstellen.

2. Schritt: Beschreibung des technischen Ist-Zustands und technische Konzeption

Was haben wir? Bestandsaufnahme Technik

Hier geht es um die Erstellung einer Liste der schon vorhandenen digitalen Technik.

Was brauchen wir? Bedarfsplanung

Notwendig zur Umsetzung des digitalen Unterrichts sind:

  • Ausstattung mit Multimediageräten, Vernetzung der Computerarbeitsplätze, ein Breitband-Internetzugang, IT-Sicherheit
  • Hardware, wie Tablets, AufnahmegerŠte und interaktive Tafeln, BYOD (Bring Your Own Device)

Jetzt wird es höchste Zeit, einen Vertreter des Schulträgers zu kontaktieren und einen persönlichen Termin zu vereinbaren.

Wer leistet Support? Service- und Betriebskonzept

Die organisatorischen Fragen und Zuständigkeiten zur Beschaffung, Installation und Wartung der Technik müssen nun geklärt werden. Ebenso muss klar werden, wer für die Beratung, Fortbildung und Unterstützung der Schulen zuständig ist beziehungsweise wie die Lehrerfortbildung an der Schule initiiert werden kann.

3. Schritt: Finanzierung, Beschlussfassung und Überprüfung

Wer soll das bezahlen? Finanzierung

Die Investitionsplanung berücksichtigt alle Kosten der Medienausstattung. Gerät die Kostenplanung in schwindelnde Hšhen, könnte eine Prioritätenliste helfen.

Wir machen das! Beschlussfassung

Zum Prozess der endgültigen Beschlussfassung gehört die Genehmigung des Medienentwicklungsplans durch Politik und Schule. Genehmigen müssen die Schulträger, der Gemeinderat und die Gesamtlehrerkonferenz sowie die Schulverwaltung.

Na, wie haben wir das gemacht? Evaluation

Mit Hilfe von Online-Befragungen, offener Diskussion in der Gesamtlehrerkonferenz und standardisierter Beobachtung der Medienintegration im Unterricht lässt sich der Erfolg des Medienentwicklungsplans messen. Die Ergebnisse helfen bei der Fortschreibung des Prozesses. Fragen: An welchen Zielen halten wir fest? Was ändern wir? Welche Maßnahmen leiten wir daraus ab?

Vorlagen und Tipps

Weitere Hilfen bei der Erstellung eines Medienentwicklungsplans bieten alle Bundesländer. Auf den Webseiten der Landesmedienzentralen finden sich Vorlagen und Tipps. Die Internetadressen der Landesmedienzentralen finden Sie auf unserer Internetseite: www.netzwerk-digitale-bildung.de/linkliste

Best Practice – Beispiele aus der Praxis

Am Thomas-Eßer-Berufskolleg (TEB) in Euskirchen unterstützt Technologie das Lernen nicht nur bei den technischen Themen. Schritt für Schritt wird die gesamte Schule mit Smartboards ausgestattet. Entscheidend für den Erfolg bei Implementierungen von Bildungstechnologie ist ein überzeugendes Medienkonzept.

Alle Beteiligte einbeziehen

Guido Golz, Bereichsleiter IT am TEB, hat von Beginn an die Lehrkräfte miteinbezogen. Sie konnten ihre Wünsche und Bedenken äußern. Das Medienkonzept, das Guido Golz schließlich erstellt hat, erläutert auf 36 Seiten die pädagogischen Grundlagen, ihre methodisch-didaktische Umsetzung sowie die erforderliche technische Ausstattung. Ein Kernziel der Arbeit des TEB ist die Förderung von Medienkompetenz, sowohl das zielgerichtete Lernen mit Medien, als auch das Lernen über Medien.

2014 mussten die Gebäude des Thomas-Eßer-Berufskollegs komplett saniert werden, neue Schultafeln inklusive. Diese Chance nutzte die Schule, um auf interaktive Smartboards umzurüsten. Das Medienkonzept erläutert Schritt für Schritt die erforderliche technische Ausstattung der gesamten Schule, von WLAN, Web und Intranet über Hardware und Software bis hin zum Support. Interaktive Whiteboards sind das zentrale Element. Denn die Smartboards vereinen verschiedenste Medien (Tafel, Overhead-Projektor, Scanner, CD-, DVD-, Video- und AudiogerŠte). Dies spart nicht nur Kosten, sondern auch viel Zeit – Unterrichtszeit, Wartungs- und Betreuungszeit. Als konkreten Vorteil für die Schülerinnen und Schüler benennt Guido Golz die höhere Interaktivität und damit einhergehende zusätzliche Motivation. Bring Your Own Device (BYOD) – also eigene, mitgebrachte mobile Endgeräte wie Laptops, Tablets und Smartphones – ergänzen das Medienkonzept des TEB.

Schüler dort abholen, wo sie sich befinden

Lehrern wie Schülern gefällt die Möglichkeit, während des Unterrichts im Internet zu recherchieren und die Smartphones dazu einzusetzen. Guido Golz weiß: „Ganz wichtig ist das pädagogische Stichwort, die Schüler da abzuholen, wo sie sich befinden. Das Smartphone ist allgegenwärtig – und das nicht im Unterricht einzusetzen, wäre ein kapitaler Fehler.“

Mit digitalen Medien werden Schüler interaktiver

Den Unterricht ohne ein interaktives Display kann sich David Höfner nicht mehr vorstellen. Der Ausbildungskoordinator der Informationstechnischen Assistenten (ITA) und Lehrer für Deutsch, Projektmanagement und Politik am TEB, schätzt die Vorteile:

„Wenn Schüler in der Informationstechnik Präsentationen halten, dann geht es häufig um sehr komplexe Darstellungen von Netzwerkstrukturen oder Algorithmen. Es ist gar nicht mehr vorstellbar, dass man das an einer Schiefertafel unterrichtet oder auch in normalen Power Point-Präsentationen.“

Auch die Gespräche werden interaktiver. Schüler prŠsentieren, Mitschüler fragen nach, man kann das Modell oder die Struktur nochmals im Detail anschauen.

Smartboards erweitern Präsentationskompetenz

Da die Praxis am TEB enorm wichtig ist, fasst Schulleiter Jürgen Tilk zusammen:

„Eine Schule wie das TEB vermittelt nicht nur Fachwissen, sondern auch zunehmend Methoden, Medien und Sozialkompetenz. Dabei leisten interaktive Präsentationsmedien einen ganz wesentlichen unverzichtbaren Anteil.“

David Höfner, Ausbildungskoordinator der ITAs am TEB, ist davon überzeugt, dass die interaktiven Displays die Entwicklung von Kreativität stark unterstützen. So bekommen die Schüler die Möglichkeit, ihr Kreativpotenzial zu entfalten, indem sie ihre Gedanken, ihre Ideen, ihre Konzepte sehr ausführlich und individuell entwickeln können:

„Die Präsentationen, die wir heute im Unterricht erleben, sind dank der Smartboards höchst komplex, sehr individuell und immer kreativ.“

Fazit

Gute Planung ermšglicht die Umsetzung Schritt für Schritt und für jedes Budget. Gut durchdachte Planung versetzt Schulen in die Lage, schnell und sinnvoll mit der Digitalisierung in ihren eigenen Klassenzimmern zu starten beziehungsweise sie weiter auszubauen. Dabei muss es nicht immer um den perfekten großen Wurf gehen. Auch Schritt für Schritt lassen sich gute und erfolgreiche Lösungen für jeden Geldbeutel finden.

Schon heute können Schulen damit beginnen, die Medienausstattung anhand eines solchen Plans zu erarbeiten.

Wichtig für die Umsetzung des Medienentwicklungsplans:

  • rechtzeitig alle Beteiligte an einen Tisch holen
  • Wünsche und pädagogische Ziele formulieren
  • Ist- und Soll-Zustand der Medienausstattung festhalten
  • Finanzen klären
  • Nachhaltigkeit beachten – wer kümmert sich darum, dass die Technik gewartet wird und auf dem neuesten Stand ist
  • regelmäßig Plan und Realität abgleichen

Das Ziel: ein zeitgemäßer Unterricht

Ein Medienentwicklungsplan erleichtert die verlässliche und langfristige und für alle Beteiligten transparente Projektplanung und Umsetzung. Und er ist eine wichtige Voraussetzung für die Beantragung von Mitteln aus dem DigitalPakt Schule. Das Ziel ist klar: die wirtschaftliche und nachhaltige technische Infrastruktur und Medienausstattung für einen zeitgemäßen Unterricht.

Weiterführende Informationen

Die Landesmedienzentren stellen auf ihren Webseiten Informationen und Vorlagen für Medienentwicklungspläne zur Verfügung.

Die aktuellen Links dazu und zum Thema Medienentwicklungsplan finden Sie auf unserer Internetseite:
www.netzwerk-digitale-bildung.de/linkliste

Über die Autorin

Dr. Anita Stangl, Gesellschafter-Geschäftsführerin der Medien LB

„Digitale Bildung ist gelebte Bildungsgerechtigkeit.“

Das ist einer der Leitsätze von Dr. Anita Stangl. Als Gesellschafter-Geschäftsführerin der MedienLB ist sie mit ihrem Unternehmen der größte private Hersteller von eigenproduzierten Filmen für den Schulunterricht in Europa. Damit erhielt sie mehrfach den Comenius-EduMedia-Award, welcher jährlich vor allem pädagogisch, inhaltlich und gestalterisch herausragende didaktische Multimedia-Produkte auszeichnet. Im Juli 2018 hat MedienLB das erste nur digitale Schulbuch zur Zulassung als Schulbuch in Bayern eingereicht. Das DigiBook stellt ein vollständiges Werk dar, das die kompletten Aufgaben, Arbeitshefte und Lehrerexemplare enthält.

Kontakt: Wenn Sie mit unseren Expertinnen und Experten Kontakt aufnehmen möchten, besuchen Sie bitte unsere Expertencommunity unter www.netzwerk-digitale-bildung.de/das-netzwerk/expertencommunity/

2018-09-20T12:38:19+00:00