Kapitel 4: Ausstattung und Technologie

Wegweiser Digitale Bildung – Kapitel 4

Gastbeitrag von Martin Breier

Ein Wegweiser um:

  • Lerntechnologie so auszulegen, dass der Unterricht interaktiv, intuitiv und kollaborativ gestaltet werden kann
  • für Intelligenz im System zu sorgen: Die Software ist dafür entscheidend
  • digitale Unterrichtswerkzeuge auszuwählen, die Lehrenden Zeit sparen und Nerven schonen
  • Schritt für Schritt vernünftig zu investieren: für Digitalisierungs-Einsteiger, -Fortgeschrittene und -Enthusiasten

Grundlagen – Was muss ich wissen

Gehen wir davon aus, Sie haben Ihr pädagogisches Konzept und den Medienentwicklungsplan aufgestellt. Früher oder später kommen Sie an den Punkt zu entscheiden, was nun eigentlich eingebaut oder nachgerüstet werden soll. Hier stehen Sie schnell vor unzähligen Mšglichkeiten von Herstellern, Serviceanbietern, Geräten und Lösungen.

Tipp: Um sich in diesem Dschungel zurechtzufinden, empfiehlt es sich, eine Faustregel zu beachten: Die Technik muss der Pädagogik folgen.

Damit schließen Sie schon einmal eine Menge aus. Denn IT-Gerätschaften oder Präsentationstechniken, die im privaten oder im Unternehmensumfeld eingesetzt werden, sind für den Unterricht nicht geeignet.

Digitale Lernmedien können das natürliche Lernverhalten der Kinder und Jugendlichen unterstützen, wenn sie:

  • speziell dazu ausgelegt sind, intuitives, kollaboratives und spielerisches Lernen anzuregen,
  • intelligente Software und Präsentationstechnik kombinieren, die möglichst einfach zu bedienen ist und einen flüssigen Unterrichtsablauf ohne lange Ladezeiten oder Medienbruch ermöglicht,
  • nahtlos mit anderen Mobilgeräten, wie zum Beispiel Smartphones oder Tablets der Schülerinnen und Schüler, verbunden werden können,
  • von Pädagoginnen und Pädagogen sowie Kindern und Jugendlichen intuitiv und natürlich angewendet werden können und die Technik quasi nicht spürbar ist.

Erfolg großer Displays wissenschaftlich belegt

Studien belegen, dass zielführende Lösungen aus einer Kombination von Smart- oder interaktiven Whiteboards und damit verbundenen softwarebasierten Lern- und Kollaborationslšsungen bestehen (Quellen: Filigree Consulting, „Die Bedeutung gro§er, interaktiver Displays für das Ökosystem Klassenzimmer“, Untersuchungsbericht April 2017; und Don Passey, Zusammenarbeit, Sichtbarkeit, Einbindung. Fallstudie zur Verwendung interaktiver Whiteboards an einem Gymnasium in Deutschland. Untersuchungsbericht, Department of Educational Research, Lancaster University, 31. Oktober 2016).

Auf das Thema Bring Your Own Device (BYOD) wird im folgenden Kapitel noch detaillierter eingegangen. Deshalb konzentriert sich dieser Artikel auf interaktive stationäre PrŠsentationstechnik und die dazugehörige Basis: die Software.

Für Intelligenz im System sorgen: Pädagogische Software ist entscheidend für die Unterrichtsgestaltung

Die Bedeutung von professioneller Lernsoftware wird noch immer unterschätzt. Lassen Sie sich auch bitte nicht erzählen, dass man für den Unterricht im digitalen Zeitalter keine spezielle Software benötigt. Sie fahren ja auch kein Auto ohne Benzin. Software bildet die Intelligenz im System und ist auf lange Sicht Innovationstreiberin bei der Unterrichtsgestaltung. Vielmehr ist die richtige pädagogische Software der Schlüssel zum Erfolg. Daher empfiehlt es sich, bei der Auswahl der Software genauso gut hinzuschauen, wie bei der Auswahl der Hardware. Idealerweise ergänzen sich beide nahtlos – für einen flüssigen Unterricht ohne Medienbruch.

Spezifikationen sind nicht entscheidend: Nachhaltig sinnvolle, skalierbare Lösungen aufbauen

Wenn Sie diese Grundsätze im Kopf behalten, wird auch die Ausschreibung leichter. Denn auch hier verliert man sich schnell in technischen Spezifikationen. Vielleicht haben Sie sich vor einer Beschaffung schon einmal Gedanken darum gemacht, welche Spezifikation wichtig sind? Anzahl der Anschlüsse, Auflösung, Helligkeit, Kontrast oder maximale Anzahl der Touchpunkte – mit all diesen Spezifikationen werden Sie konfrontiert. Entspannen Sie sich. Hier bedeutet vor allem nicht immer mehr auch automatisch besser. Hinterfragen Sie Sinn und Zweck einzelner Daten und überlegen Sie sich, was Sie wirklich im Unterrichtsalltag benötigen.

Es gibt Hersteller, die Untersuchungen im Klassenzimmer durchführen und auf Basis dessen die Funktionen ihrer Geräte darauf ausrichten, was pädagogische Relevanz hat. Das beginnt bei einfachen Dingen wie Hitzeentwicklung von Touchscreens – denn man muss seinen interaktiven Screen auch nach 45 Minuten Unterricht noch berühren kšnnen – und endet bei universeller Integration mit allen Geräten, die im Unterricht angewendet werden.

Ratgeber – Was kann ich tun

Digitale Lernwerkzeuge unterscheiden sich von normalen Technologieanschaffungen. Und das ist gut so. Im Folgenden geben wir Ihnen Tipps zur Orientierung, was digitale Lernmedien kšnnen sollten.

Mit professioneller Lernsoftware eine Basis für zeitgemäßen Unterricht schaffen

Wer seinen Unterricht und seine Schule in Sachen Digitalisierung voranbringen will, kommt an einer Kombination von Software mit interaktiven stationären Präsentationstechniken (ISPs), wie Smartboards oder interaktiven Whiteboards, nicht vorbei. Die Software ist dabei ein Schlüsselfaktor. Sie ermöglicht es erst, dass Lehrkräfte mit ihren Schülerinnen und Schülern intuitiv und zeitsparend zusammenarbeiten können.

Lernsoftware ist mehr als Textverarbeitung

Blickt man auf die Lernsoftware in den Klassenzimmern, werden hier meist nur gängige Textverarbeitungs-, Präsentations- und Tabellenprogramme verwendet, meistens Word, Power Point, Excel oder die entsprechenden Open Source-Versionen. Laut einer Umfrage der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahr 2017 geben 95 Prozent der befragten Schulleiter an, dass sie diese Programme für den Unterricht zur Verfügung stellen. Lern- und Kollaborationsplattformen, die virtuelles Lernen ermöglichen und Teamarbeit unterstützen, haben dagegen erst in rund 40 Prozent der Schulen Einzug gehalten.

Software als Lernwerkzeug bildet also eine Plattform, die verschiedenste Methoden und Formen der Zusammenarbeit möglich macht. Folgende Eigenschaften sollten in einer Softwarelösung enthalten sein.

Orientierung: Das muss Software im digitalen Unterricht kšnnen

Intuitive Bedienung durch geringe Menütiefe – für Einsteiger und Fortgeschrittene

Eine sinnvolle pädagogische Software zeichnet sich durch ihre geringe Menütiefe und die selbsterklärende Bedienoberfläche aus. In nur wenigen Klicks sollten Sie jede beliebige Funktion erreichen können. So sollten Lehrkräfte nur wenige Minuten benötigen, um beispielsweise spielbasierte Lernaktivitäten im Unterricht gestalten zu können oder formative Beurteilungen zu erstellen.

Vorteile:

  • Es erleichtert die Nutzung im Klassenraum, aber auch die Vor- und Nachbereitung der Materialien zu Hause.
  • Einsteiger finden sich sofort bestens zurecht.
  • Fortgeschrittene und Experten haben eine Vielzahl von Möglichkeiten, um den Unterricht noch interaktiver zu gestalten.

Integrierte Plattform

Eine gute pädagogische Software sollte die zentrale Schaltstelle sein, mit der Lehrkräfte den Unterricht erstellen, durchführen, verteilen und abspeichern können:

  • Sie sollten damit beispielsweise spielerisches Lernen einsetzen und Lernstandserhebungen durchführen können.
  • Kompatibel mit der Präsentationstechnik und mobilen Geräten sein: Der Zugriff auf die Dokumentenkamera, einen Web-Browser, gefilterte und werbefreie Youtube-Inhalte muss Pädagogen direkt zur Verfügung stehen, ohne die Software zu verlassen.
  • Achten Sie auch bei der Präsentationstechnik auf Einfachheit: Alle notwendigen Funktionalitäten sollten nur einen Klick entfernt sein.

Virtuelle Zusammenarbeit über Ort- und Zeitgrenzen hinweg ermöglichen

Kollaboratives Arbeiten im virtuellen Raum wird immer wichtiger. Wenn Sie neue Technologie anschaffen oder nachrüsten, achten Sie auf folgende Funktionen:

  • Schüler können von überall aus zusammenarbeiten,
  • Lehrkräfte können Unterrichtsmaterialien hochladen und Lernstandserhebungen und Bewertungen in Echtzeit durchführen,
  • mehrere internetfähige Geräte können zu einem einzigen virtuellen Arbeitsbereich verbunden werden,
  • Lehrkräfte können Unterrichtseinheiten überall öffnen und auf jedes Schülergerät, wie Smartphone, Tablet oder Computer, übertragen.

ISP oder Beamer? Was muss Präsentationstechnik im digitalen Unterricht können?

Wie war nochmal die Grundregel? Genau – Pädagogik vor Technik. Das ist auch bei der Auswahl der Geräte und speziell der Präsentationstechnik essenziell.

Große Displays fördern die Sichtbarkeit und das Teilen von Unterrichtsergebnissen. Studien belegen, dass beispielsweise das gemeinsame Lernen an einem interaktiven großen Display die Lernergebnisse verbessert und Schlüsselkompetenzen in den Bereichen Kreativität, Kommunikation, Kollaboration und kritisches Denken fördert. Ein großes Display führt die individuellen Aktivitäten zusammen und bildet das Zentrum des digitalen Klassenzimmers. Wohl auch deshalb sind stationäre Präsentationsmedien vom Bund im Rahmen des DigitalPakts Schule förderfähig.

Whiteboards verbessern Lernfähigkeit bei Kindern

Bereits 2015 hat die Psychologin Dr. Ursula Fischer untersucht, ob und wie sehr sich die Lernfähigkeit von Zweitklässlern durch interaktive Whiteboards im Mathematikunterricht verbessert. Im Interview mit dem Netzwerk Digitale Bildung plädiert sie für einen lernförderlichen Einsatz im Klassenzimmer, der weit über das Whiteboard als Präsentationsmedium hinausgeht:

www.netzwerk-digitale-bildung.de/blog/die-kinder-lernten-durch-das-whiteboard-nachweisbar-besser/

Smartboard, Whiteboard oder doch ein Beamer? Das Wichtigste ist, dass Sie die Geräte selbst testen. Dabei empfiehlt es sich, das Lehrerkollegium und auch die Schülerinnen und Schüler einzubeziehen. Hier ein paar Funktionen auf die Sie besonders achten müssen:

Einfachheit in der Bedienung: Unterricht muss sofort und unmittelbar möglich sein

Wie bei einer analogen Tafel sollte auch der Unterricht mit digitalen Medien sofort und unmittelbar möglich sein, ohne langes Warten bis Geräte hochgefahren, Anwendungen aufgerufen oder Geräte miteinander vernetzt sind.

So testen Sie richtig:

  • Achten Sie darauf, wie einfach und schnell man das Gerät zum Laufen bringt. Manche Displays schalten sich von selbst ein, wenn man den Raum betritt, andere verfügen über Zeitschaltuhren, die man programmieren kann.
  • Lassen Sie sich zeigen, wie schnell Sie im Unterricht in Aktion treten können. Fragen Sie auch nach gemeinsamer, drahtloser Bildschirmnutzung. Beides kann für Lehrkräfte unglaublich nützlich sein.
  • Die Nutzer sollten Aktionen, wie beispielsweise mit digitaler Tinte schreiben oder Objekte mit den Fingern verschieben, durchführen können, ohne dabei erst in einen Multi-User-Modus wechseln zu müssen.
  • Dasselbe gilt auch für die Auswahl von Werkzeugen oder Stiften. Die Objekterkennung sollte automatisch erfolgen, sowohl im Smartboard als auch in einer Lösung mit Projektor. Alles was extra eingestellt werden muss, kostet wertvolle Unterrichtszeit und stört die Konzentration.

Touch: Haptik ist entscheidend

Die Touch-Erfahrung ist wesentlich, denn sie ermöglicht intuitives Arbeiten, Interaktion und Zusammenarbeit und spart Unterrichtszeit. Touch-basierte Whiteboards und Panels, die mit zwei Fingern bedient werden, sind bereits seit einigen Jahren auf dem Markt. In allerjüngster Zeit konkurrieren Hersteller sogar hinsichtlich der Markteinführung von Multitouch-Whiteboards und Panels mit Gestenerkennung miteinander.

Bei Projektoren ist Touch im gehobenen Segment ebenfalls möglich. Hier sollten Sie auf eine lange Lebensdauer der Lampen (rund 6.000 Stunden) und eine gute Auflösung achten. Auch sollten in Kombination mit interaktiven Whiteboards vor allem Touch- oder Multitouch-Funktionen möglich sein.

So testen Sie richtig:

  • Testen Sie, ob sich Abbildungen flüssig und ohne Abbruch über den Bildschirm oder das Whiteboard ziehen lassen.
  • Sie sollten mit dem Finger und/oder mit speziellen Stiften schreiben können.
  • Mehrere Personen sollten sofort gemeinsam oder jede für sich arbeiten können.
  • Testen Sie die Oberfläche: Sie sollte glatt, kühl und angenehm in der Berührung sein. Wenn sie sich klebrig, rauh oder gar heiß anfühlt, kann dies in der Nutzung beeinträchtigen – ebenso, wenn man mit dem Finger oder einem Stift an der nackten Wand arbeiten soll.

Schreiben wie an der analogen Tafel

Beim Schreiben auf digitalen Präsentationsmedien ist die analoge Tafel das Maß der Dinge: Das heißt schlicht, die Schrift soll an derselben Stelle erscheinen, an der sie geschrieben wird. Auch sollte die digitale Tinte alles genauso wiedergeben wie es geschrieben wurde, also in derselben Schrift. Das hört sich selbstverständlich an, sollte aber definitiv ausprobiert werden.

So testen Sie richtig:

  • Zwischen Zeilen und Buchstaben sollten keine Lücken entstehen. Die Schreiberfahrung muss natürlich sein.
  • Mehrere Personen sollten gleichzeitig schreiben können, wie an Kreidetafeln.
  • Testen Sie bitte, ob die Qualität und Genauigkeit die gleiche bleibt, und ob Sie zum Beispiel gleichzeitig unterschiedliche Tintenfarben benutzen können.

Energieverbrauch und Nachhaltigkeit

Eine Energy Star-Zertifizierung schont Ihren Geldbeutel und gleichzeitig wertvolle Ressourcen durch einen deutlich geringeren Stromverbrauch. Auch bei der Produktion der Komponenten sollte der Hersteller ausschließlich auf konfliktfreie Mineralien aus sicheren Herkunftsgebieten setzen.

Nun stellen diese Anforderungen keine Schön wär’s-Funktionen dar, sondern sollten eine Mindestanforderung sein. Denn Sie werden ihre Bildungswerkzeuge länger nutzen. Daher sollten die oben genannten Grundfunktionen gewährleistet sein.

Schritt für Schritt vernünftig investieren: für Einsteiger, Fortgeschrittene und Enthusiasten

Nun ist nicht jede Schule auf dem gleichen technischen Stand. Im Folgenden möchten wir Ihnen einen Anhaltspunkt geben, wie Sie sich als Einsteiger, Fortgeschrittener oder Spezialist auf dem Gebiet Technologieanschaffung orientieren können.

Digitalisierungseinsteiger

Der Entschluss ist gefallen, dass erste interaktive Display soll angeschafft werden.

  • Sprechen Sie in der Beschaffungsphase mit zertifizierten Fachhändlern und überzeugen Sie sich selbst vom simultanen Schreiberlebnis und der Einfachheit in der Bedienung.
  • Folgen Sie dem Postulat: Pädagogik vor Technik.
  • Überlegen Sie sich, ob der Kauf mehrerer interaktiver Displays finanzierbar ist, fragen Sie auch Leasingmodelle an. So kann zum Beispiel eine gesamte Klassenstufe ausgestattet werden, mit dem Vorteil, dass Kollegen gemeinsam Unterrichtsmaterialien erstellen und teilen können.
  • Planen Sie in Ihre Kosten auch didaktische Fortbildungen für die Hard- und Software ein – für alle Pädagogen, die damit arbeiten.
  • Stellen Sie sich Fragen: Gibt es Referenzschulen, die Sie besuchen können? Wie sollen die nächsten Implementierungsstufen für die Schule aussehen? Welchen Planungen haben Sie mittel- und langfristig für den Einsatz digitaler Werkzeuge im Klassenzimmer?
  • Ein Medienentwicklungsplan kann Ihnen helfen, Strukturen zu schaffen, (siehe Kapitel 3: Medienentwicklungspläne).

Digitalisierungsfortgeschrittene

Die ersten interaktiven Whiteboards wurden vor Jahren angeschafft, der erste Klassensatz Schülerendgeräte ist dazu gekommen, und nun stellt sich die Frage, welche nächsten Schritte pädagogisch sinnvoll sind.

  • Hält ihr Medienentwicklungsplan den heutigen Anforderungen stand? Sicherlich ist es nun an der Zeit, im Konzept Anpassungen vorzunehmen.
  • Was brauchen Sie, um eine Vollausstattung (alle Klassenzimmer und Fachräume) zu erreichen?
  • Welche Rückmeldungen haben Kolleginnen und Kollegen gegeben? Welche Veränderungen möchten Sie vornehmen?
  • Auch das Thema Fortbildung wird eine zentrale Rolle dabei spielen. Ist eine Fortbildungskultur etabliert?

Digitalisierungsenthusiasten

  • Ihre Schule ist in allen Klassen- und Fachräumen mit interaktiven Lösungen ausgestattet.
  • Ist Ihr Medienentwicklungsplan auf dem neusten Stand?
  • Können Sie sich vorstellen, Ihre Klassen- und Fachräume zu sogenannten Collaborative Classrooms zu verändern?

Es handelt sich dabei um ein Klassenzimmer, das durch seine technische Ausstattung und innovative Lernmethoden die Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen den Schülerinnen und Schülern öšrdert und sie so ermutigt, eigenständig zu lernen. Dabei bilden mehrere Whiteboards und die passende vernetzende Software, welche die Geräte von Kindern und Lehrkraft verbindet, die Basis, um methodische Vielfalt leichter umzusetzen und neue didaktische Konzepte anzuwenden. Durch integrierte Dokumentenkameras können nicht nur digitale, sondern auch analoge Inhalte in den Unterricht einbezogen werden. So können alle untereinander parallel interagieren und gemeinsam an den Ergebnissen arbeiten.

Aktives und nachhaltiges Lernen im Collaborative Classroom

Im Collaborative Classroom stehen die Schülerinnen und Schüler im Mittelpunkt. Sie lernen aktiv und dadurch nachhaltig. Dabei werden Lerngruppen gebildet, die sich auf möglichst gleichem Leistungsniveau befinden, um die Lernenden besser fördern und unterstützen zu können. Am Ende der Unterrichtsstunde präsentieren die Kinder im Team ihre Ergebnisse. Im Gegensatz zum bloßen Ausrüsten etwa mit Notebooks sitzen die Lernenden im Collaborative Classroom nicht einzeln und abgeschottet vor ihren Bildschirmen. Sie arbeiten vielmehr zusammen, unterstützt von entsprechender Software, welche die Geräte von Kindern und Lehrkraft vernetzt, sodass sie in Echtzeit interagieren können.

Im Vergleich zu traditionellen Arbeitsmitteln wie Arbeitsblättern oder Schulbüchern wurde von Lehrkräften, die im Collaborative Classroom arbeiten, eine deutlich größere Ausdauer und Motivation festgestellt. Auch für die Zusammenarbeit in den heterogenen Lerngruppen sind die Technologien des Collaborative Classroom ein echter Gewinn.

Das eigenverantwortliche Lernen macht den Unterricht lebendig und vielfältig. Lehrkräfte agieren vorwiegend als Moderatoren, während die Kinder zusammenarbeiten, sich in der Gruppe helfen und so im eigenen Tempo lernen. Interaktive Tafelbilder können im Collaborative Classroom selbst erarbeitet und an die individuellen Bedürfnisse angepasst werden.

Der Collaborative Classroom steht also nicht nur für die Nutzung digitaler Werkzeuge, sondern ist vielmehr ein Konzept, das auf vier Kernprinzipien basiert:

  • Förderung fachlicher und emotionaler Kompetenzen
  • Angebot eines sicheren Raums
  • Ermöglichung aktiver Lernerfahrungen
  • Förderung von Anerkennung und Motivation

Testen Sie und sammeln Sie Feedback

Auf welchem Stand Sie auch sind – wichtig ist, dass Sie sich mehrere Hersteller und Serviceanbieter anschauen. Beziehen Sie Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler in diese Tests mit ein und sammeln sie deren Feedback. Sie sollten die Gelegenheit haben, die Geräte live zu testen und im Idealfall nebeneinander vergleichen zu können. Letzteres ist wahrscheinlich aus Zeit- und Logistikgründen nicht immer möglich, aber Ersteres sollte auf jeden Fall vom Hersteller angeboten werden. Denn Lerntechnologie ist eine Anschaffung, die über viele Jahre nachhaltig gut funktionieren und einfach nachrüstbar sein sollte.

Best Practice – Beispiel aus der Praxis

Grammatik spielerisch lernen: Der Sprachabschneider

Die Lehrerin Melanie Nethe der Irena-Sendler Schule in Hamburg hat ein individuelles Übungsprogramm namens „Sprachabschneider“ entwickelt. Dabei hat sie sich zunächst ein Konzept, basierend auf dem gleichnamigen Kinderbuch von Joachim Schädlich, erarbeitet und dieses dann mit Hilfe einer speziellen Unterrichtssoftware gebaut. Das Buch hatte Nethe dazu inspiriert, Übungen zu bauen, womit sich Sprache zerschneiden, auseinander bauen und wieder zusammensetzen lässt.

Im Sprachabschneider werden grammatische Strukturen spielerisch veranschaulicht. Er besteht aus einem Set mehrerer fertiger Übungen, die Grundlagenwissen vermitteln und einzelne Themen vertiefen. Das Besondere daran ist, dass sich jede Lehrkraft daraus ihren eigenen Grammatikbaukasten zusammenstellen kann, je nachdem, ob die Schüler in der Klasse eigene Mobilgeräte nutzen dürfen oder nicht, je nach Klassenstufe oder individualisiert nach den Bedürfnissen der jeweiligen Schüler. Nethe erklärt:

„Man nutzt einfach das, was man selbst als wichtig empfindet. Wenn man beispielsweise merkt, dass ein Schüler bei einem bestimmten Schwerpunkt spezielle Wiederholung braucht, dann kann man hier individualisierte Aufgaben vergeben.“

Schnelle Rückmeldungen steigern Motivation der Lernenden

Zum Beispiel funktioniert die Übung „Konjugationsschieber“ ähnlich wie ein Glücksrad. Hier können die Schüler herausfinden, welche Wortendungen bei Verben die richtigen sind. In einer anderen Übung geht es darum, die Präpositionen im Satz richtig zu positionieren: Diese befinden sich in kleinen beweglichen Kästchen, welche die Kinder in einem Lückentext einsetzen können. So lernen sie schnell, welche Präposition wohin gehšrt. Und sie erhalten sofort eine Rückmeldung zu ihrem Erfolg. Denn am Ende der Übung können sie auf den Button „Antworten überprüfen“ drücken und erfahren sofort, wieviel sie richtig beantwortet haben.

Nethe erklärt:

„Mit der Funktion „Heraus mit der Sprache“ kann man in kürzester Zeit gemeinsam einen großen Ideenpool erarbeiten und visualisieren. Besonders stille Schüler, die ungern vor der Klasse etwas sagen, können hier gut eingebunden werden, denn jeder kann seine Idee abschicken und einbringen.“

Zeitersparnis für die Lehrenden

Quizzes oder Lernstandserhebungen lassen sich mit dem Sprachabschneider einfach und zeitsparend durchführen, sei es mit Multiple Choice-Fragen oder offenen Fragestellungen. Dies eignet sich besonders für Tablet-Klassen. Dadurch, dass die richtigen Antworten bereits im System gespeichert sind, erfahren die Schüler sofort nach Beendigung ihrer Aufgabe, wie sie abgeschnitten haben.

Nethe sagt:

„Die schnelle Rückmeldung motiviert die Kinder sehr, denn sie wollen ihre Ergebnisse am liebsten sofort wissen. Früher mussten sie darauf meist zwei bis drei Tage warten. Und auch für die Lehrer ist es eine gro§e Erleichterung und Zeitersparnis. Musste man früher Arbeitsblätter erstellen, einsammeln und korrigieren, gehen viele einfache Leistungsabfragen heute viel schneller.“

Multimedia spricht alle Lernkanäle an

Durch die Verfügbarkeit vieler verschiedener Medien auf einem Gerät (Video, Audio) können Lehrkräfte intuitiv und schnell zwischen den verschiedenen Medien wechseln und somit weitere wertvolle Unterrichtszeit einsparen, die sinnvoll gefüllt werden kann. Da kein Medienbruch stattfindet, geht auch die Konzentration der Schüler nicht verloren. Ebenso kann früherer Unterrichtsstoff zu Wiederholungszwecken schnell und einfach wieder aufgerufen werden.

Der Sprachabschneider bindet verschiedene Medien ein. Um die Schüler auf die Aufgaben einzustimmen, wurde die Geschichte der Sprachabschneider eingesprochen. Darüber hinaus gibt es verschiedene Audiodateien und Comics zu einzelnen Übungen. So werden bei den Kindern alle Lernkanäle angesprochen: sowohl haptisch und visuell als auch akustisch und kinästhetisch. Auf spielerische und praktische Weise wird Grammatik visualisiert und systematisiert. Alle diese Übungen können auch durchgeführt werden, wenn in der Klasse keine Mobilgeräte wie Tablets oder Smartphones verwendet werden können. Ein Smartboard reicht dafür aus.

Über die vergangenen zwei Jahre hat sich gezeigt, dass sich die Lernenden aktiver und motivierter am Unterricht beteiligen.

Fazit

Viele Elemente sind für Funktion und Effektivität eines zeitgemäßen Unterrichts mit digitalen Werkzeugen erforderlich: professionelle Software, Präsentationstechnik, mobile Geräte, Netzwerk und Cloud (siehe Kapitel 5). Hier gilt es, vor allem den Überblick zu bewahren und zu wissen, was man benötigt.

So behalten Sie den Überblick: Die wichtigsten Checkfragen zur Auswahl von Lerntechnologie

  • Wie viele Lösungen habe ich mir angesehen? (Testen Sie mehrere!)
  • Kombiniert die Lösung pädagogische Praxis mit innovativer Hard- und Software, um gemeinsames Lernen interaktiver, spannender und effektiver zu gestalten?
  • Sind die Funktionen relevant für die Unterrichtsgestaltung?
  • Liefert die Technologie messbare Lernresultate und macht die Nutzung Spaß?
  • Ist die Software intuitiv bedienbar? Bietet sie auch fortgeschrittenen Nutzern ausreichende Möglichkeiten?
  • Gibt es kontinuierliche Updates und einen deutschsprachigen Support?
  • Ist eine Standardisierung der didaktischen Software möglich?
  • Werden zusätzliche Kabel benötigt oder ist alles in der Hardware bereits integriert?
  • Setzt der Hersteller höchste Standards, um Sicherheit und Nachhaltigkeit meiner Lösungen zu garantieren?
  • Gibt es einen eingebauten Computer, der mir auf Knopfdruck Zugriff auf Anwendungen, wie ein digitales Whiteboard, einen integrierten Webbrowser und Wireless-Screen-Sharing für iOS, Android und Microsoft Endgeräte, zur Kollaboration bietet?

Aus- und Fortbildung nicht vergessen

Wenn die Technologie der Pädagogik folgt, dann werden auch die Investitionen in die Bildungstechnologie die gewünschten Resultate bringen. Hierbei ist es neben hochwertiger Ausstattung wichtig, diese auf die Unterrichtspraktiken der Lehrkräfte abzustimmen und vor allem auch dafür zu sorgen, dass sie eingesetzt wird – nicht nur richtig, sondern überhaupt. Viele Lehrkräfte wissen (noch) nicht, wie sie die Lerntechnologie zur Verbesserung der Lernresultate nutzen können.

Gerade deshalb ist der DigitalPakt Schule eng mit dem Thema Aus-, Weiter- und Fortbildung verknüpft. Die Pädagogik kommt vor der Technik, und dies muss eingeübt werden. Nur wenn Lehrerinnen und Lehrer ihre Unterrichtsvorbereitungen zeitlich verkürzen kšnnen und Zeit im Unterrichtsgeschehen gewinnen, wird Technologie im Klassenzimmer als gewinnend empfunden.

Lieber klein anfangen als gar nicht

Um digitale Lernformen umzusetzen, streben viele nach einer perfekten Ideallösung. Das kann manches Mal lähmen. Man kann auch klein anfangen. Denn auch die Ausstattung weniger Klassenräume mit einem großen interaktiven Display mit der entsprechenden Software ist ein probates Mittel. Dabei kommt es auf die Technologien und die technischen Hilfsmittel an. Im Zusammenspiel mit praktischen Handlungskonzepten, pädagogisch-didaktischen Szenarien und spielerischen Unterrichtsansätzen für die Schülerinnen und Schüler ergeben sich vielfältige Möglichkeiten, die zum Unterrichtsziel führen. Haben Sie Mut, Bildung mit digitalen Werkzeugen einfach einmal auszuprobieren, das zeigt das Beispiel von Melanie Nethe sehr eindrucksvoll.

Weiterführende Informationen

Über den Autor

Martin Breier ist seit elf Jahren Bildungsexperte bei SMART Technologies und engagiert sich beim Netzwerk Digitale Bildung, dem didacta Verband und dem Bündnis für Bildung. Er verfügt über weitreichende Erfahrungen mit der Entwicklung und Anwendung digitaler Lernwerkzeuge im Unterricht. Derzeit leitet er bei SMART die Bereiche Business Development und Endkundenvertrieb mit dem Schwerpunkt Bildung in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Auch verfügt er über umfassende Expertise in Bildungsthemen in Osteuropa und behält den Überblick über globale Projekte und Bildungstrends.

Kontakt: Wenn Sie mit unseren Expertinnen und Experten Kontakt aufnehmen mšchten, besuchen Sie bitte unsere Expertencommunity unter www.netzwerk-digitale-bildung.de/das-netzwerk/expertencommunity/

2018-09-20T12:36:56+00:00