Kapitel 5: Netzwerk-Infrastruktur

Wegweiser Digitale Bildung – Kapitel 5

Gastbeitrag von
Dirk Hetterich, Sales Manager Named Accounts, LANCOM Systems GmbH
Marco Eller, IT-Berater und Projektmanager für Schulen, HSUDL Group

Ein Wegweiser mit Empfehlungen aus Herstellersicht:

  • Was gehört zu meiner Netzwerk-Infrastruktur?
  • Wie kommt das LAN oder WLAN in die Schule?
  • Was muss ich bei der Wahl der Netzwerkkomponenten beachten?
  • Was macht eine vertrauenswürdige Lösung aus?
  • Wer betreut das Netzwerk und die Infrastruktur?
  • Einem Beispiel aus der Praxis: So setzen Sie ihre Planung Schritt für Schritt um.

Grundlagen – Was muss ich wissen

Gastbeitrag: Netzwerk-Infrastruktur an Schulen

Autor: Dirk Hetterich, Sales Manager Named Accounts, LANCOM Systems GmbH

Reden wir über den „unsichtbaren“ Teil der Digitalen Bildung: Das Netzwerk, welches die einzelnen Endgeräte einbindet und den Zugriff auf das Internet oder den Schulserver ermöglicht. Grundsätzlich ist eine schnelle Internetanbindung, bevorzugt Glasfaser, eine wichtige Voraussetzung für ein leistungsstarkes Schulnetzwerk. Steht eine solche Anbindung erst einmal, wird zwangsläufig auch der Ruf nach funktionierenden und zuverlässigen Drahtlosnetzwerken in den Schulen immer lauter. Die meisten Schulen würden gerne investieren und digitale Medien nutzen. Häufig fehlt es allerdings in den Schulen an Wissen und Geldmitteln. Neue Förderinitiativen aus der Politik, wie der DigitalPakt Schule, sollen dabei helfen, die finanzielle Hürde zu nehmen.

Was ist bei der Anschaffung eines Netzwerks zu beachten?

Netzwerk-Infrastruktur für Schulen ist anspruchsvoll

Ein Netzwerk für eine Schule aufzusetzen ist eine anspruchsvolle Aufgabe, denn es muss besonders leistungsstark und zuverlässig, aber auch hochverfügbar und besonders sicher sein. Im Unterricht ist der Einsatz von Drahtlosnetzwerken empfehlenswert, da diese gegenüber kabelgebundenen Lösungen deutlich flexibler sind. Es sollte allerdings klar sein, dass ein WLAN aus mehr als nur ein paar Kabeln, Routern und Access Points besteht.

Hoher Datenverbrauch, viele Endgeräte, Jugendschutz

Eine Schule hat einen hohen Datenverbrauch, und oft kommen mobile Endgeräte wie Tablets, Laptops und auch zuweilen Smartphones zum Einsatz. Gerade im schulischen Bereich ist die Dichte an Endgeräten, die auf Online-Inhalte wie Videos zugreifen, oft extrem hoch. Aus diesem Grund sind die Anforderungen an das Netzwerk in Schulen viel höher als in Unternehmen. Gleichzeitig werden zuverlässige Jugendschutzfilter benötigt. Und es muss besondere Sorgfalt im Umgang mit Daten herrschen, denn viele davon sind sensibel.

So stellen sich den Verantwortlichen an den Schulen viele Fragen – selbst, wenn die Internetanbindung da ist und ausreichend Geldmittel für die Anschaffung von Hard- und Software zur Verfügung stehen. Im Folgenden versuchen wir Antworten zu geben.

Tipp:
Lassen Sie sich beraten:
Wählen Sie einen Partner, der auf die Begleitung und Beratung von Schulen in diesen Fragen spezialisiert ist. Es gibt Systemhäuser, die Erfahrung in diesem Bereich haben und auf Wunsch auch bei Vergabeverfahren begleiten und komplette Digitalisierungsprojekte koordinieren.

Denken Sie an übermorgen: Achten Sie auf Skalierbarkeit der Technik. Wenn Sie mit kleinem Budget anfangen, sollte die Technik ausbaufähig sein. So können Sie beispielsweise zunächst einzelne Klassenräume mit WLAN ausstatten und das Netz zu einem späteren Zeitpunkt auf weitere Räume und Flächen ausweiten.

Ratgeber – Was kann ich tun

Die bereits erwähnte Client-Dichte in Schulen machte es erforderlich, ein Schulnetzwerk ebenso professionell aufzusetzen wie ein Unternehmensnetzwerk. Dazu gehört mehr als nur ein leistungsstarkes WLAN. Auch der Internet-Router oder der Einsatz von Switches, mit denen sich die Kommunikation in einem Netzwerk steuern lässt, sind essenziell für eine leistungsstarke Vernetzung. Darum sind bei der Anschaffung von Routern, Access Points und Co. einige Dinge zu beachten.

Die Auswahl der Geräte: Was gehört zur Netzwerk-Infrastruktur?

An erster Stelle steht, dass ausschließlich professionelle Netzwerkkomponenten zum Einsatz kommen. Diese sind in puncto Funktionsumfang, Zuverlässigkeit und Sicherheit den herkömmlichen Geräten aus dem Consumer-Bereich, also solchen, die in Privathaushalten eingesetzt werden, deutlich überlegen.

Internet-Router: Abhängig von Internetanbindung auswählen und auf Verschlüsselung achten

Beim Internet-Router ist die Wahl des richtigen Geräts in erster Linie davon abhängig, welche Aufgabe der Router erfüllen muss und über welche Internetanbindung die Schule verfügt.

Grundsätzlich muss der Router über eine wirksame Verschlüsselung verfügen, zum Beispiel ein sogenanntes Virtual Privat Network (VPN), um sensible Daten vor dem unberechtigten Zugriff Dritter zu schützen und einen sicheren Internetzugang zu gewährleisten.

Die VPN-Anbindung ist auch die Grundlage für eine effiziente Standortvernetzung. Auf diesem Weg lassen sich Schulen zuverlässig und sicher an das Schulverwaltungsamt oder den Schulträger anbinden.

WLAN Access Points: Das Netz muss trennbar sein

Bei den WLAN Access Points gilt es zu beachten, dass Geräte gewählt werden, die Multi-SSID unterstützen und VLAN-fähig sind.

Beides, Multi-SSID und VLAN (Virtual Local Area Network), trägt zur Sicherheit des Drahtlosnetzwerks bei, indem unterschiedliche Netze aufgezogen werden, die logisch voneinander getrennte Teilnetze bilden.

Die Nutzer der einzelnen Teilnetze haben keinen Zugriff auf die anderen Netze und können den Datenverkehr nicht mitlesen, manipulieren oder anderweitig beeinflussen. In der Praxis ist dies sinnvoll, denn so lassen sich Teilnetze für Verwaltung, Schüler und Lehrkräfte oder Gäste einrichten.

WLAN Access Points: Einbindung alter und neuer Geräte berücksichtigen

Die Access Points sollten den aktuellsten WLAN-Standard – derzeit IEEE 802.11ac – unterstützen, damit das Netzwerk maximal zukunftsfähig ist und Upgrades zu neueren Technologien einfach sind. Da in Schulen häufig unterschiedliche Endgeräte zum Einsatz kommen, macht es Sinn, bei den Access Points darauf zu achten, dass diese simultan im 2,4 und 5 GHz-Frequenzbereich funken.

Damit wird sichergestellt, dass sowohl ältere als auch ganz aktuelle Tablets, Laptops und Co. in das Netzwerk eingebunden werden können.

Switches: Misch-Infrastrukturen vermeiden

Switches sind essenzielle Bestandteile von Computernetzwerken. Sie dienen als Verteilereinheit für Datenpakete auf Endgeräte und sind unerlässlich für die zuverlässige Arbeit von Netzwerk-Infrastrukturen.

Misch-Infrastrukturen sind leistungsschwach, fehleranfällig und schwer zu verwalten. Außerdem gibt es keinen einheitlichen Support. Für ein optimales Zusammenspiel von Router, Access Points und Switches sollten alle Komponenten nach Möglichkeit von einem Hersteller kommen. Ein homogenes Netz mit aufeinander abgestimmten Komponenten erhöht sowohl die Zuverlässigkeit als auch die Leistungsfähigkeit des Netzwerks.

Installation der Geräte: Standortwahl wichtig

Bei der Installation der Access Points ist es ratsam, zunächst zu prüfen, wo der beste Standort für das jeweilige Gerät ist, um eine optimale Versorgung der Räumlichkeiten mit WLAN zu garantieren. Auch hier empfiehlt es sich, mit einem Systemhaus zusammenzuarbeiten.

Tipp: Hilfsmittel, wie moderne Ausleuchtungssoftware oder spezielle Messgeräte, unterstützen bei der Entscheidungsfindung und machen deutlich, wo die Hardware am effizientesten platziert werden kann.

Verfügbarkeit sicherstellen

Um eine möglichst hohe Verfügbarkeit des gesamten Netzwerks zu erreichen, lohnt es sich, in entsprechende Redundanz-Konzepte zu investieren, damit WLAN, Internet und VPN-Verbindung nahezu ununterbrochen verfügbar sind.

Zentrale Verwaltung aller Geräte und Komponenten: WLAN Controller oder Cloud

Bei der zentralen Verwaltung beziehungsweise dem Management des Netzwerks gibt es unterschiedliche Ansätze:

Möglichkeit 1: WLAN Controller und Fernwartung

So kann für die Konfiguration und das Management eines Drahtlosnetzwerks ein WLAN-Controller genutzt werden. Über diese zusätzliche Hardwarekomponente kann das WLAN von zentraler Stelle verwaltet werden. Das heißt, der Netzwerk-administrator muss nicht vor Ort in der Schule sein, um das Netz zu betreuen. Außerdem lassen sich auch Router und Switches via Fernwartung vom Administrator managen.

Möglichkeit 2: Cloud-Lösung

Neben diesen klassischen Wegen verbreitet sich ein weiterer Ansatz immer mehr: Wer alle Netzwerkkomponenten, also Router, Access Points und Switches, automatisiert und zentral managen und konfigurieren möchte, der wählt eine flexible, webbasierte Cloud-Lösung, die modernste Software-defined Networking-Technologie nutzt und die Bereiche WAN (Wide Area Network), LAN (Local Area Network) und WLAN (Wireless Local Area Network) in nur einem System abbildet.

Bei diesem Cloud Management System ist keine manuelle Einzelkonfiguration der Netzwerkgeräte notwendig. Der Administrator muss nur noch die Rahmenbedingungen für das Netzwerkdesign vorgeben. Die Konfiguration und das Ausrollen des Netzwerks erfolgen automatisch über das System und sind maximal sicher.

  • Vorteil: Komplexe Netzwerkkonfigurationen reduzieren sich auf nur wenige Minuten und Klicks.
  • Bei der Wahl des richtigen Cloud-Anbieters ist zuvor ein genauer Blick auf das verfügbare Produktportfolio erforderlich. Seine Auswahl an Hardware, die „Cloud-ready“ ist, muss so umfangreich sein, dass sie problemlos alle Kundenanforderungen abdeckt. Außerdem gilt: Je homogener ein Netzwerk ist, desto stabiler arbeiten alle Komponenten zusammen. Dies erhöht nachhaltig die Ausfallsicherheit des Netzwerks.

Exkurs: Die Schul-Cloud des Hasso-Plattner Instituts

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert ein Pilotprojekt des Hasso-Plattner Instituts (HPI). Hierbei soll eine Cloud-Infrastruktur für Schulen aufgesetzt werden. Der Pilot wird in Kooperation mit dem MINT-EC Netzwerk und bis zu 300 Schulen bundesweit durchgeführt. Das Ziel ist es, eine datenschutz-konforme Cloud für Schulen in Deutschland anzubieten – auf Open Source-Basis und herstellerunabhängig. Der Pilot läuft derzeit und soll bis 2020 abgeschlossen sein. Es lohnt sich also, in cloudfähige Geräte zu investieren.

Den Link zur Schulcloud sowie Informationen zum Thema Netzwerk-Infrastruktur und WLAN finden Sie auf unserer Internetseite www.netzwerk-digitale-bildung.de/linkliste

Den richtigen Hersteller finden

Achten Sie bei der Herstellerwahl vor allem darauf, dass die Komponenten von einem vertrauenswürdigen Anbieter stammen. Folgende Punkte sind dabei wichtig:

  • Der Hersteller sollte auf Nachfrage eine Backdoor-Freiheitserklärung nachweisen können. Damit belegt er, dass seine Produkte frei von versteckten Zugangsmöglichkeiten und sonstigen unerwünschten Funktionen zur Ein- und Ausleitung oder Manipulation von Daten sind.
  • Hardware-Produkte und Software-Lösungen sollten in Deutschland oder Europa entwickelt und gefertigt werden und damit den hohen europäischen Qualitäts- und Datenschutzstandards entsprechen.
  • Bei Cloud-Anbietern ist darauf zu achten, dass das Hosting der Server in Deutschland erfolgt oder eine sogenannte Private Cloud-Variante angeboten wird. Nur so kann sichergestellt werden, dass für die Verarbeitung, Übertragung und Speicherung der Daten höchste Datenschutzrichtlinien gelten.
  • Ebenfalls macht es Sinn, im Vorfeld zu prüfen, ob der Hersteller über einen längeren Zeitraum kostenlos Feature- und Security-Updates für seine Produkte anbietet. Damit sichern Sie ihre Investitionen in die Netzwerk-Infrastruktur langfristig ab.

Wer betreut das Netz? Schulverwaltungsämter in der Pflicht

Der Monitor Digitale Bildung der Bertelsmann Stiftung hatte im Herbst 2017 gezeigt, dass rund 62 Prozent der deutschen Lehrkräfte eine professionelle Betreuung der digitalen Infrastruktur an ihren Schulen vermissen. Das bestätigt auch der Blick in die deutschen Schulen: Oft verwaltet der Hausmeister nebenbei das Schulnetzwerk. Oder technikaffine Lehrer machen sich nach Schulschluss an die Fehlersuche oder die Informatikklasse erweitert als Hausaufgabe das schuleigene WLAN. In manchen Fällen fahren Schulen mit diesem Konzept gut, in den meisten Fällen dürfte es aber keine guten Noten für das Ergebnis geben.

Hier sind die Schulverwaltungsämter in der Pflicht, den Schulen bei der Betreuung und Implementierung ihrer Netze zur Seite zu stehen. Verwaltung, Planung und Konfiguration eines Schulnetzwerks gehören in professionelle Hände. All dies sollte zwingend vom Schulverwaltungsamt koordiniert werden.

Ob die Betreuung der Netzwerke über einen städtischen IT-Dienstleister, ein Systemhaus oder einen Fachhändler läuft, ist zweitrangig. Wichtig ist, dass eine zentrale, kostensparende und hochautomatisierte Lösung gewählt wird, die mit wenig Aufwand ein Maximum an Effizienz erzielt.

Hier bietet sich das bereits beschriebene Cloud Management System an. Das System stellt sich dynamisch auf die Nutzeranforderungen ein, ist zukunftsorientiert und maximal sicher. Das Ergebnis: Lehrkräfte und Schüler können sich auf den Unterricht konzentrieren, während im Hintergrund das Schulnetz zuverlässig und sicher seinen Dienst verrichtet.

Best Practice – Beispiel aus der Praxis

Gastbeitrag: Ein Schulnetzwerk planen und implementieren – eine Schritt-für-Schritt-Anleitung

Gastautor: Marco Eller, IT-Berater und Projektmanager für Schulen, HSUDL Group

Das Ziel, modernen Unterricht mit geringem Zusatzaufwand für Lehrer zu ermöglichen und dabei die Ausfallzeiten minimieren, sollte professionell umgesetzt werden. Hierbei ist es wichtig, sich vorab Gedanken zu machen und die einzelnen Schritte genau zu planen, bevor man mit den verschiedenen Partnern in Verbindung tritt. Aus Anwendersicht sind folgende Schritte nötig:

Kontaktaufnahme und Zusammenarbeit

Nehmen Sie Kontakt zu verschiedenen Providern auf und erkundigen Sie sich über die Möglichkeiten der Netzanbindung. In einem zweiten Schritt gilt es, lokale Interessengruppen, wie Stadtwerke, Stadt, weitere Schulen und Industrie, zusammenzubringen, die dann als Konsortium (bevorzugt auch öffentlich gefördert) gemeinsam das Ausbauproblem schultern können. Idealerweise setzen die Stadtwerke dann das Ausbauprojekt als Konsortialführer um, dafür leisten die restlichen Beteiligten zum Beispiel Zehn-Jahresverträge für die Anschlüsse.

Kabelbasierte Netzwerktechnik: Struktur ist alles

Investieren Sie in eine strukturierte In House-Verkabelung: Hierzu sollten Sie sich die Grundrisspläne der Schule besorgen und eine Elektroplanung erstellen lassen. Sicherlich helfen dabei die städtische IT-Abteilung oder das Gebäudemanagement. Wenn nicht, kennt man dort sicher einen kompetenten Elektrobetrieb oder ein Ingenieurbüro. Dann werden die Mittel in den Haushalt eingestellt. Nach Genehmigung erfolgt die Vergabe an Elektrikerfirmen und letztlich die Inbetriebnahme.

Wenn es um kabelbasierte Netzwerktechnik geht, ist es ratsam, sich zur aktuellen Technik beraten zu lassen. Wichtige Punkte sind hierbei:

  • Redundante Technik wählen: So stellen Sie sicher, dass das Netzwerk nicht komplett zusammenbricht, wenn ein Teil des Netzwerks ausfallen sollte („single point of failure“).
  • Automatische Kreiserkennung wählen: Schülerinnen und Schüler machen sich gerne einen Spaß daraus, Kabel überall einzustecken. Besonders kritisch ist hierbei das Netzwerkkabel an beiden Enden in der Netzwerkdose. Falsches Einstecken kann zum Netzwerkausfall der gesamten Schule oder Stadt führen. Daher ist die Kreiserkennung wichtig.
  • Stellen Sie sicher, dass Sie die Option auf späteres Mesh-Netzwerk (vermaschtes Netz) haben. Das dient der Verbesserung der Ausfallsicherheit und vereinfacht die Erweiterung.
  • Beschaffen Sie sich aktuelle Technik, wie mindestens 10G-Switches; es fallen große Datenmengen an, vor allem bei Imaging von Computern und Streaming von Videos im Unterricht.

WLAN Technik: Verfügbarkeit und zentrale Zugangsverwaltung wichtig

Bei der WLAN-Technik steht und fällt ebenfalls alles mit der Verfügbarkeit. Wählen Sie ein hochverfügbares System, um Ausfälle zu vermeiden. Beachten Sie hier die Anzahl der Benutzer des WLANs. Auf absehbare Zeit werden alle Schülerinnen und Schüler sowie alle Lehrkräfte und die Verwaltung einen Zugang benötigen. 30 mobile Geräte pro Raum sind bei den heutigen Klassengrößen keine Seltenheit. Eine zentrale Zugangsverwaltung bietet eine möglichst einfache Administration und automatische Verteilung der Rechte innerhalb des Netzwerks.

Teilen und Vernetzen

Teilen Sie ihr Schulnetzwerk in diverse Teilnetze mit unterschiedlichen Berechtigungen. Eine gute Hilfe dafür stellt der Netzbrief 3 des Kultusministeriums Baden-Württemberg dar. Aus Datenschutzgründen sollten Sie zur Datenablage keine Public Cloud-Anbindung (Dropbox, Google Drive, OneDrive, iCloud) wählen, sondern eine schuleigene Cloud (zum Beispiel ownCloud) aufbauen. Tipps und Hilfe dazu wird sicherlich wiederum die Stadt-IT oder ein kompetentes IT-Systemhaus geben können.

Tipp: Eine Dreiteilung in pädagogisches Netz, Verwaltungsnetz und Gastnetz sollte mindestens gegeben sein. Gegebenenfalls können Sie weitere Netze hinzufügen.

Installation des Netzwerks

Nach diesen Vorüberlegungen geht es an die Installation: Ein Funktechniker übernimmt die Ausleuchtung, sprich die Festlegung der besten Orte für die WLAN Access Points. Danach erfolgen Musterstellungen von Basispaketen aus Access Points und Verwaltungsserver sowie ausführliche Tests, dann die Ausschreibung und Vergabe sowie eine schulweite Inbetriebnahme.

Servertechnik: ausfallsicher und skalierbar

Auch bei der Servertechnik steht die Ausfallsicherheit ganz oben. Nichts ist schlimmer als ein Systemausfall während einer Klassenarbeit oder dem Abitur. Nutzen Sie hier das Beratungsangebot der einschlägigen Systemhäuser, die schon Erfahrung in der Ausstattung von Schulen haben. Des Weiteren sollte die Servertechnik bereits ab der kleinsten Stufe skalierbar sein, das bedeutet: ausbaufähig. So können Sie ihre Technik mit wachsenden Anforderungen (Speicherplatz, Benutzer, Software) vergleichsweise kostengünstig aufrüsten und anpassen. Auch hier gilt es, in hohe Netzwerkgeschwindigkeit zu investieren, um die Ladezeiten klein zu halten. Denn kein Lehrer will fünf Minuten und länger warten, bis die Geräte im Klassenzimmer oder Computerraum einsatzfähig sind.

Tipp: Stichwort: Virtualisierung – heute setzt man nicht mehr pro Aufgabe einen eigenen Server ein, sondern virtualisiert diese. So können viele unterschiedliche (virtuelle) Server in getrennten Netzwerken arbeiten, ohne dass man viele physikalische Geräte dafür braucht.

Verwaltung, Datensicherung, Passwörter

Zentrale Verwaltung und Datensicherung sind ebenfalls wichtige Punkte.

Tipp: Von einer Stelle aus muss das gesamte System im Blick sein, damit bei Problemen frühzeitig eingegriffen werden kann.

Passwörter

Zur Passwortvergabe für WLAN-Netze empfiehlt es sich, ein möglichst einfaches System zu nutzen. Es sollte aber die Möglichkeit bieten, individuelle Passwörter pro Gerät zu vergeben. Ein festes Passwort für ein Netz ist nicht kontrollierbar. Kennt es ein Schüler – dann kennen es alle.

Zentrale Verwaltung für mobile Geräte (Mobile Device Management)

Für mobile Geräte im Unterricht empfiehlt sich ein zentrales Mobile Device Management (MDM) einzusetzen. MDM regelt die zentralisierte Verwaltung von Mobilgeräten wie Smartphones und Tablets. Damit können einfach Apps verteilt und die wichtigsten Einstellungen automatisiert werden.

Laptops können sehr einfach im Unterricht eingesetzt werden

Beim Einsatz von Laptops kann man auf die einschlägigen Schullösungen setzen, die eine einfache Bedienung für Schüler garantieren und die Administrationsaufwände für Lehrer minimieren. Dabei sind die Festplatten der Schülercomputer schreibgeschützt, so dass spätestens nach einem Neustart alles wieder in den alten lauffähigen Zustand zurückkehrt.

Feste Standcomputer werden nicht mehr eingesetzt

Feste Standcomputer setzt man heute nicht mehr ein. Diese sind durch die notwendige Peripherie mittlerweile teurer als Laptops und sehr unflexibel. Oftmals wechselt der Aufstellort der Geräte zwischen Computerraum, Klassenzimmer und Fachräumen spätestens jährlich hin und her. Bei einem defekten Gerät steckt man dieses ab, schickt es ein und stellt so lange ein Ersatzgerät auf.

Tipp: Wichtig ist, dass die Schulträger bei allen Planungsschritten immer die Schulen miteinbeziehen und genauso auch anders herum. Regelmäßige Informationen, wie bei Schulleiterkonferenzen, erleichtern vieles und beugen Missverständnissen vor.

Fazit

Schnelles Internet ist die Basis für ein funktionierendes Schulnetzwerk. Das wiederum ist die Grundlage für reibungsloses und motivierendes Arbeiten im Unterricht. Bund und Länder arbeiten derzeit daran, die zugehörige Infrastruktur auszubauen. Schulträger und Schulleitungen können jetzt schon Fördermittel aus Infrastrukturfonds nutzen, um ihre Netzwerke auf- beziehungsweise auszubauen. Hier haben Sie die große Aufgabe, mit mehreren Stellen zusammenzuarbeiten, um ihre Häuser für die neue Technik fit zu machen.

Doch das ist nur der erste Schritt

Wichtig ist, dass eine Schulnetzwerk-Infrastruktur die Aufgabe erfüllt, für die sie gedacht ist: Lehrkräfte sowie Schüler sollen jederzeit von überall Zugriff auf ein leistungsfähiges und sicheres Netzwerk erhalten sowie Lern- und Kollaborationsplattformen nutzen können. Die Voraussetzung dafür bildet ein gesamthaftes Konzept und ein Leitbild, wie der Unterricht in Zukunft aussehen soll. Ist die geplante Infrastruktur (Internet, LAN, WLAN, Server, Beamer) eingerichtet und eine professionelle Administration implementiert, vereinfacht das viele Abläufe und hält die Wartungskosten gering.

Über die Autoren

Dirk Hetterich ist für den deutschen Netzwerkhersteller LANCOM Systems als Sales Manager Named Accounts tätig. Aufgrund seiner mehr als zehnjährigen Berufserfahrung in der Netzwerkbranche mit dem Schwerpunkt Education verfügt er über umfangreiches Wissen zur Digitalisierung von Schulen und Bildungseinrichtungen. Er betreut Vertriebsprojekte aller Größenordnungen und berät Systemhäuser und Endkunden bei der Realisierung von Netzwerk-Infrastrukturen an Schulen.

Marco Eller ist Fachberater und Projektkoordinator für Digitalisierungsprojekte an Schulen bei der HSUDL Group (IT-Systemhaus + Ingenieurbüro) mit Sitz in Rheinmünster. Durch zwei Jahre interne Mitarbeit im Fachgebiet Schule und Sport der Stadt Baden-Baden konnte er die Anforderungen seitens Schulträger und Schulen sammeln und daraus ein gesamtheitliches Digitalisierungskonzept für die 22 Schulen mit etwa 7.000 Lehrern und Schülern stadtweit ausarbeiten. Nach einem Wechsel zur HSUDL-Group und Einführung des neuen Geschäftsbereichs Schulen kümmert er sich nun um die Umsetzung zusammen mit der Stadt und weiteren Partnern. Die gesammelten Erfahrungen stellt er auch anderen Schulen und Städten zur Verfügung.

Kontakt: Wenn Sie mit unseren Expertinnen und Experten Kontakt aufnehmen möchten, besuchen Sie bitte unsere Expertencommunity unter www.netzwerk-digitale-bildung.de/das-netzwerk/expertencommunity/

2018-09-20T12:35:58+00:00