Lernumgebung – Eine Idee entsteht Teil 4: Eine Klasse in Quarantäne

Ein Beitrag von Fabio Priano, Botschafter für Pädagogik

Besondere Herausforderungen

Die Covid 19-Pandemie stellt die Schule, die Schülerinnen und Schüler sowie das pädagogische Personal vor be-sondere Herausforderungen. Die Infektionszahlen steigen an und somit auch das Risiko, selbst infiziert zu werden oder ein K1-Kontakt zu werden und somit in Quarantäne zu müssen.

So ist es unserer Klasse passiert. Bis auf zwei Schüler und mir als Lehrperson mussten alle für zwei Wochen in Quarantäne wegen eines K1-Kontaktes. Folglich waren acht Schülerinnen und Schüler sowie die Klassenerzieherin, die Klassentherapeutinnen und die Schulbegleitung in häuslicher Quarantäne. Durch ein gutes Hygienekonzept wurde schnell klar, dass keine weiteren Ansteckungen erfolgt sind. Dennoch mussten wir schlagartig aus Präsenzunterricht, simultanen Präsenz- und Distanzunterricht umsetzen. Dafür hatten wir als Klassenteam bereits Vorbereitungen getroffen. Dennoch kam diese Situation überraschend und war eine besondere Herausforderung. Aus dem ersten Lockdown konnten wir bereits auf sehr reichhaltige Erfahrungen und Methoden zurückgreifen (siehe Teil 2 dieser Reihe).

Simultaner Präsenz- und Distanzunterricht

Wir haben den Hybridunterricht erweitert. Der Unterricht ist so organisiert, dass Präsenz- und Distanzunterricht als simultanes Angebot stattfindet. So findet Präsenz- und Distanzunterricht gleichzeitig und insbesondere zusammen statt. Es gibt deutlich weniger Lernzeitverluste. Schülerinnen und Schüler aus dem Distanzunterricht werden dauerhaft in den Schultag integriert und das auch in verschiedenen Fächern. Materialien werden für sie vorab oder direkt bereitgestellt. Dafür wurde die Plattform Dropbox genutzt. Zudem erhalten sie die Aufgaben direkt im Skype-Chat. In Mathe und Deutsch erhalten die Schülerinnen und Schüler individuelle Wochenpläne mit entsprechenden Aufgaben. Dabei werden auch Lernplattformen wie LearningApps, AntonApp, Quizlet oder Sofatutor genutzt.

Alle Plattformen werden sowohl zur Wissensvermittlung als auch zur Einübung genutzt. Die Überprüfung erfolgt einerseits direkt in der Unterrichtssituation, da die Schülerinnen und Schüler digital anwesend sind, und andererseits in den Schülerkonten der Lernplattformen. In den Fächern Gesellschaftskunde und Naturkunde findet Lernen am gemeinsamen Gegenstand statt. Dabei werden auch kooperative und in dem Fall kollaborative Lernsettings angeboten und durchgeführt. Schülerinnen und Schüler organisieren sich selbstständig bei Gruppenarbeiten in eigenen Videokonferenzen und präsentieren Ergebnisse. Ein besonderes Tool für diesen Unterricht ist die SMART Learning Suite Online. Damit werden die SMART Board Präsentationen direkt auf die Bildschirme der Schülerinnen und Schüler im Distanzunterricht gespiegelt. Zudem können sie Inhalte an das SMART Board schicken und so mit denjenigen im Präsenzunterricht und der Lehrkraft auf den SMART Boards interagieren.

Mir sind Praktikabilität und einfache Hilfsmittel wichtig, um besondere Herausforderungen schnell anzugehen. Ich vertrete die Ansicht, Herausforderungen schnell und praktisch anzugehen und sie in der Erprobungsphase weiterzuentwickeln und zu reflektieren, anstatt mir vorher über jede mögliche Irrung und Wendung Gedanken zu machen.

Für die Umsetzung dieser Unterrichtsform war es mir wichtig, einen Überblick zu bekommen, welche Voraussetzungen die Schülerinnen und Schüler für Fernunterricht mitbringen. Dabei geht es sowohl um ihre personellen und individuellen Lernvoraussetzungen sowie um die technischen und räumlichen Möglichkeiten. Dafür habe ich mir eine schnelle Übersicht erstellt. Dabei geht es auch darum zu überblicken, welche Unterrichtsmethoden können von welchen Schülerinnen und Schülern umgesetzt werden. Dabei wurden die Voraussetzungen nur mit +, o und – bewertet. Weiter geht es mir darum, mögliche Hilfestellungen und notwendige Voraussetzungen herauszuarbeiten. Ziel ist es für mich beim Distanzunterricht – ebenso wie bei der Lernumgebung im Klassenraum – Voraussetzungen für gutes Lernen, die ich herstellen kann, auch herzustellen.

Übersicht über Voraussetzungen der einzelnen Schülerinnen und Schüler im Distanzunterricht

Die Tabelle soll einen Überblick über schülerbezogene Kompetenzen, die für den Distanzunterricht wichtig sein können, vermitteln. Zudem soll sie die technische und räumliche Ausstattung der SchülerInnen aufzeigen.

Umsetzung des Unterrichts in der Quarantäne

Für den Unterricht in dieser Form haben wir mittlerweile drei Skype-Accounts. Diese werden unterschiedlich genutzt. Zwei Accounts sind an den beiden SMART Boards, um den simultanen Unterricht im Klassenraum abzubilden. Der dritte Account (iPad) wird von Lehrkräften genutzt, um in Arbeitsphasen Hilfestellungen zu leisten. Hier können beispielsweise auch Therapeuten und Fachlehrer differenzierte Angebote machen.

Da dieser Unterricht für alle Beteiligten sehr herausfordernd ist, habe ich mich dazu entschieden für diese Zeit einen individuellen Stundenplan zu gestalten, der auf diese Herausforderungen reagieren soll. Einerseits sind das natürlich die Belastungen durch die Form des Skype-Unterrichts, andererseits auch die Belastungen durch Mehrarbeit für Lehrpersonen und Schülerinnen und Schüler. Zudem erweitern wir den Stundenplan um ein neues Fach. Dabei handelt sich um die Vermittlung medienrelevanter Kompetenzen für den Fernunterricht. Das soll sowohl die aktuellen Bedürfnisse und Problemstellungen abdecken als auch Vorbereitung für weiteren Unterricht dieser Form sein. Meine Einschätzung ist die, dass eine weitere Quarantäne einzelner Personen der Klasse oder auch der gesamten Klasse sehr wahrscheinlich ist.

Der Quarantäne Stundenplan

Umsetzung von simultanem Distanz- und Präsenzunterricht in der Sonderschule

Für meine Organisation habe ich versucht, mir einen möglichst umfassenden Überblick darüber zu verschaffen, wie ich diesen Unterricht gut organisieren kann. Dabei ist es mir auch wichtig, sonderpädagogische Aspekte aufzugreifen. Auch hier ist mir Praktikabilität wichtig. Die Übersicht soll eine schnelle und gute Unterstützung sein.

Kleine Reflexion

Mit Ausnahme anfänglicher technischer Schwierigkeiten aufgrund eines teilweise langsamen Netzes läuft der Unterricht sehr positiv. Neben den unterrichtlichen Aspekten genießen die Schülerinnen und Schüler besonders das gemeinsame Lernen. Sie wachsen als Gruppe weiter zusammen und zeigen viel Empathie für die einzelnen Personen. Weiter können sie mit den Herausforderungen aufgrund des angepassten Umfanges gut umgehen. Sehr erfreulich ist, dass sie an die bisherigen Erfahrungen aus dem ersten Lockdown anknüpfen können. Wir können damit das Niveau weiter anheben. Damit fühle ich mich für weitere Quarantänefälle gut vorbereitet und traue der Klasse zu, auch in diesen Phasen eine hohe Unterrichtsqualität aufrecht zu erhalten. Dennoch bleibt zu hoffen, dass es möglichst wenig notwendig sein wird. Es ist für mich als Lehrkraft besonders fordernd und verlangt viel Planung und Engagement. Es ist eben ein wenig erprobtes und bereits umgesetztes Konzept. Meine großen Erwartungen daran sind aber auch, dass dieses Konzept oder zumindest Teile daraus, dauerhaft gewinnbringend Einfluss auf meine Unterrichtsentwicklung nehmen werden.

Fabio Priano
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