Videos im Unterricht und in der Lehre

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Ob als Themeneinstieg, zur Visualisierung oder zur Unterrichtsvorbereitung: Wenn Lehrende oder Dozenten Videos einsetzen möchten, können sie im Internet auf einen Fundus hochwertiger Inhalte zugreifen. Smartphones und Tablets ermöglichen einen schnellen Einstieg ins Filmemachen.

Die Mathematikvorlesungen von Professor Christian Spannagel sind weit über die Pädagogische Hochschule Heidelberg hinaus bekannt. Spannagel ist einer der Internet-Stars unter Deutschlands Dozentinnen und Dozenten. Sein YouTube-Kanal zählt mehr als 15.000 Abonnenten, seine beliebtesten Vorlesungen – zum Beispiel zum Thema „vollständige Induktion“ – wurden mehr als 85.000 Mal angeklickt. „Dank Ihnen habe ich 12 Punkte in Mathe bekommen!” ist nur einer von zahlreichen begeisterten Kommentaren, die Schülerinnen, Schüler und Studierende auf Spannagels YouTube-Kanal hinterlassen.

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Mit Videos im eigenen Tempo lernen

Die auf YouTube veröffentlichte Vorlesung ist nur eines von zahlreichen Beispielen dafür, wie Videos heute im Klassenzimmer und in der Lehre genutzt werden können. Das vielfältige Medium symbolisiert längst nicht mehr den Pausenfüller, mit dem sich die letzten Tage vor den Ferien oder Vertretungsstunden überbrücken lassen. Videos können im Unterricht einen Mehrwert bieten, wenn sie besprochen und in den Lehrplan integriert werden.

Ihre Funktion kann dabei ganz unterschiedlich ausfallen:

  • als Einstieg ins Thema,
  • als Gesprächsanlass,
  • zur Visualisierung von Themen, die sich nur schwer in Worten und Bildern erklären lassen.

So können Lehrerinnen und Lehrer zum Beispiel Experimente aus der Chemie zeigen, die sie wegen gefährlicher Chemikalien nicht live im Klassenzimmer vorführen dürfen.

Mit Videos zuhause den Unterricht vorbereiten

Videomaterial eignet sich nicht nur für den Einsatz im Unterricht, sondern auch für die Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler. Während sie im traditionellen Unterricht den Stoff im Klassenzimmer kennenlernen und zuhause vertiefen, dreht das Konzept „Flipped Classroom“ den Lernprozess um: Die Lernenden eignen sich daheim in ihrem eigenen Tempo die theoretischen Grundlagen mit Erklärvideos an. Im Unterricht werden diese Grundlagen dann gezielt besprochen, geübt und vertieft. Das bringt den Vorteil, dass jede und jeder selbst darüber bestimmen kann, an welchen Stellen er oder sie das Video wiederholt und sich den Stoff ein zweites oder drittes Mal ansieht.

Weitere Informationen zu diesem Unterrichtskonzept:

  • Die Website flippclass.eu von Christian Schett, Lehrer an der Polytechnischen Schule Bregenz, mit vielen Videos
  • Flipped Mathe, mit Tipps zum Thema und Videos für den Mathematikunterricht

Videosammlungen für Lehrende und Dozierende

Wer Videos für den Unterricht nutzen möchte, muss nicht zwingend selbst unter die Filmemacher und -macherinnen gehen, sondern kann auf vorhandenes Material zurückgreifen. Einen guten Einstieg für Lehrerinnen und Lehrer bietet das ZUM-Wiki von der gemeinnützigen Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet. Es bündelt die größte Sammlung freier Lehr- und Lernmaterialien (Open Educational Resources) im deutschen Sprachraum. Auch zum Thema Video sind hier geordnet nach Themen und Fächern zahlreiche Beispiele und Links integriert. Als weitere hilfreiche Anlaufstelle für Open Educational Resources im deutschen Sprachraum dient die Initiative Serlo, die Erklärungen, Videos und Übungen kostenfrei zur Verfügung stellt. Momentan findet man dort vor allem Inhalte aus den Fächern Mathematik und Biologie, weitere Fächer sind in Arbeit. Im Onlineangebot von Planet Schule, dem Wissensfernsehen von SWR und WDR, bietet die Redaktion einige TV-Beiträge auch online an. Ergänzt werden die Videos durch Hintergrundinformationen, methodisch-didaktische Hinweise und Arbeitsblätter. Ein Beispiel für einen kommerziellen Anbieter ist die Plattform Sofatutor. Lehrerinnen und Lehrer erhalten kostenfrei Zugriff auf die Videos und Übungen, für Schüler ist die Plattform kostenpflichtig. Dozentinnen und Dozenten an Hochschulen finden bei Fernstudi.net einen Überblick zu mehr als 35 Quellen für Online-Vorlesungen, unter anderem von Hochschulen, Suchmaschinen und Verzeichnissen.

Die Frage nach den Rechten

Wer Videos im Unterricht nutzen möchte, ist anfangs mit vielen Fragen konfrontiert:

  • Darf ich dieses Video überhaupt im Unterricht vorführen?
  • Kann ich es auf einer Lernplattform einbetten?
  • Darf ich es herunterladen und offline präsentieren?

Die Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen beantwortet auf ihrer Seite grundsätzliche Fragen zum Thema Videos aus dem Internet. Das Streaming von Videos, also das reine Abspielen ohne Abspeicherung, sei ebenso wie die grundsätzliche Verwendung des Internets im Unterricht (nicht-öffentlich) gestattet, heißt es dort. Eine Ausnahme bilden die Videos, die rechtswidrig eingestellt wurden. Mit Lizenzen lässt sich genau festlegen, was man mit einem Video tun darf und was nicht. Bekannt und verbreitet sind die Lizenzen von Creative Commons. Auf dieser Seite gibt einen Überblick über die sechs verschiedenen CC-Lizenzen. Damit wissen Nutzerinnen und Nutzer genau, was sie mit einem Video tun dürfen. Urheber und Urheberinnen können durch die Verwendung der CC-Lizenz dafür sorgen, dass auch andere ihr Video nutzen.

Tipps zur Erstellung von Lernvideos

Wer selbst unter die Filmemachenden gehen möchte, findet auch dafür zahlreiche Anleitungen im Internet. Eine teure Ausrüstung ist nicht notwendig: Mit Smartphone oder Tablet lassen sich qualitativ hochwertige Videos erstellen. Im Rahmen des Projekts „Ich zeige es dir – HOCH 2“ erstellten Jugendliche zwischen neun und 13 Jahren Lernvideos mit iPads. Initiator war das Bad Reichenhaller Bildungsinstitut BIMS. Im Video Ein gutes Lernvideo – so geht’s (nicht)! bringen die Mädchen und Jungen auf den Punkt, was zu beachten ist.

Für ein perfektes Lernvideo sollte man:

  • sagen, um was es geht
  • Fachbegriffe erklären
  • Wichtiges wiederholen
  • einen passenden Hintergrund wählen
  • ungestört filmen
  • nicht vom Inhalt ablenken
  • die Möglichkeiten des Mediums Video ausnutzen
  • auf eine klare Aussprache achten
  • Bild und Text aufeinander abstimmen

Viele hilfreiche Tipps zur Erstellung von Lernvideos bündelt das Buch Gute Lernvideos von Sandra Schön und Martin Ebner, hier kostenfrei als pdf-Datei zu lesen. Sie weisen zum Beispiel darauf hin, dass für eine Abbildung von Schülerinnen und Schülern das schriftliche Einverständnis der Eltern vorliegen muss. Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, kann sich mit dem kostenfreien Onlinekurs Grundlagen der Videoproduktion auf der Plattform mooin weiterbilden, einer Initiative der FH Lübeck und deren E-Learning-Tochter oncampus. Eine noch nachhaltigere und kreativere Auseinandersetzung mit dem Filmthema erleben Schüler, Schülerinnen und Studierende dann, wenn ihre Lehrkräfte sie an der Videoerstellung beteiligen. Das gibt ihnen die Möglichkeit, sich intensiver mit dem Unterrichtsthema und dem Medium Film auseinanderzusetzen und Inhalte aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten. Einen informativen Einstieg bietet ein Blog der Kölner Kaiserin-Augusta-Schule zum Einsatz von iPads in der Schule, unter anderem mit einem Videoprojekt von Schülerinnen und Schülern zum Thema Cybermobbing.

Zusammengefasst: unsere 5 Linktipps zum Thema

  • pdf-Datei des Buches Gute Lernvideos von Sandra Schön und Martin Ebner
  • Blog der Kölner Kaiserin-Augusta-Schule zum Einsatz von iPads in der Schule
  • ZUM-Wiki (offene Plattform für Lehrinhalte)
  • Umgedrehter Unterricht (Flipped Classroom)
  • 35 Quellen für Online-Vorlesungen bei Fernstudi.net
2017-11-03T12:50:56+00:00

Ein Kommentar

  1. Videos in der Lehre – lutzlandblog 2. Dezember 2016 um 21:03 Uhr

    […] Wissenschaftler Prof. Dr. Christian Spannagel (PH Heidelberg) nicht fehlen, der sich mit Videos im Unterricht und in der Lehre schon beschäftigte als andere noch … ich halte mich lieber zurück. Zumal ich ein Fan von […]

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