Wegweiser Digitale Bildung – Vorwort

Vorwort von Dr. Sarah Henkelmann, Sprecherin Netzwerk Digitale Bildung

Der DigitalPakt Schule ist beschlossen – fünf Milliarden Euro werden dazu bei- tragen, unsere Schulen in Deutschland besser auszustatten, damit Digitale Bildung in den Unterricht einfließen kann. Das ist gut so! Denn die Digitalisierung und der Einsatz digitaler Lernmedien bieten eine große Chance. Wir haben jetzt die Gelegenheit, mit Hilfe dieser Förderung die Türe zu öffnen für neue Wege im Unterricht, die digital geprägt sein werden.

Digitale Bildung, wie sie das Netzwerk Digitale Bildung versteht, heißt, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zu befähigen, sich in einer digitalisier- ten Welt souverän zu bewegen. Wir wollen sie auf dem Weg begleiten, mündige Bürgerinnen und Bürger zu sein und Entscheidungen treffen zu können. Eingebettet in ein pädagogisches Konzept können digitale Lernwerkzeuge als Teil des Unterrichts genau das bewirken.

Damit dieser Prozess gelingt, ist ein gut funktionierendes Zusammenspiel von Pädagogik, Technologie und Infrastruktur sowie der Aus- und Weiterbildung von Lehrenden notwendig. In diesem Buch geben wir Einblicke, Anhaltspunkte und praktische Tipps, wie Sie sich auf den Weg zur Digitalisierung in der Schule begeben.

Digitale Medien spielen im Alltag
von Kindern und Jugendlichen eine wichtige Rolle

Schule soll die Kinder und Jugendlichen in ihrer Lebenswelt abholen. Und digitale Medien spielen in ihrem Alltag eine immer wichtigere Rolle. Im Rahmen der JIM-Studie 2018 (Jugend, Information, Media) des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest wurden 1.200 Zwölf- bis 19-Jährige in Deutschland zu ihrer generellen Mediennutzung befragt. Mit 97 Prozent besitzen praktisch alle Jugendlichen ein Smartphone. Täglich nutzen sie das Internet (91 Prozent).

Die Nutzung digitaler Medien im schulischen Kontext hat Luft nach oben

Betrachtet man hingegen den Einsatz digitaler Medien in der Schule, so sind laut der JIM-Studie 2017 bislang nur das interaktive Whiteboard (31 Prozent) und der Computer (22 Prozent) nennenswert im Schulalltag angekommen (Nutzung mindestens mehrmals pro Woche). Smartphones (13 Prozent), Laptops (9 Prozent) oder Tablets (4 Prozent) spielen keine große Rolle. Es besteht also reichlich Potenzial für den Einsatz digitaler Medien in der Bildung – allein quantitativ.

Die Ursache für den seltenen Einsatz digitaler Medien im Unterricht ist sicherlich die mangelnde Netzanbindung, Infrastruktur und Ausstattung der Schulen. Mit dem DigitalPakt Schule soll dies nun verbessert werden. Voraussetzung dafür ist, ein nachhaltiges Medienkonzept und einen Medienentwicklungsplan mit allen Beteiligten auszuarbeiten.

In diesem Wegweiser geben wir Ihnen praktische Tipps, was bei der Erstellung von pädagogischen Konzepten und Medienentwicklungsplänen, aber auch bei der Implementierung, Ausstattung und Beschaffung digitaler Medien an Schulen nötig ist. Ebenso wichtig ist die Nachhaltigkeit durch Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte sowie IT-Beauftragten. Expertinnen und Experten aus der Praxis teilen mit Ihnen ihr Wissen und ihre Erfahrungen.

Den Unterricht handlungs- und entwicklungsorientiert gestalten

Digitale Medien bereichern den Unterricht – und Lernen und Lehren können noch mehr Spaß machen. Pädagoginnen und Pädagogen, wie Gastautorin Professorin Dr. Silke Grafe vom Lehrstuhl für Schulpädagogik an der Universität Würzburg, gehen davon aus, dass Kinder dann am besten lernen, wenn ihre Erfahrungen, ihr Denken und ihr Handeln miteinander verknüpft werden. Wenn Schülerinnen und Schüler selbst aktiv werden, sich einbringen und den Unterricht aktiv mitgestalten, führt dies zum Lernerfolg. Digitale Werkzeuge erleichtern die Umsetzung unterschiedlicher Methoden für verschiedene Aufgaben.

Digitale Werkzeuge stellen unsere Vorstellungen vom Lernen und die heutige Didaktik also nicht grundsätzlich infrage. Sie unterstützen die Lehrkräfte vielmehr dabei, Lernprozesse zu fördern. Es geht darum, wie digitale Werkzeuge den Unterricht und damit letztlich die Bildung unserer Kinder und Studierenden in Schulen und Hochschulen verbessern können. Denn sie sollen schließlich im Mittelpunkt stehen. Wichtig ist dabei, zuerst pädagogische Konzepte zu entwickeln, in die dann digitale Lernwerkzeuge wie Software und Hardware eingebettet werden.

Nicht nur große Lösungen helfen, auch kleine Werkzeuge bereichern

Viele Schulen schauen auf Leuchtturmprojekte und lassen sich dadurch entmutigen, klein anzufangen. Aber auch kleinere Leuchtfeuer in Form von Note- books, Smartphones und Apps sind probate Mittel, etwas zu tun auf dem Weg zur Digitalisierung der Schule. Sie benötigen keine langen Planungsphasen und Genehmigungsprozesse, sondern können ganz nach Bedarf eingesetzt werden. Es geht darum, praktische Handlungskonzepte und pädagogisch-didaktische Szenarien zu entwickeln, zu erproben und zu evaluieren – oder auch einfach mit neuen spielerischen Unterrichtsansätzen die Schüler zu motivieren.

Haben Sie Mut, Bildung mit digitalen Werkzeugen einfach einmal auszuprobieren! Der DigitalPakt Schule bietet jetzt die Chance, damit zu beginnen. Legen Sie los – die Zeiten waren noch nie so gut für Digitale Bildung!

„Schulen auf dem Weg der Digitalisierung zu begleiten und zu unterstützen, ist mir ein persönliches Anliegen. Denn schließlich geht es dabei um nichts Geringeres als die Zukunft unserer Kinder.“

Sarah Henkelmann,
Sprecherin Netzwerk Digitale Bildung

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