Wegweiser Digitale Bildung – Kapitel 6

Gastbeitrag von Olaf Kleinschmidt

Ein Wegweiser um:

  • Schülerinnen und Schüler in ihrem digitalen Medienalltag abzuholen und auf die digitale Welt vorzubereiten
  • eigene digitale Geräte von Schülern in professionellen Unterricht zu integrieren
  • einen Fahrplan zur digitalen Mediennutzung an Ihrer Schule zu erstellen
  • technische Aspekte zu klären und die entsprechende Infrastruktur für den Einsatz mitgebrachter digitaler Geräte zu schaffen

Excurs: Smartphones im Unterricht

Bring Your Own Device
Grundlagen – Was muss ich wissen

Eigene Handys sind bisher an den meisten Schulen verboten

„Bring Dein eigenes Gerät mit“ – das ist das Prinzip von Bring Your Own Device oder BYOD. Es erscheint vor dem Hintergrund einer oft mangelnden oder unzureichenden technischen Geräteausstattung an deutschen Schulen einerseits sehr attraktiv. Könnte das Konzept doch die öffentlichen Stellen kostenmäßig entlasten. Andererseits berichtet der Monitor Digitale Bildung der Bertelsmann Stiftung vom September 2017, dass es mehr als zwei Dritteln der deutschen Schülerinnen und Schüler untersagt ist, private Geräte im Unterricht zu nutzen. Sei es aus Angst der Lehrkräfte vor Störungen im Unterricht, Ablenkung oder Cybermobbing.

Lehrer sehen sinnvollen Einsatz digitaler Medien im Unterricht

Interessant vor diesem Hintergrund ist jedoch, dass die meisten Lehrkräfte so- wie Schülerinnen und Schüler finden, dass Smartphones und Tablets fürs Lernen erlaubt sein sollten. 60 Prozent der im Monitor Digitale Bildung befragten Lehrkräfte erkennen sinnvolle Einsatzmöglichkeiten für Smartphones und Lehrende. Sie beobachten an weiterführenden Schulen, dass ihre Schülerinnen und Schüler viel motivierter sind, wenn sie eigene Geräte im Unterricht nutzen dürfen. „Tatsächlich erlauben 74 Prozent der Lehrer die Handynutzung zu unterrichtsbezogenen Zwecken. Es liegt also auf der Hand, dass viele der existieren- den Nutzungsverbote auf Schul- oder Landesebene im Schulalltag unterlaufen werden“, berichtet die Bertelsmann Stiftung in ihrem Monitor Digitale Bildung.

Einsatz eigener digitaler Medien muss ins pädagogische Konzept eingebettet sein

Wie soll man also mit dem Thema BYOD umgehen? Lässt man die organisatorischen und rechtlichen Aspekte einmal außen vor, so wird schnell ersichtlich, dass der gezielte Einsatz von privaten Smartphones oder Tablets im Unterricht sehr sinnvoll sein kann – sofern die mobilen Geräte stimmig in das pädagogische Konzept der Schule eingebettet und als Ergänzung zu vorhandenen digitalen Lernwerkzeugen, beispielsweise einer professionellen Softwareplattform und digitalen stationären Geräten wie interaktiven Whiteboards oder Touch- Flatpanels eingesetzt werden. Aus verschiedenen Gründen:

  1. Die Schülerinnen und Schüler müssen in ihrer Lebenswelt abgeholt und auf die digitale Welt vorbereitet werden. Eine vernetzte und komplexe Informationsgesellschaft lässt sich nur dann wirklich verstehen und kommenden Generationen vermitteln, wenn die Lernumgebung nach denselben Regeln funktioniert – und zwar über örtliche, zeitliche und systembedingte Grenzen hinweg.
  2. Bildung verändert sich: weg von der Wissensvermittlung an passive Empfänger hin zum aktiven Wissenserwerb durch die Lernenden. Unterricht wird kooperativer, ortsunabhängig und selbstbestimmter. Eigene mobile Geräte erlauben es hier, selbst tätig zu werden. Im Idealfall können alle Schülerinnen und Schüler mit ihrem eigenen mobilen Gerät in ihrem eigenen Tempo selbstgesteuert lernen.
  3. Verfügbarkeit: Während die technische Ausstattung an Schulen äußerst mager ist, besteht bei den Schülerinnen und Schülern zwischen zwölf und 19 Jahren quasi Vollausstattung. Das belegt die JIM-Studie 2017 zur Mediennutzung Jugendlicher des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest. Hier wurden Jugendliche in Deutschland zu ihrem Medienumgang und ihrer Medienausstattung befragt. Demnach besitzt in dieser Altersgruppe praktisch jeder zweite ein Tablet und nahezu jeder (98 bis 99 Prozent) ein Smartphone oder Handy.
  4. Durch die Nutzbarkeit privater Endgeräte steigen bei der Infrastruktur die Standardisierungseffekte. Die dadurch sinkenden Anforderungen an die schuleigene Technik reduzieren die Kosten. Setzt man die richtige Software ein, vermindert sich der Administrationsaufwand; durch zentral bereitgestellte Applikationen und digitale Lerninhalte. Auch wird dadurch eine zentrale Verwaltung der Nutzer- und Anwendungsdaten möglich und Datensicherheit gewährleistet.

Mitgebrachte digitale Medien ergänzen statt ersetzen

Nun bedeutet BYOD aber nicht, dass die Ausstattungs- und Infrastrukturfrage komplett auf die Eltern abgewälzt wird. Denn allein mit selbst mitgebrachten Geräten wird kein guter Unterricht zustande kommen. Eingebettet in pädagogische Konzepte und Mediencurricula ergänzen selbst mitgebrachte Tablets, Notebooks und Smartphones den Unterricht mit professionellen Lernsoftware-Plattformen, großen Displays, Whiteboards, Beamern, Dokumentenkameras und analogen Medien.

Doch wie lässt sich das umsetzen? An dieser Stelle versuchen wir Ihnen Möglichkeiten und Wege aufzuzeigen. Allerdings werden wir rechtliche Fragen an dieser Stelle ausklammern, da hier die Länder Regelungen erarbeiten müssen. Die Politik hat das Thema bereits als wichtig erkannt. Denn auch der DigitalPakt Schule macht deutlich, dass BYOD Teil des digitalen Medienkonzeptes sein kann.

Ratgeber – Was kann ich tun

Wenn selbst mitgebrachte Computer, Smartphones und Tablets auch in der Schule als Lernmittel nutzbar sein sollen, ist es empfehlenswert, sich einen Fahrplan zu erstellen:

Fahrplan digitaler Mediennutzung

1. Definieren Sie, wann und wozu eigene mobile Geräte eingesetzt werden dürfen

  • Stellen Sie klare Nutzungsregeln auf und verankern Sie das BYOD-Konzept im schulischen Medienkonzept.
  • Diskutieren Sie dies in den Fachschaften und organisieren Sie bei Bedarf Fortbildungen für das Kollegium.

Tipp: Überdenken Sie gegebenenfalls das generelle Handyverbot. So können zur Nutzung von Smartphones in der Schule je nach Bedarf individuelle Regeln ausgearbeitet werden. Denkbar sind Ausnahmeregelungen für bestimmte Aufgaben oder Fächer sowie Regelungen, welche Apps oder Webseiten während der Unterrichtszeit oder auf dem Schulgelände genutzt werden dürfen.

Selbst mitgebrachte mobile Geräte eignen sich für eine Vielzahl von Anwendungen im Unterricht. Es macht Sinn, diese vorab festzulegen und den Schülerinnen und Schülern klar und transparent mitzuteilen oder sie sogar in die Entscheidung einzubeziehen. So werden sie selbst in die Verantwortung genommen und setzen sich damit auseinander, wie sie ihre eigenen geliebten Geräte sinnvoll einsetzen.

Tipp: Beispielsweise könnten Schülerinnen und Schüler mit ihrem Smartphone oder Handy Fakten recherchieren und Vokabeln nachsehen. Sie könnten für Projektarbeiten Interviews führen, Fotodokumentationen erstellen oder Filme drehen.

Damit werden grundlegende Techniken des Wissenserwerbs angesprochen, nämlich:

Collect: Informationen sammeln, Informationsrecherche
Relate: selbst Zusammenhänge herstellen
Create: selbst etwas Neues daraus entwickeln
Donate: weitergeben, mit anderen teilen

Wie tiefgreifend diese durch entsprechende BYOD-Konzepte aufgegriffen werden, hängt vom jeweiligen pädagogischen Konzept und den Methoden der Lehrenden ab.

2. Ermöglichen Sie einen einfachen Zugriff

  • Ermöglichen Sie Zugriff auf digitale Lernmittel und Lerninhalte über das Internet.
  • Damit stellen Sie in der Schule und zu Hause die identische digitale Lernumgebung zur Verfügung.

Tipp: Die Nutzung der digital bereitgestellten Lernmittel und Lerninhalte sollte durch einfach zu bedienende und etablierte Software-Anwendungen unterstützt werden. Hier gibt es bereits professionelle Lösungen auf dem Markt, die dies ermöglichen.

3. Wählen Sie die richtige Software, bringen Sie alle technischen Endgeräte unter einen Hut

Da zukünftig unterschiedlichste Endgeräte für die Erstellung und die Arbeit an Dokumenten genutzt werden, wird es immer wichtiger, dass man hier eine weitgehende Unabhängigkeit ermöglicht. Denn nicht jede Schülerin und nicht jeder Schüler verfügt über die gleichen Geräte. Hier reicht die Skala von „Ich habe gar kein Handy“ über ein Sammelsurium verschiedenster Geräte vom einfachen Feature-Phone bis hin zum High-End-Gerät. Viele Apps gibt es nicht für alle Betriebssysteme und wenn, haben sie oft unterschiedliche Funktionen.

Tipp: Will man von unterschiedlichsten Geräte ein Schülerergebnis auf ein Whiteboard oder Flatpanel projizieren, benötigt man geeignete und professionelle Software, die es ermöglicht, aus dem Wust von Endgeräten alle anzubinden und guten Unterricht ohne Medienbruch zu ermöglichen.

Auf diesem Weg vereinfacht man auch die lizenzrechtlichen Fragen und die Verwaltung der Zugriffsrechte – sprich, wer wann auf welche Inhalte zugreifen kann und wie sie in der Gruppe geteilt werden. Wählen Sie also einen Anbieter, der dies kann.

4. Klären Sie technische Aspekte mit den zuständigen Stellen

Überprüfen Sie die Qualität der schulischen Netzanbindung und stellen Sie sicher, dass neben der ausreichenden Bandbreite auch die Aspekte Datenschutz und Urheberrecht thematisiert und geregelt werden.

  • Planen Sie dies am besten gemeinsam mit ihrem Schulträger und dem zuständigen IT-Dienstleister.
  • Beachten Sie Fragen des Datenschutzes: So sollte der IT-Dienstleister Antworten geben können, wenn es um die gesicherte Verbindung zwischen Schul-IT und BYOD-Geräten (HTTPS oder VPN) und die Sicherung gegen unbefugten Zugriff über ein BYOD-Gerät auf die Schul-IT geht.
  • Regeln Sie die Zugriffskontrolle: Die Schule muss die Kontrolle des Zugriffs auf Schuldaten behalten. Hier geht es sowohl um Gerätesicherheit als auch Abhörsicherheit ebenso wie um die Sicherung der Schuldaten (Backups).

5. Seien Sie kreativ bei der Durchsetzung der handyfreien Zeit

Um die Regelungen durchzusetzen und Störungen im Unterricht zu vermeiden, sollte man auch handfreie Zeit festlegen.

Das Handy-Hotel

Um hier Akzeptanz bei den Schülerinnen und Schülern zu erzeugen, gibt es vielversprechende Modelle. So nennt der Leiter des Instituts für Medienpädagogik und Kommunikation in Darmstadt, Peter Holnick, das sogenannte Handy-Hotel als Beispiel:

„Da schalten die Schülerinnen und Schüler das Gerät in den Flugmodus und legen es im Klassenzimmer in Fächer aus Holz. Dann können alle im Unterricht für eine Aufgabe schnell darauf zugreifen – und es schnell wieder zurücklegen. Sie behalten das Gerät so auch im Blick, denn wenn es verloren ginge, wäre das für viele Schülerinnen und Schüler eine Katastrophe.“

(Vgl. Süddeutsche Zeitung vom 13. August 2018, „Man muss das Handy zum Teil der Bildung machen.“)

Fazit

BYOD ist ein Konzept, das viel Potenzial bietet, wenn es sinnvoll in ein pädagogisch-didaktisches Medienkonzept eingebettet wird. Auch wird BYOD nur funktionieren, wenn eine leistungsfähige Netzwerk-Infrastruktur vorhanden ist, unabhängig davon, ob private oder schuleigene Endgeräte benutzt werden. Einer der wichtigsten Punkte ist auch hier, die Lehrkräfte zum Thema BYOD entsprechend weiterzubilden und zu zeigen, wie verschiedenste Geräte mit einer Softwareplattform genutzt werden können.

Verschiedene Nutzungskonzepte: Netzanbindung und Software bleiben zentrale Elemente

In Fachkreisen werden auch verschiedene Konzepte diskutiert, von „Bring what you want“, bei dem jede Art von Geräten mitgebracht werden kann, bis hin zu standardisierten „Warenkörben“, die den Schulen zur Verfügung stehen sollen. Letzteres ist aber eine utopische Situation. In der Realität wird man es mit „Bring what you want“ zu tun haben. Hier sind die Netzanbindung und professionelle Softwareplattform zentrale Elemente. Vor allem auch, wenn man in die Zukunft blickt. Denn die im Unterricht eingesetzte Hardware wird sich verändern, vor allem, wenn man sich die Tendenzen auf dem Markt für interaktive Geräte anschaut.

Multitouch

In den letzten Jahren haben Telefone (Smartphones) das Touch-Interface und Sprachbefehle populär gemacht. Ein weiterer Trend ist Multitouch. Mit dieser Technik kann das Gerät mehr als einen Berührungspunkt und damit in Zusammenhang stehende Gesten verstehen. Der neueste Trend – und dazu noch ein sehr populärer – ist die Kommunikation mit Hilfe von Gesten und Körperbewegungen, die über eine Kamera verfolgt werden, mit der der Computer oder die Spiele-Konsole ausgestattet ist. Ein Beispiel für diese Technik ist Kinect, ein Gerät, für das Bildungs-Apps für alle Altersgruppen entwickelt werden.

Heißt das nun, dass sich Schulen in einen Modernisierungswettlauf begeben? Keinesfalls. Aber es hängt vom Maß der Integration von Alter und neuer Technik ab. Ein gewisser Grad an Realismus ist nötig, um moderne Lehrmittel in der Schule auch zukünftig über viele Jahre funktionstüchtig zu erhalten.

Chance für alle, neue Wege zu gehen

Der Investitionsstau im Bildungssektor hat dazu geführt, dass mehrere Innovationszyklen nun übersprungen werden. Darin liegen auch große Chancen für die Schulen, jetzt neue Wege zu gehen, eigene Konzepte zu entwickeln und mutig umzusetzen.

Weiterführende Informationen

  • Roland Preuss, Man muss das Handy zum Teil der Bildung machen. Interview mit Peter Holnick, Leiter des Instituts für Medienpädagogik und Kommunikation in Darmstadt. sueddeutsche.de, vom 13. August 2018.

Einen Link zu diesem Zeitungsartikel sowie aktuelle Links zum Thema BYOD finden Sie auf unserer Internetseite: www.netzwerk-digitale-bildung.de/linkliste

Über den Autor

Olaf Kleinschmidt ist Gymnasiallehrer für Mathematik, Physik und Informatik und wurde im Jahr 2008 als „Deutschlands IT-Fittester Lehrer“ ausgezeichnet. Darüber hinaus ist er Geschäftsführer der Firma MAXX2IT GmbH und als pädagogischer Berater für die Firmen Intel und SMART Technologies tätig.

Kontakt: Wenn Sie mit unseren Expertinnen und Experten Kontakt aufnehmen möchten, besuchen Sie bitte unsere Expertencommunity unter www.netzwerk-digitale-bildung.de/das-netzwerk/expertencommunity/

Exkurs:
Smartphones im Unterricht

Verbote bringen meist nichts: Statt mobile Geräte im Klassenzimmer einzusetzen und für den verantwortungsvollen Umgang damit zu sensibilisieren, setzen viele Schulen auf ein rigides Verbot. Dabei haben Smartphone und Co. hohes Potenzial und fördern die Medienkompetenz.

97 Prozent der 14- bis 17-Jährigen in Deutschland besitzen laut der aktuellen JIM-Studie 2018 ein internetfähiges Smartphone (siehe Grafik). Für die JIM- Studie 2018 wurden 1.200 Jugendliche zwischen zwölf und 19 Jahre in ganz Deutschland von Mai bis August 2018 telefonisch befragt.

Was aus dem Alltag der Jugendlichen nicht mehr wegzudenken ist, sorgt in der Schule für große Verunsicherung und oftmals auch für Streit. Viele Eltern und Lehrkräfte sehen im Smartphone mehr die Ablenkung durch WhatsApp und Co. als ein Lernmittel.

Wenige Schulen nutzen das Potenzial

Viele Schulen sind von einer modernen Einbindung von Smartphones in den Schulalltag noch weit entfernt. Ob und wie eigene Geräte im Unterricht und auf dem Schulgelände genutzt werden dürfen, ist von Schule zu Schule unterschiedlich geregelt. Laut Digitalverband Bitkom sind in mehr als der Hälfte der Schulen (54 Prozent) Handys im Unterricht untersagt. Ein prominenter Kritiker von Handyverboten in der Schule ist der Bestsellerautor Richard David Precht:

„Wie sollte das gehen? Die digitale Entwicklung schreitet weiter voran, schon bald wird das Mobiltelefon durch die Google-Brille ersetzt. Wir werden lernen müssen, damit Unterricht zu gestalten.“ (Quelle: Spiegel Online)

Smartphones im Unterricht motivieren

Dass der Einsatz digitaler Medien nicht nur die Jugendlichen in ihrer Lebenswelt abholt, sondern durchaus positive Effekte hat, haben Wissenschaftler der Universität München in ihrer Studie „Digitale Medien im mathematisch- naturwissenschaftlichen Unterricht der Sekundarstufe“ 2017 herausgefunden. Schülerinnen und Schüler, die zum Beispiel im Mathe-Unterricht digitale Medien nutzen, haben mehr Spaß am Fach und Unterricht, als diejenigen, die keine Smartphones und Co. benutzen. Sind die angewandten Lernprogramme über digitale Medien außerdem adaptiv zu  handhaben und passen sich individuell an den Lernstand des Nutzers an, hat das einen positiven Effekt auf die Lernleistung, so die Forscher.

Einsatzmöglichkeiten von Smartphones

 Smartphones sind weit mehr als eine Recherchehilfe. Kinder und Jugendliche können die mobilen Geräte im Unterricht zum Beispiel nutzen

  • als Kalender, um die Termine für Klassenarbeiten und Prüfungen einzu-tragen,
  • als Lesegerät, um sie über Apps als Fremdsprachen-Lexika zu benutzen,
  • als Kamera, um Tafelbilder abzufotografieren oder Fotoprojekte undStop-Motion-Filme umzusetzen,
  • als Videokamera, um Interviews zu führen und zu filmen,
  • als Diktiergerät, um Gedichte einzuüben,
  • als Diskussionsforum über die Chatboxen von Lernmanagementsyste-men wie beispielsweise Moodle, mebis, iServ, MNSPro und ähnliche.

Apps im kollaborativen Klassenzimmer

Es gibt zahlreiche Apps, die sich hervorragend für den Schulgebrauch eignen. Allerdings stehen Lehrkräfte schnell vor einer riesigen Menge an Möglichkeiten. Hier empfiehlt sich der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, die Apps im Unterricht bereits verwenden.

Weiterführende Links und Apps

Mit Lernsoftware wie beispielsweise der SMART Notebook Software, die in vielen Schulen zum Standard gehört, oder der Socrative App können Lehrkräfte Online-Tests für ihre Schülerinnen und Schüler erstellen und die Ergebnisse live auswerten.

Eine Übersicht über gängige Apps für das Klassenzimmer – wie das digitale Notenbuch für Lehrer oder über Musik Vokabeln zu lernen – bietet zum Beispiel die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) auf ihrer Internetseite www.gew.de/bildung-digital/apps-und-tools-fuer-lehrkraefte/

Die Unterrichtsmaterialien „Medien in der Schule“ ist ein Gemeinschaftsprojekt von FSF (Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen), FSM (Frei- willige Selbstkontrolle Multimediaanbieter) und Google Deutschland mit Unterstützung von Telefónica Germany, Deutschland sicher im Netz, der Auerbach Stiftung, der Bundeszentrale für politische Bildung sowie der Amadeu Antonio Stiftung: www.medien-in-die-schule.de

Noch besser lassen sich Smartphones dann integrieren, wenn die IT-Infrastruktur einer Schule in der Lage ist, einzelne mobile Geräte über die richtige Software mit dem interaktiven Display/interaktiven Whiteboard oder über einen interaktiven Beamer im Klassenraum zu verbinden. In solch einem kollaborativen Klassenzimmer können Schülerinnen und Schüler zum Beispiel Tafelbilder auf dem Smartphone mitverfolgen und bearbeiten oder eigene Inhalte auf der großen Tafel präsentieren. Im Idealfall erhalten Kinder und Jugendliche ohne Smartphone ein Leihgerät oder können die Aufgabe zusammen mit den Mitschülerinnen und Mitschülern bearbeiten, die ein eigenes Gerät zur Verfügung haben.

Tipp: Schulen und Eltern können sich auf einheitliche Endgeräte von einem Hersteller einigen. Das hat verschiedene Vorteile: Häufig sind bestimmte Soft- und Hardwareanwendungen nicht auf allen Endgeräten kompatibel. Das kann zu Verwirrung und Frustration führen, wenn es mal nicht läuft. Werden ein und dieselben Endgeräte von allen Schülerinnen und Schülern verwendet und sind die Lehrkräfte darin geschult, können sich alle gegenseitig helfen – die Schüler untereinander und die Lehrkräfte den Schülern, falls es mal irgendwo bei Anwendungen Probleme gibt.

Wichtig! Zwar spart die Schule erheblich Geld, wenn die Eltern die Smartphones für ihre Kinder anschaffen. Doch eine Schule tut gut daran, wenn sie auch eigene Geräte vorhält. Zum Beispiel für Familien, die sich die Anschaffung nicht leisten können. Deren Kinder können sich dann ein Gerät von der Schule leihen oder zu Sonderkonditionen erwerben, wenn die Schule ihnen entgegen kommt.

Beispiel für die Integration von Smartphones in den Unterricht

Wie sich Smartphones und Tablets in den Unterricht integrieren lassen, zeigt das Beispiel einer Gesamtschule im nordrhein-westfälischen Xanten-Sonsbeck. Dort sehen Schülerinnen und Schüler im Chemieunterricht Experimente auf YouTube, im Sportunterricht zeichnen sie Bewegungsabläufe auf und werten diese aus. Im Fach Informatik diskutieren die Schülerinnen und Schüler über den Datenschutz bei WhatsApp. Damit lehrt die Schule einen verantwortungsvollen Umgang mit den Geräten, die ein Großteil der Schülerinnen und Schüler stets bei sich trägt, statt sie zu verbieten. Zukünftig, darin sind sich viele Bildungsexperten einig, wird es immer weniger darum gehen, ob Smartphones in der Schule genutzt werden dürfen, sondern vielmehr darum, welche Methoden der Integration in den Unterricht die besten sein könnten.

Weitere Informationen zum Medienkonzept der Gesamtschule Xanten- Sonsbeck finden Sie auf der Internetseite: www.gesamtschule-xanten- sonsbeck.de/medienkonzept.html

Datenschutz, Spam und Werbung

 Wer digitale Geräte benutzt, hinterlässt eine große Menge an Datenspuren durch die Anwendung von Apps auf den Endgeräten und wenn wir uns im Internet bewegen. So werden unsere Standorte gespeichert, Links ausgewertet und Vorlieben ermittelt und gespeichert.

Komplett vermeiden lassen sich Datenspuren nicht. Doch sie sind steuerbar. Zum Beispiel können

  • Anti-Tracking-Filter installiert,
  • App-Berechtigungen vor dem Download geprüft,
  • Bluetooth, GPS und WLAN bei bestimmten Anwendungen deaktiviert,
  • Spamfilter für E-Mails eingerichtet,
  • ein Virenschutzprogramm für E-Mails installiert und
  • grundsätzlich sparsam mit persönlichen Daten umgegangen

Unerwünschte Werbung vermeiden

Zahlreiche Apps sind für den Nutzer zwar kostenlos. Doch irgendwie müssen sie ja finanziert werden. Das geschieht häufig über Werbeanzeigen, die regelmäßig bei der Anwendung eingeblendet werden. Diese sind mit Vorsicht zu genießen, häufig verbergen sich dahinter Abofallen – davor warnt beispielsweise das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg. Aber auch durch sogenannte In- App-Käufe können Zusatzfunktionen freigeschaltet werden – die allerdings etwas kosten.

Tipp: Um solche In-App-Käufe und damit verbundene Kosten zu verhindern, empfehlen Experten, diese direkt in den Einstellungen des Smartphones zu unterbinden. Dies geschieht durch eine sogenannte Drittanbietersperre. Weitere Informationen dazu finden Sie unter anderem auf der In- ternetseite des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg unter  www.lmz-bw.de/medien-und-bildung/jugendmedienschutz/smart- phones-apps/rechtliche-aspekte/

Datenschutz an Schulen

Wer digitale Medien verwendet, muss sich auch mit dem Schutz der Daten auseinandersetzen. Täglich werden Daten verarbeitet, gespeichert und verschickt. Die Verarbeitung von Schüler-, Lehrer- und Elterndaten fällt in den Bereich der Landesdatenschutzgesetze.

Wichtig! Jedes Bundesland regelt die Anwendung digitaler Daten in seinem Landesdatenschutzgesetz. Diese sind meist auf der jeweiligen Landes- Homepage zu finden. Auch bei der Anwendung von Lern-, Informations- und Kommunikationsplattformen durch Schulen sind bestimmte datenschutzrechtliche Hinweise zu beachten.

Tipp: Beispielsweise hat das Kultusministerium Baden-Württemberg Informationen zum Einsatz elektronischer Lern-, Informations- und Kommunika- tionsplattformen an Schulen erarbeitet. Der Download erfolgt über die entsprechende Internetseite unter https://lehrerfortbildung-bw.de/st_recht/daten/ds_neu/komform/

Wichtig! Der Artikel 37 der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sieht für Behörden und andere öffentliche Stellen ausnahmslos eine Verpflichtung zur Bestellung einer oder eines Datenschutzbeauftragten vor. Daher müssen alle öffentlichen Schulen einen Datenschutzbeauftragten berufen.

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