Wegweiser Digitale Bildung – Kapitel 7

Ein Wegweiser um:

  • Beschaffung nachhaltig und zukunftsorientiert zu planen
  • eine Bedarfsermittlung und Gesamtkostenplanung zu erstellen
  • Wartung und Weiterentwicklung in den Griff zu bekommen
  • Anbieter richtig auszuwählen
  • technologische Richtungsentscheidungen für die Zukunft zu treffen

Grundlagen – Was muss ich wissen

Jedes erfolgreiche Beschaffungsprojekt sollte frühzeitig geplant und überlegt ausgeführt werden. Pädagogisch-didaktische Konzepte, die zum Profil der Schule passen, und Medienentwicklungspläne bilden die Entscheidungsgrundlagen für die eigentliche Beschaffung und damit für die Auswahl neuer Soft- und Hardware. Darüber hinaus sind sie eine wichtige und notwendige Voraussetzung für den Abruf von Fördermitteln des Bundes. Die Länder haben hier jeweils eigene Richtlinien herausgebracht, die auf der Webseite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung abrufbar sind.

Wichtig! Ein Medienentwicklungsplan ist Voraussetzung, um Fördermittel aus dem DigitalPakt Schule zu erhalten. Zu beachten ist dabei, dass der Begriff „Medienentwicklungsplan“ innerhalb des DigitalPakts Schule zwei Themen be- inhaltet: Zum einen meint er das Medienkonzept, das die jeweilige Schule erar- beitet und dem Schulträger überreicht. Zum anderen bündeln die Schulträger wiederum diese Pläne zu einem gesamten Medienentwicklungsplan, den sie letztendlich beim Bund einreichen, um die Fördermittel zu beantragen.

Auf einen Blick: Förderrichtlinen zum DigitalPakt Schule

Eine Zusammenfassung aller Förderrichtlinien auf einen Blick findet sich auf der Website des Netzwerks Digitale Bildung unter www.netzwerk-digitale-bildung.de/der-digitalpakt/

In der Planungsphase sollten folgende Grundsatzfragen beantwortet werden:

  • Wie sehen die grundlegenden Ziele der Beschaffung aus?
  • Welches pädagogisch-didaktische Konzept liegt zugrunde?
  • Was fordert der Medienentwicklungsplan?
  • Welchen Umfang hat die Beschaffung?
  • Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es?
  • Wer ist verantwortlicher Ansprechpartner für das Beschaffungsprojekt?

Grundlegende Ziele der Beschaffung

Für die Anschaffung neuer Soft- und Hardware braucht es klare Ziele, die zum pädagogischen Profil der eigenen Schule und den Medienentwicklungsplänen der Schule, des Schulträgers oder des Bundeslandes passen.

  • Nutzen Sie Informationen der Länder: Die Bundesländer haben, teilsgemeinsam mit den Landesmedienzentren, detaillierte Informationen zu den Förderrichtlinien inklusive Leitfäden veröffentlicht. Eine Über- sicht aller Förderrichtlinien auf einen Blick findet sich auf der Website des Netzwerks Digitale Bildung unter www.netzwerk-digitale-bildung.de/der-digitalpakt/
  • Achten Sie auf Kompatibilität: Der Ansatz Bring Your Own Device(BYOD) wird vor dem Hintergrund des DigitalPakts Schule eine wichtige Ergänzung sein (siehe Kapitel 6: Bring Your Own Device), da die Budgets für eine Finanzierung von schülereigenen Endgeräten nicht ausreichen werden. Momentan werden die eigenen Endgeräte der Schülerinnen und Schüler laut DigitalPakt Schule nicht gefördert, aber an ihrer Nutzung im Unterricht führt fast kein Weg vorbei. Daher ist bei der Beschaffung vor allem die Kompatibilität der schuleigenen Ausstat- tung mit anderen mobilen Endgeräten und Betriebssystemen wichtig.
  • Software ist ein Schlüsselfaktor: Die Bedeutung von professionellerLernsoftware wird in dieser Frage leider noch immer völlig unterschätzt (siehe Kapitel 4: Ausstattung und Technologie). Sie bildet die Intelligenz im System und ist auch auf lange Sicht Innovationstreiberin bei der Unterrichtsgestaltung. Es ist also empfehlenswert, sowohl bei der Hard- als auch bei der Software genau auszuwählen. Software bildet dabei die Grundlage, wobei das Zusammenspiel mit der Hardware hierbei nahtlos funktionieren sollte, um einen flüssigen Unterricht ohne Medien- bruch zu ermöglichen.
  • Erstellen Sie ein schuleigenes pädagogisches Profil, das die Grundlage bildet, um die digitale Ausstattung zielführend auszurichten und am Ende sinnvoll zu investieren.
  • Kommunizieren Sie, was Sie vorhaben: Stimmen Sie die Ziele erst innerhalb der Fachgruppe und der Schulleitung Kommunizieren Sie diese dann im Kollegium, an die Schulträger, Schulbehörden und Eltern.
  • Erstellen Sie einen Medienentwicklungsplan: Er bringt Struktur in die Außerdem ist er die Voraussetzung, um Fördermittel zu beantragen. Allerdings sollten sich Beschaffungsverantwortliche über die lokalen Gegebenheiten und die Fördermöglichkeiten in ihrem jeweiligen Land informieren (siehe Kapitel 3: Medienentwicklungspläne).

Pädagogisch-didaktische Konzepte

Faktoren wie das methodische Unterrichtskonzept und die Lehrerpersönlichkeit bleiben entscheidend für die Unterrichtsqualität. Deshalb müssen mit der Definition der Ziele tragfähige pädagogische Ansätze für den Einsatz der neuen Medien im Unterricht erarbeitet werden. An der Entwicklung dieser Ziele arbeiten Fachschaften und pädagogische Verantwortliche mit. Dafür muss ein Medienkonzept erarbeitet und mit den Medienentwicklungsplänen der Schulträger koordiniert werden. In fast allen Bundesländern ist dieses Vorgehen Voraussetzung für die Gewährung von Fördermitteln aus dem DigitalPakt Schule.

Umfang der Beschaffung – verschaffen Sie sich einen Überblick der Bedarfsermittlung

Im Zuge des DigitalPakts Schule stehen viele Sachaufwandsträger, Städte und Kommunen vor der Frage, welche Hard- und Software man beschaffen soll. Muss pro Schule eine Ausschreibung gemacht werden? Oder ist es sinnvoller, einen Rahmenvertrag über mehrere hundert oder sogar tausend Geräte an einen Anbieter zu vergeben?

Ausgehend von dem Motto „Pädagogik vor Technik“ sollten Sie sich in der Bedarfsermittlung einen Überblick darüber verschaffen, welche technische Infrastruktur bereits vorhanden ist und womit die Lehrkräfte und Schüler arbeiten möchten. Denn wenn die Schule bereits auf einem bestimmten System eingearbeitet ist, hat es wenig Sinn, ein komplett neues zu installieren. Das würde nämlich bedeuten, dass die Lehrkräfte erneut geschult werden müssten, dass bereits bestehende Unterrichtseinheiten auf dem neuen System nicht mehr genutzt werden könnten und das zu mehr Frust des Lehrpersonals führen könnte, wenn eingeübte Szenarien nicht mehr funktionieren.

Möglicherweise kommen Sie auch zu dem Ergebnis, dass Sie bei größeren Rahmenverträgen einen Warenkorb mit unterschiedlichen Optionen an Geräten und Funktionen ausschreiben, um den Lehrkräften die bestmöglichen Werkzeuge für ihren Unterricht zur Verfügung zu stellen. Dies ist eine gängige und bewährte Praxis, die zu einer hohen Akzeptanz bei den Schulen führt und dem Schulträger trotzdem die Möglichkeit bietet, langfristig wirtschaftlich zu beschaffen und die Infrastruktur zu standardisieren.

Diese Fragen helfen, den Umfang der Beschaffung zu definieren:

  • Welche Hardware, welche Software soll installiert werden?
  • In welchen Räumen sollen sie installiert werden?
  • Wie viele Software-Lizenzen braucht das Kollegium?
  • Ist eine Weiterbildung der Lehrkräfte notwendig?
  • Welche Voraussetzungen in der Schulinfrastruktur müssen erfüllt werden? Wobei mit Infrastruktur hier vor allem die Stromversorgung, LAN und WLAN sowie die Internetanbindung der Schule gemeint ist.

Darüber hinaus sollten Schulen ihre Anforderungen an die LAN-Infrastruktur nicht unterschätzen. Schulen in Deutschland haben mehr Datenbedarf als Unternehmen in vergleichbarer Größenordnung, man ist also sehr schnell im Gigabit- Bereich. Eng mit dem Umfang verknüpft sind zeitliche Ressourcen sowie die bestehende Infrastruktur und bauliche Vorgaben.

Finanzierungsmöglichkeiten

Sind Umfang und Preis der Beschaffung ungefähr bekannt, wird es Zeit, über verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten nachzudenken:

  • Wie viel kann kurzfristig aus dem eigenen Schulbudget und über den Schulträger finanziert werden?
  • Was kann aus Fördermitteltöpfen geschöpft werden? Der DigitalPakt Schule eröffnet hier verschiedene Möglichkeiten. Die Länder haben hier jeweils eigene Richtlinien herausgebracht, die auf den jeweiligen Länderwebseiten abrufbar sind.
  • Gibt es weitere Fördertöpfe, die ergänzend hinzugezogen werden können? Hier lohnt es sich, sich zu informieren.
  • Kommt Leasing als alternative Finanzierungsmöglichkeit in Frage?
  • Welche kreativen Möglichkeiten bestehen, zum Beispiel Sponsoring durch ortsansässige Unternehmen, Stiftungen, Elternverbände? Diese sind sehr zeitaufwendig, erfordern, dass sich jemand aktiv darum kümmert, und müssen gut geplant sein.

Ansprechpartner für das Beschaffungsprojekt

Die Begleitung des Beschaffungsprojektes sollte unbedingt in die Hände eines interdisziplinär aufgestellten Steuerungsteams gelegt werden. Diese Projektmanager müssen in der frühen Phase der Beschaffung definiert werden.

Ihre Aufgaben sind:

  • Planung, Begleitung und Umsetzung der Beschaffung
  • Kommunikation zwischen allen Akteuren (Schulleitung, Schulträger, Kollegium, Dienstleister)
  • Etablierung der neuen Bildungsangebote im Schulalltag
  • Darüber hinaus ist es sinnvoll, die Schüler in die Planung miteinzubeziehen.

DigitalPakt Schule: Was wird gefördert?
Voll förderfähig sind:

Infrastruktur

  • Aufbau oder Verbesserung der digitalen Vernetzung in Schulgebäu- den und auf Schulgeländen
  • lokale schulische Server und schulisches WLAN

Ausstattung

  • Anzeige- und Interaktionsgeräte, insbesondere Displays und interaktive Tafeln, einschließlich Steuerungsgeräte zum Betrieb in der Schule
  • digitale Arbeitsgeräte für die technisch-naturwissenschaftliche Bildung oder die berufsbezogene Ausbildung

Begrenzt förderfähig sind:

Laptops, Notebooks und Tablets, wenn

  • die Schule über die Infrastruktur förderfähig ist, über diese verfügt oder diese durch den Schulträger beantragt ist,
  • die Geräte spezifische fachliche oder pädagogische Anforderungen erfordern,
  • bei Anträgen für allgemeinbildende Schulen die Gesamtkosten für mobile Endgeräte am Ende der Laufzeit des DigitalPakts Schule entweder
    • 20 Prozent des Gesamtinvestitionsvolumens für alle allgemeinbildenden Schulen pro Schulträger nicht überschreiten,
    • 25.000 Euro je einzelne Schule nicht überschreiten oder beides nicht überschreiten.

Nicht förderfähig sind:

  • Smartphones
  • laufende Kosten der Verwaltung (Personalkosten, Sachkosten)
  • Kosten für Betrieb, Leasing, Wartung und IT-Support

Markterkundung

Um einen kompetenten und zuverlässigen Technikpartner auszuwählen, ist eine Markterkundung empfehlenswert. Es geht darum herauszufinden, wer im Bereich schulische Ausstattung mit digitalen Lernwerkzeugen die nötige Erfahrung hat. Denn das wichtige Thema Wartung und Support wird Ihnen auch nach der erfolgreichen Beschaffung erhalten bleiben. Hier ist es essenziell, nicht nur hochwertige Technik angeschafft zu haben, sondern auch einen erfahrenen Partner an der Seite zu wissen, der bei auftretenden Problemen schnell und kompetent zur Hilfe ist.

Begutachten Sie also mehrere Händler und Hersteller und testen Sie deren Geräte auf folgende Punkte:

  • Leistungsfähigkeit des Herstellers: Wie lange ist er schon auf dem Markt für Bildungstechnologien tätig? Welche Referenzen hat der Hersteller
  • Lieferfähigkeitder Produkte: Kann der Anbieter die gewünschte Anzahl der Geräte liefern, installieren und diese regelmäßig warten? Wie schnell kann er Ersatzteile besorgen? Vereinbaren Sie hier sogenannte Service Level Agreements mit den Händlern Ihres Vertrauens.
  • Fachwissen der Händler/Systemhäuser: Handelt es sich um einenLösungsanbieter, der das Zusammenspiel von Hard- und Software sowie Zubehör versteht?
  • Innovationsfähigkeit: Werden die Hard- und Softwarelösungen speziell für den Bildungsbereich entwickelt und auch ständig weiterentwickelt (Update/Upgrades)?
  • Welche Schulungs- und Content-Angebote gibt es?
  • Besteht die Möglichkeit, Testgeräte für mehrere Tage kostenlos zu erhalten?

Tipp: Sie kennen sicherlich den Ausspruch: „Wer billig kauft, kauft zweimal.“ Als Schulträger investieren Sie jetzt in Geräte und Software für die kommen- den zehn bis 15 Jahre – und das mit Steuergeldern. Daher ist die gründliche Auswahl der Partner viel wichtiger, als die schnelle Entscheidung für die vermeintlich billigste Hardware.

Sichern Sie Ihre Investitionen in die Software

Die Software wird beim Thema Beschaffung oft stiefmütterlich behandelt. Machen Sie nicht den gleichen Fehler, denn die richtige Software macht interaktiven Unterricht erst möglich. Auf dem Markt gibt es eine ganze Reihe an guter und sinnvoller kostenfreier Lern- und Whiteboarding-Software, die zum Teil auch von den Hardware-Herstellern mit angeboten wird.

Ein altes Sprichwort sagt: „Was nichts kostet, ist auch nichts wert“. Die Entwicklung, Programmierung und Lizensierung von Softwareprodukten kostet grundsätzlich Geld. Software, die komplett kostenfrei am Markt verfügbar ist, wird daher oft gar nicht oder nur sehr langsam und unregelmäßig weiterentwickelt. Fragen Sie beim Anbieter nach, ob und wie oft für Ihre Programme und Anwendungen regelmäßige Updates zur Verfügung stehen. So vermeiden Sie böse Überraschungen, wenn Ihre Software beispielsweise nach einem Upgrade des Betriebssystems nicht mehr funktioniert oder erhebliche Sicherheitslücken vorhanden sind, die lange nicht geschlossen werden. Fragen Sie bei den Herstellern kritisch nach, ob die Software bereits auf den Geräten installiert ist. Denn browserbasierte Software nützt Schulen meist nichts, da sie nicht überall ans Internet angeschlossen sind.

Tipp: Achten Sie bei der Software auf einfache Lizenzmodelle und auf regelmäßige Aktualisierungen.

Bei integrierter Android-Software auf Aktualität achten

Viele interaktive Displays werden mittlerweile mit einer zusätzlichen integrier- ten Nutzerebene auf Android-Basis ausgeliefert. Zum Teil werden hier aus Kostengründen noch alte Android-Versionen ausgeliefert oder die Systeme lassen sich nicht upgraden. Wenn Sie sich für ein solches System entscheiden, schaffen Sie nur Systeme mit der aktuellsten Android-Version und einer Bestätigung vom Hersteller an, dass die Betriebssoftware regelmäßig aktualisiert werden kann. Auch ein Blick auf die Update-Historie des Anbieters liefert Ihnen verlässliche Einblicke. Andernfalls besteht ein erhebliches Sicherheitsrisiko, oder Sie können keine aktuellen Applikationen mehr auf Ihrem Display installieren oder nutzen.

Achten Sie auf Stromkosten und Umweltschutz

Als Schulträger müssen Sie vor allem auch die laufenden Kosten im Blick behalten. Werfen Sie also bei der Beschaffung von digitalen Lernmedien einen Blick auf den Stromverbrauch der Geräte.

Ein Rechenbeispiel: Allein bei der Präsentationstechnik kommen in fünf Jahren Nutzung schnell zwischen 5.000 und 7.000 Stunden Einsatzzeit pro Gerät zusammen. Die Stromverbräuche variieren zwischen den Anbietern erheblich, sodass bei manchen Geräten die Stromkosten in fünf Jahren schnell um 400 bis 500 Euro pro Gerät höher sind, als bei vergleichbaren energieeffizienten Geräten

Wichtig! Mit besonders sparsamen Geräten schonen Sie nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Umwelt. Für die Produktion einer Kilowattstunde Strom werden in Deutschland derzeit circa 475 Gramm CO2 im Strommix ausgestoßen. Bei fünf Jahren Laufzeit können Sie bis zu einer halben Tonne CO2 pro Gerät einsparen, wenn Sie ein energieeffizientes Gerät einsetzen.

Geht man davon aus, dass in den kommenden Jahren durch den DigitalPakt Schule mehrere zehntausend Geräte angeschafft werden sollen, dann ergeben sich hier erhebliche Einsparpotenziale, die Ihre Budgets dauerhaft entlasten und gleichzeitig die Umwelt schonen.

Ratgeber – Was kann ich tun

Wie lassen sich innovative Bildungslösungen realisieren und finanzieren? Auf dem Weg zum neuesten Stand der Digitalen Bildung ist das für viele Schulen und Träger eine zentrale Frage. Kleine Budgets erfordern Planung, Engagement und eine Portion Kreativität. Denn vielen Schulen mangelt es bereits an geeigneter Internetanbindung. Wo also anfangen?

Je nach technischen Möglichkeiten ist es wichtig, seine Ausstattung so zu wählen, dass man von Beginn an arbeitsfähig ist.

Wenn man die Schule erst komplett mit WLAN ausstattet, dann bleibt am Ende womöglich kein Geld mehr, um die Räume zu bestücken. Wenn eine Schule über 25 Klassenräume verfügt, aber im ersten Schritt nur fünf ausstatten kann, dann sollte der oder die Beschaffungsverantwortliche dafür sorgen, dass diese fünf Räume voll zur Verfügung stehen. Darüber hinaus sollte die Ausstattung so angelegt sein, dass man auf vorige Investitionen direkt aufsetzen kann beziehungsweise das Ziel erreicht wird, digital arbeiten zu können.

Kriterien für eine erfolgreiche Beschaffung

Die Erfahrung zeigt, dass für eine erfolgreiche Beschaffung von professionellen Bildungswerkzeugen fünf Kriterien wichtig sind:

  1. Die Anschaffung ist pädagogisch begründet und wird vom Kollegium und dem Schulträger unterstützt.
  2. Die Hard- und Software ist auf lange Sicht leistungsfähig und leicht bedienbar.
  3. Die Integration in bestehende Infrastruktur ist problemlos möglich.
  4. Der ausgewählte Technikpartner ist kompetent und zuverlässig.
  5. Die Kosten bewegen sich in einem finanzierbaren

1. Pädagogisch begründet

Kriterien bei der Beschaffung neuer Hard- und Software sind der pädagogische Nutzen und die Übereinstimmung mit den Medienentwicklungsplänen des Schulträgers und/oder des Bundeslandes.

  • Die Sinnhaftigkeit einer neuen Zukunftswerkstatt für MINT-interessierteSchülerinnen und Schüler etwa ist ein mögliches Argument bei der Finanzierung durch Sponsoren und Schulträger und sorgt für Akzeptanz bei Lehrkräften, Schülerschaft und Eltern.
  • Auch die Tatsache, dass digitale Bildungslösungen zeitgemäße Unterrichtsformen wie individualisiertes Lernen und kollaboratives Arbeiten ermöglichen und damit auch inklusiven Unterricht stützen, wird überzeugen.

Achten Sie deshalb darauf, dass der Hersteller auf Bildungslösungen spezialisiert ist und langjährige Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Lehrkräften vorweisen kann.

2. Intuitiv, leistungsfähig, mobil und vernetzt

Neue Hard- und Software muss auf lange Sicht leistungsfähig, auf dem neusten Stand der Technik und gleichzeitig intuitiv bedienbar sein.

  • Ein hoher technischer Standard ist eine Investition in die Zukunft undsorgt dafür, dass die digitalen Bildungslösungen auch in fünf Jahren noch den methodisch-didaktischen Ansprüchen genügen.
  • Die intuitive Bedienbarkeit erleichtert allen Lehrkräften und Schülernden Einstieg und sorgt langfristig für eine intensivere Nutzung der Systeme. Sie reduziert zudem die Kosten für Installation, Schulung und Administration.
  • Weitere Anforderungen sind die Mobilität und die Vernetzung der digitalen Wer zum Beispiel Tablets anschafft, will sie im gesamten Schulgebäude einsetzen. Cloud-Lösungen ermöglichen die Weiterarbeit an Unterrichtsinhalten in der Schule und Zuhause ohne Medienbruch.

3. Kompatibilität zu bestehender Infrastruktur

Die bestehende Infrastruktur gibt die Rahmenbedingungen vor oder muss ent- sprechend verändert werden, wenn die Voraussetzungen für digitale Bildungslösungen nicht vorhanden sind:

  • Werden zum Beispiel in einem älteren Schulgebäude interaktive White-boards installiert, besteht je nach Ausstattung der Schule die Möglichkeit, entweder LAN-Verbindungen in jedes Klassenzimmer zu legen oder ein WLAN für die gesamte Schule zu nutzen – eine leistungsstarke Internetverbindung vorausgesetzt.
  • Entscheidend sind verlässliche Sicherheitsstandards wie zum Beispiel eine funktionierende Greifen die Schülerinnen und Schüler mit eigenen Geräten über das WLAN auf das Internet zu, so muss sichergestellt werden, dass der Jugendschutzmechanismus (zum Beispiel IP- Sperren oder Port-Sperren) auf dem Router oder einem möglicherweise zwischengeschalteten Server der Schule installiert wird – und nicht nur auf den einzelnen Geräten der Schule.
  • In Fachräumen für den Chemie- oder Physikunterricht muss zudem die Kompatibilität mit anderen Komponenten wie zum Beispiel Messgeräten geprüft werden. Gleiches gilt auch für Tablet- oder Laptop-Klassen.

4. Knowhow des Dienstleisters

Formulieren Sie schon im frühen Stadium der Beschaffung die Anforderungen an den Technik-Dienstleister vor Ort.

Er sollte:

  • kurzfristige Probleme telefonisch und auch vor Ort lösen können,
  • Serviceverträger für eine regelmäßige Wartung und Software-Pflege anbieten,
  • vom Hersteller zertifizierte Fortbildungsangebote zum Einstieg im Portfolio haben,
  • individuelle Lösungen für Ihre bisherige Infrastruktur präsentieren,
  • seine Angebote an Ihr aktuelles Investitionsvolumen anpassen, sodass Sie Ausstattung und Infrastruktur auch in mehreren Schritten ausbauen können, ohne Investitionen doppelt zu tätigen,
  • langjährige Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Schulen und entsprechende Referenzen mitbringen,
  • langfristigenSupport zur Verfügung stellen,
  • herstellerbezogene Zertifizierungen nachweisen können.

5. Finanzierung

Bei der Finanzierung gibt es unterschiedliche Modelle. Bislang hatten Schulen lediglich die Möglichkeit, Mittel von Kommunen und Ländern zu beantragen. Mit dem DigitalPakt Schule kommen nun auch Mittel des Bundes hinzu.

Eine weitere Dimension der Förderung sind kreative Lösungen: Zum Beispiel könnte man für die Förderung kleinerer Projekte, etwa die Anschaffung neuer Laptops, Fördermittel von Stiftungen und Vereinen anfragen, oder auch lokale Sponsoren wie regionale Banken, Wirtschaftsunternehmen oder Elternvereine ansprechen.

Tipp: Suchen Sie auch zu Fragen der Finanzierung schon in der frühen Projektphase den Austausch mit erfahrenen Kollegen. Vom Wissen anderer Lehrkräfte, Schulleiter und Verantwortlicher bei den Schulträgern oder in den Landesschulbehörden können Sie nur profitieren. Von ihnen erfahren Sie auch aus erster Hand, ob, wie und mit welchem Erfolg Systeme in den Schulalltag integriert wurden und ob diese Prozesse eventuell mit Ihrem Vorhaben vergleichbar sind.

Wartung und Weiterleitung:
Professioneller IT-Support nötig

Nach der Planung und dem Einbau von digitalen Bildungslösungen geht es dar- um, sie zu warten und natürlich weiterzuentwickeln. Denn man muss mit der Zeit gehen. Um eine zukunftssichernde Nutzung zu garantieren, ist es empfeh- lenswert, wenn IT-Profis an den Schulen und der Support der lokalen Fachhändler und Hersteller eng zusammenarbeiten.

Wichtig! Die IT-Verantwortung sollte komplett und konsequent in professionelle Hände gelegt werden. Das ist Aufgabe der Schulträger:

  • entweder vergibt man dies an einen fest angestellten IT-Beauftragtenan der jeweiligen Schule oder stundenweise an einen externen Experten
  • oder man zentralisiert diese Aufgabe in den IT-Ressorts von Städten und Gemeinden

Jedenfalls ist nur durch eine Professionalisierung eine verlässliche Pflege der IT-Infrastruktur möglich.

Die Wartung gliedert sich in First-, Second- und Third-Level Support. Die Schule beziehungsweise die Lehrer oder IT-Beauftragten an Schulen können nicht alles leisten. Daher empfiehlt es sich, in drei Stufen zu arbeiten:

Den sogenannten First-Level-Support, bei dem es um die IT in der Schule selbst geht, verantwortet ein IT-Beauftragter. Seine Aufgaben:

  • erster Ansprechpartner für kleinere IT-Probleme
  • Vergabe der Login-Daten
  • Schulung neuer Kollegen
  • Kontakt zum Second- und Third-Level-Support

Der Second-Level-Support betrifft die Infrastruktur und ist häufig Aufgabe des Schulträgers. Städtisches IT-Personal oder kommunale Dienstleister kümmern sich zum Beispiel um das regelmäßige Update des Schulservers, halten die Firewall des Schul-WLANs auf dem neusten Stand oder beraten bei Software- Problemen. In manchen Landkreisen wie etwa in Groß-Gerau bei Frankfurt stellt die Kreisverwaltung den Grundschulen sogar Server in einem eigenen Rechen- zentrum samt vollem Support bereit.

Für den Third-Level-Support sind die zertifizierten Fachhändler vor Ort zuständig. Sie bieten den produktbezogenen Support und Reparaturen für Hard- und Software an.

Wichtig! Um diesen Support verlässlich zu gewährleisten, gilt es schon vor der Anschaffung zu prüfen, ob im Vertrag mehr als nur eine Garantie für die IT-Infrastruktur vorgesehen ist.

Ausflug in die IT: Was ist First-, Second- und Third-Level-Support?

  • IT-Verantwortliche im First-Level-Support kümmern sich direkt um technische Anfragen von Nutzern. Dies kann telefonisch oder auch direkt vor Ort geschehen. Sie nehmen Störungsmeldungen von Nutzern entgegen und erarbeiten Lösungen zu deren Behebung. Sofern eine einfache Problemlösung möglich ist, wird diese direkt vom First-Level-Support durchgeführt. Ist dies nicht möglich, werden die Anfragen an den Second-Level-Support weitergeleitet, der für die schwierigeren Anfragen zuständig ist.
  • Oft führen First- und Second-Level-Support auch einfache Administratortätigkeiten in Eigenverantwortung aus. Zu ihren Aufgaben gehört zudem die lückenlose Dokumentation der durchgeführten Tätigkeiten, entweder in einem Ticketsystem oder in einer Datenbank.
  • Der Third-Level-Support kümmert sich um die Probleme, die bei der Nutzung von Software oder bei der Administration von Internetauftritten entstehen. Meist beschäftigt sich der Third-Level-Support nicht mit bereits bekannten Problemen, sondern mit neuen, bislang unbekannten Problemen und versucht, für diese effiziente Lösungen zu erarbeiten. Hat der Third-Level-Support das Problem eines Nutzers gelöst, so werden diese Antworten archiviert und gespeichert. Auch werden sie an das restliche Support-Team weitergegeben, sodass die Ansätze definitionsgemäß in den First- oder Second-Level-Support übergehen.

Bei der Auswahl des IT-Beauftragten, des Herstellers und des lokalen Dienstleisters empfiehlt es sich, folgende Kriterien zu beachten:

  • langfristige Garantien auf Hard- und Software
  • regelmäßige Wartung und Administration
  • eine deutschsprachige Hotline mit 24 Stunden-Service und sehr kurzen Reaktionszeiten
  • Einsatz von Predictable Solutions (wie einer Monitoring-Software, die bereits in der Anbahnung vorausgreifende Serviceeinsätze auslöst)
  • kurzfristige Lösung von technischen Problemen durch einen Kundenservice vor Ort
  • langjährige Erfahrung im Bildungssektor

Weiterentwicklung

Die kontinuierliche Weiterentwicklung der IT-Infrastruktur, der digitalen Werkzeuge und digitalen Lernkonzepte ist eine weitere Aufgaben, die in einem interdisziplinären Team, in Gremien oder Arbeitskreisen angesiedelt werden muss. Aktuell gibt es dafür zwei wesentliche Szenarien der Weiterentwicklung:

Szenario 1: Vom Projekt zur gesamten Ausstattung

In einem kleinen Teil der Schule gibt es bereits interaktive Whiteboards oder einzelne Klassen nutzen Tablets im Unterricht. Nach den positiven Erfahrungen mit dem Modellprojekt soll nun die gesamte Schule auf den neusten Stand der Technik gebracht werden. Hierbei handelt es sich um ein umfangreiches Beschaffungsprojekt, meistens getragen durch den Medienentwicklungsplan des Schulträgers, das langfristig und entlang der Schritte der vorangegangenen Kapitel zu planen ist.

Szenario 2: Die punktuelle Weiterentwicklung

Die technische Ausstattung von Schulen verbessert sich langsam aber sicher. In jedem Raum befinden sich interaktive Whiteboards, es gibt Laptops und Tablets, eine Cloud für Lehrer und Schüler und ein stabiles Internet. Diese Schulen werden ihre Ausstattung kontinuierlich und punktuell weiterentwickeln. Es wird zum Beispiel in weiteren Schritten darum gehen, Inhalte aus digitalen Schulbüchern zu testen. Dabei kooperiert der IT-Beauftragte im Austausch mit einzelnen Fachlehrern, sammelt Erfahrungen und organisiert einzelne Test-Projekte. Gemeinsam mit dem Schulträger, der Schulleitung und dem Kollegium wird danach über den Nutzen einer Umstellung beraten. Im positiven Falle startet ein neues Beschaffungsprojekt.

Darüber hinaus sollte die Ausstattung so angelegt sein, dass man auf vorige Investitionen direkt aufsetzen kann beziehungsweise das Ziel erreicht wird, digital arbeiten zu können.

Investitionen in die Weiterentwicklung

Die technische Weiterentwicklung hängt eng mit der Weiterentwicklung der Lehrkräfte zusammen und mit dem pädagogischen Konzept, das umgesetzt werden soll. Beispielsweise, wenn ein Lehrer die Sitzordnung ändern oder mehr Gruppenarbeit ermöglichen will. Mit der richtigen Lösung kann man hier auch ohne große Investitionen gute Ergebnisse erzielen.

Beim Thema Investitionen gibt es also drei Dimensionen:

  1. Aufbau und Erweiterungsinvestition: Sie ist stufenweise möglich wie oben beschrieben. Sie erlaubt es, dass Schulen ihre nächsten Schritte kostengünstig gehen.
  2. Modernisierung- und Ersatzinvestition: Im Klassenzimmer wird klein angefangen und dann sukzessive erweitert, beispielsweise ein zweites Smartboard oder eine Dokumentenkamera.
  3. Die Investition in die Lehrkräfte: Sie müssen mit dem fortschreitenden Stand der Technik fortgebildet werden.

Best Practice – Beispiel aus der Praxis

Best Practice Kreative Planung: Die Albertine-Scherer-Grundschule in Birkenheide

Gemeinsam mit ihrer Schulleiterin machte Lehrerin Tine Tremmel die Albertine-Scherer-Grundschule in Birkenheide für das Lernen mit digitalen Medien fit. Die zwei ersten interaktiven Whiteboards samt Dokumentenkameras und aktueller Software erhielt die Schule durch ein vom Land gefördertes Projekt für Digitale Bildung an Grundschulen. Inzwischen gibt es in allen Klassenräumen interaktive Whiteboards. Den Schülern stehen Notebooks zur Verfügung und die Anschaffung von Tablets ist fest eingeplant.

Tine Tremmel sagt:

“In jedes dieser Beschaffungsprojekte haben wir viel Aufwand für Planung investiert. Das war eine gute Grundlage für das Gelingen.”

Die Fragen in der frühen Planungsphase waren:

  • Wie möchte ich in Zukunft gerne unterrichten?
  • Was will ich dafür anschaffen?
  • Wie könnte es finanziert werden?

Zum Thema Hard- und Software gab es dabei meistens klare Vorstellungen. Zum Beispiel sollten handliche, robuste Notebooks angeschafft werden.

“Ein Kriterium war die Kompatibilität zu bestehenden Systemen, wie den interaktiven Whiteboards, und eine einfache, kindgerechte Handhabung. Außerdem müssen die digitalen Versionen unserer Lehrwerke und die passenden Lernspiele auf den Notebooks funktionieren”,

erklärt Tremmel. Die pädagogischen Anforderungen waren schnell geklärt. Die finanziellen und technischen Rahmenbedingungen erwiesen sich als komplizierter.

“Das schmale Schulbudget ist immer eine Hürde. Deshalb bewerben wir uns regelmäßig um Fördergelder von Stiftungen und dem Land”,

sagt Tine Tremmel. Auch Sponsorengelder von lokalen Unternehmen oder Beiträge von Eltern sind mögliche Finanzierungshilfen. Technisch musste die kleine Grundschule schrittweise nachbessern. Repeater in den Klassenzimmern verstärkten das WLAN. Außerdem wurden neue Stromkabel gelegt, um die 20 Notebooks auch parallel aufladen zu können.

Tremmel bemerkt:

“Richtig abgeschlossen ist der Prozess der digitalen Beschaffung nie. Umso wichtiger ist es, in die Zukunft zu planen und die eigene Infrastruktur dementsprechend sinnvoll weiterzuentwickeln.”

Das Beispiel der Albertine-Scherer-Grundschule zeigt deutlich, dass die Wandlung hin zur digitalen Schule ein Prozess in einzelnen Schritten ist. In den verschiedenen Phasen ist der Blick auf das gemeinsame Ziel genauso gefragt wie der Mut zu neuen, unkonventionellen Wegen.

Best Practice Kollegen einbeziehen: Das Deutschhaus Gymnasium in Würzburg

2015 stattete das Deutschhaus Gymnasium in Würzburg 42 KlassenrŠume mit interaktiven Whiteboards und Dokumentenkameras aus. In zehn weiteren Klassenzimmern machten 2017 Whiteboards und Kreidetafeln Platz für vernetzte Tafeln und Beamer. Den Impuls zum Aufbruch in digitale Zeiten gab der Landkreis Würzburg als Schulträger.

“Unsere Aufgabe war es, die richtigen Bildungslösungen auszuwählen. Dabei wollte ich möglichst früh das gesamte Kollegium und seine Wünsche berücksichtigen”,

sagt Brigitte Greiner. Sie unterrichtet am Deutschhaus Gymnasium Informatik, Mathematik und Physik und ist für die IT-System- und Fachbetreuung zuständig. So richtete sie für den Hardware-Test ein eigenes Klassenzimmer ein. Hier konnten die Kollegen die Technik im Unterricht ausprobieren. Zusätzlich wurde auf mebis, einem Online-Portal für alle bayerischen Schulen, ein schulinternes Forum zum Austausch über Wünsche und Vorschläge ins Leben gerufen.

Mit großem Erfolg: Knapp ein Drittel des Kollegiums beteiligte sich. Zum Beispiel wünschten sich die Kollegen eigene Rechner samt Bildschirm in jedem Klassenzimmer und eine Dokumentenkamera. Außerdem sollte der Technikanbieter einen 24-Stunden-Support und passende Fortbildungen zur Einführung anbieten. Greiner erzählt:

“Der Austausch war sehr sinnvoll. Manche Wünsche waren mir allein nicht so klar.”

Auf Basis der so entstandenen Anforderungsliste entwickelte die Schule eine passende Ausschreibung für Technikdienstleister. Bei ihrer Gestaltung half ein vom Landkreis Würzburg beauftragter Experte.

Mit dem Ergebnis sind heute knapp zwei Jahre später alle Beteiligten sehr zufrieden. So gab es früher einen Beamer für eine ganze Etage, der schon Tage im Voraus reserviert werden musste. Heute ist jedes Klassenzimmer mit interaktiven Whiteboards ausgestattet und verfügt über einen Internetanschluss.

“Es gab im gesamten Beschaffungsprozess kaum kritische Stimmung. Heute steht das ganze Kollegium hinter der Digitalisierung unserer Schule”,

sagt Greiner. Die Fachschaften treffen sich regelmäßig, um sich über neue digitale Unterrichtsmethoden zu beraten oder selbst erstellte interaktive Materialien vorzustellen. Auch zwei neue Digitalisierungsprojekte sind in Planung: ein WLAN für die Schule und ein Konzept für Bring Your Own Device (BYOD). Die Schüler lernen dabei im Unterricht mit ihren eigenen digitalen Geräten.

Wird das Kollegium rechtzeitig in den Beschaffungsprozess einbezogen und können die Lehrkräfte Wünsche und auch Unsicherheiten äußern, so ist die Akzeptanz umso größer. Diese konkrete Erfahrung hat beim Deutschhaus Gymnasium in Würzburg mit zum Erfolg des IT-Projekts geführt und ist eine wichtige Erkenntnis für alle Beschaffungsprozesse.

Fazit

Wer zum Start des Beschaffungsprozesses die Kriterien für die Anschaffung sowohl im pädagogischen Konzept als auch im Medienentwicklungsplan klar definiert, die Rahmenbedingungen in der Schule berücksichtigt, alle Verantwortlichen einbezieht und den Austausch mit Kollegen und Entscheidungsträgern aus anderen Schulen oder Städten sucht, legt damit die Grundlage für den Erfolg des Projekts.

In der frühen Planungsphase legen Sie den Grundstein für Ihr Projekt. Planen Sie rechtzeitig, nutzen Sie die Erfahrung anderer, tauschen Sie sich aus. Beziehen Sie schon jetzt alle Beteiligten ein und stellen Sie ein Team von Verantwortlichen auf, das regelmŠ§ig über Fortschritte informiert – Kommunikation schafft Transparenz und vor allem Akzeptanz. Sie ist damit ein zentraler Erfolgsfaktor eines Beschaffungsprojekts.

Der Prozess der Beschaffung endet nur vorläufig, wenn ein gewünschter Standard, den sich die Verantwortlichen zum Ziel gesetzt haben, erreicht worden ist. Hier sollte man innehalten und ein Resümee ziehen: Haben wir unser Vorgaben erreicht? Waren die Abläufe effizient? Was können wir verbessern? Diese Revision bildet gleichzeitig die Grundlage für weitere Projekte, die sich langfristig oder auch direkt anschließen werden. Mit einer guten Dokumentation und Auswertung fällt es leichter, die Erfahrungen zu nutzen – und in weiteren Beschaffungsprozessen davon zu profitieren. Die Beschaffung ist ein fortlaufender Prozess, der sich mit dem Lehren weiterentwickelt.

Weiterführende Informationen

  • Erfolgsfactoren für die Einführung digitaler Medien in Schulen – eineProzessanalyse, Mina Ghomi, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät – Institut für Informatik, Humboldt Universität zu Berlin (2016).
  • Lernförderliche IT-Infrastructuren ganzheitlich dencen, planen undumsetzen, Institut für Informationsmanagement Bremen GmbH (ifib) (2016).

Die aktuellen Links zu diesen Veröffentlichungen sowie weitere Informationen zur Beschaffung finden Sie auf unserer Internetseite: www.netzwerk-digitale-bildung.de/linkliste

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